Alle Artikel mit dem Schlagwort “Bundespräsident

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum April

Frühling. Das ist die Jahreszeit, in der die Säfte wieder in Baum, Strauch und müde Glieder fahren. Der Winter mit seinem Getöse zog sich in raue Berge zurück! Schnell alle überflüssige Kleidung abgelegt und probiert, ob sich die Frühlingsgedanken und –gefühle noch mit der nötigen Geschmeidigkeit in Taten umsetzen lassen.
Wie schnell ist ob der lauen Lüfte, ob des Knospens und Sprießens umher das Elend der Welt vergessen. Eurokrise? Syrien? Bundespräsidentenwahl? Das war alles gestern, und wenn es heute noch sein sollte, dann ist es zumindest gefühlt weit weg.

So denken die jungen Leute, denken die alten Leute. Die Jugend hat ja nichts mehr auszustehen! Die Jugend hat keine Ideale mehr! Die Jugend lädt sich Musik aus dem Internet und bezahlt nicht dafür! Diese Platte wird schon seit der Antike abgespielt. Die einzige Neuerung ist, dass dank gestiegener Lebenserwartung heute die 90jährigen darüber motzen, wie respektlos die 60jährigen sind. Keiner von denen steht auf, um in der Straßenbahn einen Platz anzubieten…

Der Frühling ist und bleibt jedoch die Jahreszeit der Jugend. Sollen die Alten doch weise sein, die Jungen haben für Weisheit keine Zeit! Woher soll man im Alter auch erfahren sein, wenn man in der Jugend nicht geliebt, getanzt und gefehlt hat? Je mehr Unfug man im Frühling macht, desto überzeugender kann man im Herbst davor warnen. In diesem Sinne: Es ist immer besser, etwas zu bereuen, was man getan hat als etwas, das man nicht getan hat. Frühling, let´s go!

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum März

Ist Konsens das Ziel alles Strebens? Was ist passiert, wenn plötzlich aller einer Meinung sind? Wie fühlt man sich, wenn einen plötzlich alle mögen? Ob sich Joachim Gauck das manchmal fragt?
Wir wissen es nicht, denn uns ist das noch nie gelungen: Von allen geliebt zu werden. Vielleicht wollen wir das aber gar nicht?
Das neue Monatsprogramm der Moritzbastei ist erschienen, darin und darum auch hier das Wort zum Monat. Wir sehen uns.

In Deutschland herrscht Fachkräftemangel. Freut euch, Auszubildende und Studierende! Es ist so arg, dass jetzt sogar die Silbermähnen wieder ins Berufsleben integriert werden.
In der Politikbranche, die ebenfall seit langen Jahren unter eklatantem Fachkräftemangel leidet, hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Ein rüstiger Rentner übernimmt das Amt des Bundespräsidenten von einem über 20 Jahre jüngeren Kollegen, der seine hohen Ansprüche nur im privaten mit Konsequenz in die Tat umsetzen konnte. In Arbeitszeugnissen heißt so etwas dann vernichtend „neigte zur Geselligkeit“ und „bemühte sich, den an ihn gestellten Anforderungen gerecht zu werden“.

Für Joachim Gauck schließlich ist es die späte Chance, aus seinem Leben noch etwas zu machen. Als Pfarrer konnte er die grassierende Verheidung der DDR weder aufhalten noch verhindern. Als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde schaffte er es nur mit fleißiger Unterstützung ehemaliger IM, die Akten so zu interpretieren, wie es von ihm in solch einer verantwortungsvollen Position erwartet wurde. Später vergeigte auch noch eine Karriere als TV-Talkmaster. Danach konnte er beruflich nicht mehr recht Fuß fassen, engagierte sich dafür umso stärker ehrenamtlich und wurde, seinen Lebensumständen entsprechend, vor allen Dingen alt.

Joachim Gaucks entwickelte sich vom Bürgerrechtler zum Volksvertreter, nun lockt das Upgrade zum Landesvater. Wie viel dabei von den Vorgängerversionen deinstalliert werden musste, weiß er nur selbst. Manche meinen, nun bekäme das Land am 18. März endlich wieder einen Präsidenten, das es verdient hat.

Ob das so ist, und wie man das verstehen darf? Wir werden es sehen.