Kommentare 2
/ Autor: torstenreitler

Dann rufen wir doch mal Madonna an!

t4g

Und dann steht plötzlich an einem Donnerstag Mittag im April Anne-Sophie Mutter im Oberkeller der Moritzbastei und schlägt vor, am 14. Juni ein Benefizkonzert zu spielen. Unsere Gesichter könnt ihr euch vielleicht vorstellen.

Aber von Anfang an. Das ist eine Geschichte von Unvorhersehbarkeiten, die nur eintreten, wenn man einfach mal seinem inneren Kompass folgt und loslegt. Die Geschichte unserer Konzertreihe „Klassik underground“, die Geschichte unseres Engagements für Menschen, die vor Not, Krieg und Perspektivlosigkeit geflohen sind und die der Zufall und die Wirrnisse der Zeit nach Leipzig gebracht haben.

Im vergangenen Frühjahr wollten MusikerInnen des Gewandhausorchesters ein Gruppenfoto für ihr Ensemble Neues Bachisches Collegium Musicum“ in der Moritzbastei aufnehmen. Tahlia Petrosian war eine von Ihnen, und die Gewölbe der MB faszinierten sie so sehr, dass sie uns fragte, ob wir uns nicht klassische Konzerte in der Moritzbastei vorstellen könnten. Wir konnten, obwohl wir keinerlei Erfahrung damit hatten und unser Publikum derartige Konzerte ganz sicher nicht bei uns erwartete.  Tahlia wusste, dass nicht nur sie und viele ihrer KollegInnen im Gewandhausorchester sich danach sehnen, hin und wieder aus dem oft museal anmutenden Klassikbetrieb der Hochkultur auszubrechen. Also begann sie Solisten zu fragen, ob sie sich einen Auftritt in der MB vorstellen könnten. Der erste, der zusagte, war Leif Ove Andsnes, der am 25. Februar 2016 nach seinem Großen Concert im Gewandhaus in der Moritzbastei eine furiose Afershowsession spielte.

Der Erfolg spornte uns an, wir suchten  das Gespräch mit dem Gewandhaus  mit dem Ergebnis, dass wir ab der kommenden Spielzeit miteinander bei „Klassik underground“ kooperieren werden. Am Anfang standen die Idee und der Plan, Menschen für Klassik zu interessieren, die den Weg in das Gewandhausorchester scheuen, denen die Riten des Klassikbetriebes fremd sind und die Lust darauf haben, in der für sie gewohnten Atmosphäre eines Clubs klassische Musik zu entdecken und zu genießen. Wir hatten keinen Plan davon, welche Eigendynamik diese Idee entwickeln würde.

Nach einem Konzert in Berlin sprach Tahlia Anne-Sophie Mutter an, von Musikerin zu Musikerin. Die gefühlt zwei Minuten Kontakt reichten für eine Einladung zu „Klassik underground“ und ein gemeinsames Selfie. 😉

(Quelle: facebook)

Dem folgte ein langer Brief an Anne-Sophie Mutters künstlerisches Büro mit der Anfrage, ob sie sich vorstellen könne, nach ihrem Gewandhauskonzert im März 2017 in die Moritzbastei zu kommen für ein Mitternachtskonzert. Thalia schätzte, wäre leichter, „Madonna zu buchen als Anne-Sophie Mutter„.  Als Antwort erhielt sie einen Anruf, dass Frau Mutter im April in Dresden sein werde und sich gerne die Moritzbastei anschauen wolle. Wir so: „Na dann rufen wir doch mal  Madonna an!“ 😀

Und dann steht plötzlich an einem Donnerstag Mittag im April Anne-Sophie Mutter im Oberkeller der Moritzbastei und schlägt vor, am 14. Juni ein Benefizkonzert zu spielen. Unsere Gesichter könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Sie meinte, sie habe keine Lust, noch ein Jahr zu warten. Die Zeit für ein Statement wäre jetzt! Nach 15 Minuten war der Termin Geschichte, wir verabschieden uns mit einem Handschlag und einem Grinsen im Gesicht, das möglicherweise etwas debil ausgesehen hat. Könnte uns mal einer zwicken, bitte?!

Seitdem sind wir am telefonieren, organisieren, abstimmen. Seit unserer Aktion 1+1 ist der Flüchtlingsrat Leipzig e.V. unser Ansprechpartner in Sachen Hilfe für Geflüchtete.  Diverse MB-MitarbeiterInnen engagieren sich dort in privater Initiative ehrenamtlich, bei unserem „Moritz.Basar“ am 30. April sammelten wir knapp 1300 Euro Spendengelder, um die Arbeit des Flüchtlingsrates und der Amadeu-Antonio-Stiftung zu unterstützen. Auch die Erlöse des Benefizkonzertes am 14.6. werden wir dem Flüchtlingsrat, genauer dem Verein „Integration durch Bildung“ zukommen lassen. Die Arbeit des Vereins richtet sich darauf, Menschen durch Bildung einen Zugang zu unserer Gesellschaft zu ermöglichen und dort anzusetzen, wo Regelschulen und DAZ-Unterricht nicht greifen.  Ein tolles Projekt, das 2006 mit dem Agenda-Preis 21 in der Kategorie Ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wurde. Und das – wie fast alle Projekte dieser Art – chronisch unterfinanziert ist.

Wie bei Klassik underground hat sich auch bei unserem Engagement für Geflüchtete eines ins andere ergeben. Hätte uns vor einem Jahr jemand erzählt, dass Anne-Sophie Mutter in der Moritzbastei ein Benefizkonzert für den Flüchtlingsrat geben würde, wir hätten ihn wohl für seine überbordende Phantasie beglückwünscht…
Vielleicht motiviert das den einen oder anderen, einfach das zu tun, was er als richtig empfindet. Als Institution können wir auf diese Weise aktiv werden, als Einzelner habt ihr viele andere Möglichkeiten zu helfen. Ist gar nicht so schwer und muss auch nicht immer ein gleich ein Konzert mit Anne-Sophie Mutter sein. Oder mit Madonna. 😉

Alle Infos zum Konzert findet ihr auf der Moritzbastei-Homepage und bei Facebook. Spendentickets gibt es im Moritzbastei-Vorverkauf oder bei tixforgigs.

Unterstützung bei der Produktion des Konzertes erhalten wir durch Westend PR Leipzig sowie die Firmen Blüthner Leipzig, Xancuro Limousinen, Steigenberger Hotel Leipzig, Behrens Rechtsanwälte und Tixforgigs. Vielen Dank!

/ Autor: markus-koerner

Wie war das noch gleich mit dem Wiederaufbau?

Ist es nicht schön wenn sich alles so gut ineinander fügt? Ja das ist es. Auf der Suche nach Aufnahmen und Anekdoten aus der jüngeren Vergangenheit der Moritzbastei kam zufällig ein Mann auf uns zu und lieferte beides, Fotografien und die Geschichten dahinter. Die Rede ist von Hans-Wolfgang Wenzel, einem Sohn der Stadt Leipzig, gelernter und studierter Maschinenbauer und Ingenieur sowie seit 1974 Hobbyfotograf. Letzterem haben wir wunderbare Aufnahmen u.a. aus den Jahren 1978 und 79 zu verdanken.

Im Jahr 1974, am 30. März um genau zu sein, wurde der Grundstein für das „Studentenprojekt Moritzbastei“ gelegt. Zu diesem Zeitpunkt lag bereits eine aufregende Zeit hinter den Mauern des heutigen Kulturzentrums im Innenstadtring und eine ebenso aufregende neue begann. Die gesamte Geschichte der Moritzbastei kann man hier nachlesen.

Hans-Wolfgang Wenzel und seine Frau kehrten nach ihrem 1977 beendeten Studium aus Magdeburg zurück nach Leipzig und leisteten Anfang 1978 aus persönlichem Interesse Aufbaustunden in der Moritzbastei. „Da ich nie oder selten ohne Kamera unterwegs bin, machte ich natürlich einige Fotos vom Wiederaufbau der MB.„, so Herr Wenzel in einem kurzen Interview zu den Fotografien. Es ist unser Glück, dass er sein Hobby immer im Blick hatte und so schöne Fotografien vom Wiederaufbau entstanden. Dadurch entstand auch ein guter Kontakt zu Peter Kunz, dem damaligen Direktor bzw. Klubleiter der Moritzbastei. Dieser bat Hans-Wolfgang Wenzel in Folge seiner Mitarbeiter gelegentlich um Aufnahmen von Veranstaltungen in den bereits fertiggestellten Räumen.

John Stave – Lesung in der großen Tonne (April 1978)
Karnevalseröffnung in der großen Tonne (November 1978)
Barbara Thalheim in der großen Tonne (Mai 1979)

Parallel zu den ersten Lesungen, Feiern und Konzerten in der großen Tonne (die heutige Veranstaltungstonne) wurden die Arbeiten am Oberkeller und den restlichen Räumen vorangetrieben. Ein besonderer Meilenstein war die 100.000. Aufbaustunde, wohlgemerkt alles freiwillige Arbeitsstunden, am 08. Februar 1979.

Gruppe von freiwilligen Arbeitern zusammen mit Peter Kunz zur Begehung der 100.000 Aufbaustunde vor dem Basteieingang (Februar 1979)
Bauarbeiten im Unterkeller (Januar 1979)
Bauarbeiten im Oberkeller (Januar 1979)

Am 01. Dezember 1979 wurde der Oberkeller feierlich eröffnet und erstrahlte in einem Glanz, den er bis heute bewahren konnte. Abgesehen von den Polsterbezügen auf der ein oder anderen Sitzgelegenheit wurde das bewährte Aussehen und die Einrichtung beibehalten und dient somit seit fast vier Jahrzehnten als Anlaufpunkt für Veranstaltungen verschiedenster Art.

Oberkeller zur Eröffnung (Dezember 1979)
Oberkeller zur Eröffnung (Dezember 1979)
Oberkeller zur Eröffnung (Dezember 1979)

Zum Abschluss sei noch ein großes Dankeschön an Herrn Hans-Wolfgang Wenzel gerichtet, der uns mit seinen Fotografien und den dazugehörigen Informationen ein Stück weit mitnehmen konnte, in eine prägende Zeit der Moritzbastei, auf die wir gern zurück blicken. Hans-Wolfgang Wenzel lebt heute in Klinga bei Grimma und ist weiterhin künstlerisch aktiv.

Selbstportrait Hans-Wolfgang Wenzel (Dezember 1979)

/ Autor: torstenreitler

Gute Sache. Gute Sachen.

3004-Moritzbasar
Es fliehen Menschen nach Deutschland. In Medien und Gesprächen werden Superlative bemüht, es fallen Vokabeln wie „Krise“ oder „Katastrophe“. Geht man durch die Straßen seiner jeweiligen Stadt, stehen die meisten Gebäude dann noch; Strom, Wasser und W-Lan-Empfang sind vorhanden und der Alltag geht seinen gewohnten Gang. Wo sind die Probleme?

Die Probleme gibt es. Sie sind in den allermeisten Fällen ganz profan und eine der führenden Industrienationen der Welt sollte sich schämen, bekäme sie diese nicht in den Griff. Menschenwürdige Unterbringung und Versorgung, Hilfe bei der Eingewöhnung, soziale Bindung für Menschen ermöglichen, die mit Deutschland Sicherheit und Hoffnung für ihre Zukunft verbinden (womit eine zentrale Vorstellung vieler Abendlandbewahrer von unserem Land gemeinsam haben. Oder?).

Weil viele aus dem Team der Moritzbastei dabei mithelfen wollen, die neue gemeinsame Gegenwart mit den Menschen, die zu uns geflohen sind, zu gestalten, haben wir vergangenen Oktober die „Aktion 1+1“ gestartet. Dank zahlreicher Spenden von unseren Gästen und MitarbeiterInnen sind 1233 Euro zusammengekommen, die wir als Moritzbastei auf 2466 Euro verdoppelt haben. Dafür haben wir gekauft und an verschiedene Träger der Erstaufnahmeeinrichtungen (Sachspendenzentrale, Ernst-Grube-Halle) übergeben:

Lebensmittel für ca. 1070 Euro,darunter:
Obst, Gemüse, Milch, Babymilch, Fladenbrot, Sesampaste, Süßigkeiten, Olivenöl…

10 Spiralblöcke A4 kariert
10 Spiralblöcke A4 liniert
5 dicke Mandala-Malblöcke
5 Pckgen Filzstifte (60er)
24 Federmappen komplett bestückt
23 Füller
plus Stifte u. Papier f. ca. 100 Euro
100 Einwegrasierer
20 Dosen Rasierschaum
1314 Windeln
plus Hygieneartikel f. ca. 220 Euro
5 Holz-Wackeltürme (Spiel)
6 große Spielesammlungen
5 Badminton-Sets
4 Mini-Badminton-Sets f. Kinder

Eine Großspende der Moritzbastei. Mit dabei Badmintonsets, Windeln, Decken und noch viel mehr. Zudem eine Überraschung, die zu unserem nächsten Flohmarkt zum Einsatz kommen wird. Danke!

Posted by Sachspendenzentrale Leipzig on Mittwoch, 17. Februar 2016

Damit sollte die (so genannte) Flüchtlingskrise jetzt ein für alle Mal gelöst sein. Nicht.

Deshalb geht es weiter. Am 30. April (an diesem Samstag findet auch das traditionelle Festival „Leipzig. Courage Zeigen!“-Festival auf dem Marktplatz statt) veranstalten wir auf unserer Terrasse den ersten MORITZ.BASAR . Gute Sache. Gute Sachen! Notiert euch schon mal den Termin, alle Details erfahrt ihr noch über unsere Homepage, Facebook, Newsletter…

 

 

/ Autor: markus-koerner

Alles neu am Mittwoch

Jetzt hat es sich ausgetanzt am Mittwochabend in der Moritzbastei. Nein, natürlich nicht wirklich. Es war nur Zeit für etwas Neues. So wie Trends in der Mode, Musik oder im Design kommen und gehen, so ändert sich auch der Geschmack der Besucher an unseren Veranstaltungen. Daher haben wir uns Gedanken gemacht und dem Mittwoch ein Facelifting verpasst. Es soll ja niemand sagen, wir würden nicht mit der Zeit gehen oder hätten das Ziel aus den Augen verloren…das Ziel, Euch bestmöglichst zu bespaßen.

Ab 20 Uhr könnt ihr nun Mittwochs den Oberkeller mit Bar, Kicker und Tischtennis unsicher machen und um 22 Uhr schließen sich wie gewohnt die Klänge unserer DJ´s an. Alles und zu jeder Zeit mit kostenlosem Eintritt. Kommt vorbei, schaut es euch an und entscheidet selbst.

Für den Heimweg gibt es zu späterer Stunde an der Garderobe für 2 Euro noch ein „Wegebier“, „Heimweg-Bier“ oder „Fußpils“, wie es bei mir in der Heimat auch scherzhaft genannt wird.

Also nochmal alles kurz zum Mitschreiben. Der Name und die damit verbundene Musik am jeweiligen Abend bleibt bestehen, der Startschuss mit Kicker, Tischtennis und Kneipenatmosphäre fällt bereits um 20 Uhr und der Eintritt ist gestrichen.

Erster Termin: 02. März 2016 – Shake your B!

/ Autor: torstenreitler

This is Klassik under ground

leifove

In der Nacht vom 25.2. ist unsere Reihe „Klassik under ground“ im Leipziger Musikleben gelandet. Klingt vielleicht übertrieben, aber nach diesem fantastischen Konzert mit Leif Ove Andsnes wollten Künstler, Zuschauer und wir als Veranstalter nur eines: mehr davon!

Im vergangenen Jahr haben wir schon zwei Konzerte unter diesem Titel veranstaltet, parallel dazu lief die Arbeit am endgültigen Konzept aber immer weiter. Nach der Zusage von Leif Ove Andsnes nahmen die Planungen noch einmal heftig Fahrt auf. Mit Tahlia Petrosian, Gewandhausmusikerin und Energiebündel hinter den Kulissen von „Klassik under ground“, haben wir von der Moritzbastei mit Produzenten, Musikern und Agenturen gesprochen. Wir wollen eine Reihe etablieren, die einen zeitgemäßen und spannenden Zugang zu klassischer Musik ermöglicht. Gerade und unbedingt für junge Menschen, denen die (gefühlten und tatsächlich vorhandenen) Rituale und Barrieren in den großen Spielstätten fremd sind.

Mit Leif Ove Andsnes hat uns das Glück einen Ausnahmemusiker ins Haus geschickt. Ihm nimmt man uneingeschränkt ab, dass es ihm ein Anliegen ist, die klassische Musik dorthin zu bringen, wo sie die Menschen direkt erreicht. Sein Gespräch mit Tahlia vor dem Konzert war allein jeden Euro Eintritt wert – so unprätentiös, ehrlich und nahbar erlebt man nicht jeden Künstler dieses Ranges und Formats.

Das Konzert war übrigens restlos ausverkauft. Zum zweiten Mal in diesem Jahr, nach dem ebenfalls ausverkauften „Grossen Preis“, hat mich das Leipziger Publikum nach einem schleppenden Vorverkauf an der Abendkasse sehr glücklich gemacht. Wir mussten sogar Leute wegschicken… Ebenso überwältigend waren die Stimmen im Anschluss. Natürlich waren die Musiker großartig, natürlich ist Leif Ove Andsnes immer und überall ein Erlebnis. Aber die besondere Atmosphäre der Moritzbastei und unseres „Settings“ haben einen gehörigen Teil dazu beigetragen. Ich zitiere mal die Email, die eine begeisterte Zuschauerin heute an uns schrieb:

„Das Konzert gestern war fantastisch, ich war total begeistert. Ich saß direkt unten, sozusagen vis-à-vis vom Flügel und die Akustik war toll. Die Musiker haben natürlich hervorragend gespielt, aber das ganze Drumherum und die Atmosphäre haben dem ganzen noch das i-Tüpfelchen verpasst. Gerade bei Kammermusik tausendmal schöner als ein reiner Konzertsaal. Es war echt ein zauberhafter Abend!“

Das Konzert ist Geschichte, die Arbeit geht weiter. Motivation und Enthusiasmus haben wir im Übermaß getankt, jetzt beginnt die Nachbereitung. Wir möchten Partner und Mitstreiter gewinnen, die mit uns „Klassik under ground“  zu einem festen und einmaligen Punkt in der Leipziger Konzertlandschaft machen wollen. Pläne und Ideen gibt es zur Genüge. Und einen Konzertmitschnitt, den wir hoffentlich bald zeigen können.

Die Bilder sind schnell nebenbei entstanden, einen kleinen Eindruck vermitteln sie vielleicht trotzdem. Wir sehen uns wieder, das nächste „Klassik under ground“-Konzert ist zur Buchmesse am 20. März geplant. Bis dahin!

leifove4 leifove2 leifove1

/ Autor: giovanni-palilla

Lesen und gelesen werden 2016

20140314-_DSC7504

Die Leipziger Buchmesse ist ein guter Anlass, um nach einem Jahr in Leipzig und in der Moritzbastei meinen Einstand als Basteiblog-Autor zu geben. Piacere a tutti, sono Giovanni.

In den nächsten Wochen bis zur Buchmesse und natürlich während dessen wird bei uns in der Moritzbastei  gelesen (und vorgelesen). Mit der Veranstaltungsreihe Buchmesse schmeckt fängt am 29.02. bis zum 15.03. der Countdown an: täglich um 12.12 Uhr kann man bei einer Suppe verschiedene Leipziger Persönlichkeiten erleben, die aus ihrem aktuellen Lieblingsbuch einen Auszug vorlesen. Die Liste der Mitmacher findet man hier.

Parallel zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse beginnt am 16.3. auch unsere Ausstellung „Der Traum von Olympia“ von Reinhard Kleist. Der Autor hat ein sehr schwieriges, aktuelles Thema für seine neue Graphic Novel ausgewählt: es geht um die wahre Geschichte der Sprinterin Samia Yusuf Omar, die in ihrer Heimat von islamistischen Extremisten bedroht wurde, weil Frauen kein Sport treiben dürfen. Im Jahr 2012 ertrank sie mit 21 Jahren beim Versuch, die Olympischen Spiele in London zu erreichen. Am 16.03. wird der Autor zur Vernissage anwesend sein.

Wie jedes Jahr gilt die Lange Leipziger Lesenacht am 17.3. als die „Mutter aller Lesungen„. Hier präsentiert sich die Vielfalt der jungen deutschen Literatur, indem sie ihre Werke dem Publikum vorstellt. Die Liste der lesenden  AutorInnen findet ihr auf der Moritzbastei-Homepage.

Der 19.03. ist auch ein Tag, der notiert werden soll: um 18:00 Uhr findet die Krimi-Lesung des Fischer-Verlags statt, (anwesende Autoren sind Mark Roderick, Arno Strobel, Klaus-Peter Wolf) und danach stellt die Kult-Moderatorin Sarah Kuttner ihren neuen Roman vor: 180° Meer.

Zum Schluss, was ich persönlich schätze (als ex-Anglistik Student), ist die Lesung am 20.03. und zwar eine Kombination zwischen klassischer Musik und Edgar Allan Poe: im Rahmen der Reihe Klassik under ground liest Armin Zarbock „Die Maske des roten Todes“ und MusikerInnen des Gewandhausorchesters spielen „conte fantastique“, ein Konzert für Streichquartett und Harfe.

Weitere Veranstaltungen in Rahmen der Buchmesse findet ihr auf unserer Webseite unter dem Hashtag Buchmesse. Übrigens, wenn ihr euer Ticket kauft, könnte es sein, dass wir uns begegnen – seit Oktober leite ich den Ticketvorverkauf in der Moritzbastei. Bis bald!

/ Autor: markus-koerner

Wenn du nicht nur dein Herz verloren hast.

Jüngst trug sich mal wieder eine Geschichte zu, wie sie nur die Moritzbastei schreiben kann.

Ein Mann verlor seine Jacke während einer Partynacht in den Räumlichkeiten unseres Hauses und meldete sich zwei Tage später via Facebook bei uns. Seine Jacke wurde gefunden und konnte zugeordnet werden, nur leider war er bereits aus Leipzig abgereist und ins schöne Österreich zurück gekehrt. Darauf folgten spärliche Versuche durch weitere Facebook-Nachrichten und Mails, bis die Jacke schlussendlich entsorgt wurde.

WAS? Einfach weggeschmissen?

Ganz so einfach war es nicht. Zwischen seiner ersten Nachricht zum Verlust der Jacke und dem Wunsch sie bei seinem nächsten Besuch in Leipzig abzuholen oder ihm per Post zukommen zu lassen lagen Jahre. Fast drei Jahre, um genau zu sein. Die Jacke geriet in Vergessenheit und nun ist sie leider nicht mehr da. Es war ein trauriger Moment, in dem wir ihm den erneuten Verlust seiner Jacke mitteilen mussten.

Damit euch so etwas nicht passiert, solltet ihr wissen, wie das mit den Fundsachen im Hause Moritzbastei läuft. Wir sammeln alles Gefundene ein und warten auf Reaktionen bzw. schauen bereits abgegebene Gesuche durch, um Kontakt aufzunehmen. Nach kurzer Zeit werden die Sachen in das städtische Fundbüro oder zur Polizei gebracht, je nachdem ob es persönliche Dokumente oder Kleidung usw. ist. Es liegt also am Suchenden, wie wichtig ihm seine Sachen sind. Wer sich meldet und dran bleibt, bekommt die gefundenen Dinge auch wieder. Entweder von uns oder von der jeweiligen Anlaufstelle in der Stadt.

Alle Infos dazu findet ihr auch auf unserer Homepage. Wir hoffen natürlich, dass immer alles da bleibt, wo es hingehört 😉

/ Autor: torstenreitler

Der Preis ist wieder heiß

grande finale
Foto: ©
 K. Nauber

Leipzig hat seine Bands des Jahres 2015 gewählt und gefeiert. War es ein guter Jahrgang? Wie geht es weiter mit Leipzigs ältestem Bandaward? Ein paar Gedanken und Anmerkungen.

Wir hatten uns etwas vorgenommen im Dezember 2014 – den GROSSEN PREIS nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken zu lassen. Dort war er schon. So gut wie. Am 15. Januar 2016 war die Halle D ausverkauft, als die PreisträgerInnen des Jahres 2015 in ihrer Gala geehrt wurden. Die Reaktionen der Künstler, des Publikums und der Presse reichten von beeindruckt bis begeistert.

Was bleibt? Viel Arbeit. Die ersten Vorbereitungstreffen hatten wir im Januar 2015, dann wurde mit Freunden und Unterstützern nochmal am Konzept gefeilt. Wir verpflichteten uns zum Erfolg. Kein Plan B. Wenn die Szene, das Publikum und die Öffentlichkeit diesen Preis nicht mehr brauchen sollten, dann würden wir ihn zum letzten Mal ausrichten. Die Ausschreibungsphase für den Publikumspreis, die Abstimmung mit der Jury. Danach das Booking für den Abend. Verhandlungen mit dem Kulturamt, weil die Gala nicht im Förderzeitraum 2015 stattfinden konnte. Die Vorproduktion für die Show. Werbung, Werbung, Werbung.

 

Was haben wir erfahren? Bands und die Leipziger Musikszene wollen überzeugt werden, dass der GROSSE PREIS eine Bedeutung. Das haben wir hoffentlich zeigen können, die PreisträgerInnen haben den Abend und die Ehre genossen und die Resonanz in den Leipziger Medien war so groß, dass alle involvierten Bands und KünstlerInnen diese Aufmerksamkeit gespürt haben.

emily's giantZur Bildergalerie auf das Foto klicken, bitte!  © K. Nauber

 

Auch das Kulturamt wollte Fakten sehen. Wozu 5000 Euro ausreichen, wenn das Ergebnis so ernüchternd ausfällt wie 2014?  Der 15. Januar hat auch dort Vertrauen wieder hergestellt. Wir haben die Fördermittel für 2016 wie beantragt zugesichert bekommen. Auch das motiviert!

Ganz klar hat sich wieder gezeigt, dass wir ohne die Unterstützung von so vielen Machern aus Leipzig keine Chance haben, dem GROSSEN PREIS Relevanz zu verleihen. Danke noch einmal an alle, die mitgedacht, mitgetan, mitgehofft und mitgefiebert haben. Wenn da draußen jemand sein sollte, der mit ins Boot möchte, dann möge er oder sie sich herzlich eingeladen fühlen!

Der Abend in der Halle D zeigte auch: das Publikum will gewonnen werden. Die meisten verbinden mit dem Gala- bzw. Showformat, wie wir es zelebrieren, keine Erinnerung mehr. Die großen Moderatoren, der Samstag-Abend vor dem TV, die MTV-Ära, das alles ist für alle unter 30 weit weg. Keine Sentimentalität, keine Emotion, die als Projektionsfläche taugen könnten und mit denen wir ironisch spielen wollten. Moderator Raschid D. Sigdi schmiss nach der ersten halben Stunde sein Konzept in die Kulissen und improvisierte sich durch die Gala. Das kann er, zum Glück.
Ganz ehrlich, auch mir ging ganz kräftig die Düse. Entsprechend groß war der Stein, der mir vom Herzen fiel, als wir sahen: Das Publikum bleibt am Ball! Es amüsiert sich! Es freut sich auf den nächsten Einspieler! Es tanzt, applaudiert, geht auf die Moderation ein!
Nach drei Stunden, die dann doch wie im Fluge vergingen (kaum jemand verließ während der Show die Halle, das beeindruckte mich am meisten!), ist da das Gefühl: Es hat funktioniert! Die Leute haben es verstanden! Der Zuspruch und das Schulterklopfen von allen Seiten tun ihr übriges

Das Endorphin ist verflogen. Jetzt sind wieder die MusikerInnen, Juroren, Veranstalter am Zuge. Die nächsten Preisträger werden im Dezember 2016 geehrt werden (der Januartermin ist aus förderrechtlichen Gründen leider nicht wiederholbar). Wir hoffen auf einen ebenso aufregenden Jahrgang wie 2015.

 

 

/ Autor: torstenreitler

Endorphin, Haltung und T-Shirts.

Das 10. Gastrophonische Neujahrssingen ist Geschichte, die Moritzbastei war als „Die Ärzte“ mit am Start und der ganze Saal so: „Arschloch!“

Am 9. Januar ging im Haus Leipzig das 10. Neujahrssingen der Leipziger Gastro- und Medienvertreter über die Bühne. Die Entscheidung, welchen Song wir in diesem Jahr singen, fiel sehr, sehr spät. Am Ende fiel die Wahl auf „Schrei nach Liebe“, obwohl auch andere sehr tolle Ideen im Raum standen. Ein bisschen unsicher waren wir schon, ob die Nummer nicht zu ausgelutscht wäre und vielleicht auch ein bisschen von der Aktualität eingeholt. Schließlich sind es ja nicht mehr unbedingt Naziskins, die Jagd auf alles machen, was sie nicht in ihr Weltbild gepresst kriegen. Was früher als „rechter Rand“ begriffen wurde, hat sich europaweit in die Mitte der Gesellschaft gefressen, und verschanzt sich hinter „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“.

Als uns dann aber der Jubel entgegentoste und der ganze Saal ein von Herzen kommendes „Arschloch!“ entgegenschmetterte, war klar: Richtige Entscheidung!

Nach dem Auftritt gab es viel Schulterklopfen und Zustimmung und auch  „Das musste einfach mal raus!“ Gern geschehen!
Das zweitmeiste Schulterklopfen gab es für das „Motörhead“-Shirt (Danke an Dirk!). Mein Lieblings-Nicki trug allerdings unser neuer Koch, auf dessen Brust und Rücken das „Loikämie“-Bandlogo prangte mit der Unterschrift: „100% Antifaschist. 100% Antirassist“. Sehr gut!

Für die Zugabe hatten wir uns eine kleine textliche Aktualisierung ausgedacht, die wir hier gerne noch einmal wiedergeben:

„Dein Aluhut ist nur ein stummer Schrei nach Liebe
Dein Legida-Transparent sehnt sich nach Zärtlichkeit
Mit dir kann man nicht auf Facebook diskutieren
Und die Lügenpresse, die hat niemals für dich Zeit – „

Und dann alle so: _ _ _

Vielen Dank an Die Ärzte für die Steilvorlage, vielen Dank an die Organisatoren, die Paratox-Band, die tollen Leipziger Gastronomen und das Publikum, das uns für diesen Abend die Hoffnung erhalten hat, dass die Mitte der Gesellschaft in Leipzig noch nicht aufgegeben hat.

/ Autor: torstenreitler

Linkes Mittelfeld, seit 1974

rotersternSeit der Saison 2007/08 Jahren ist die Moritzbastei  Trikotsponsor der E1-Jugend des Roten Stern Leipzig. Am Wochenende war das letzte Spiel der Hinrunde, und aktuell stehen „unsere“ Jungs mit 12 Punkten und einem super Torverhältnis von 38:34 auf Platz 8 der Tabelle.
Das ist ein starkes Ergebnis, die Zielvorgabe für die Saison war, nach dem Aufstieg mit komplett neuem Team die Klasse zu halten. Jungs, wir sind stolz auf euch!

In den mittlerweile 7 Jahren haben auch mehrere Kinder unserer Mitarbeiter in diversen Teams bei den Sternen gespielt, von der 1. Herren-Auswahl bis zu den Bambinis. Im Moment sind es drei Kids, die in den Jugendmannschaften kicken. Natürlich haben wir auch bei der Finanzierung des neuen Sozialtraktes am Goethesteig mitgeholfen und bei der Planung des Crowdfundings 2014 unsere Unterstützung einfließen lassen.

Wenn ich am Spielfeldrand der E1-Jugend stehe, sind Adrenalin- und Endorphinrausch vorprogrammiert. Kein Vergleich zum Stadionbesuch bei den Profis. Am Sonntag ging es gegen Markranstädt, die Sterne drückend überlegen, unglücklich im Rückstand, dreißig Minuten anrennen und nach gefühlt 300 versiebten Torchancen endlich kurz vor Schluss der Ausgleich… ich kann euch sagen, da schnellt schon beim Aufschreiben der Puls wieder auf 180. Sport ist halt nur theoretisch gesund, das macht ja den Reiz aus.

Untitled-8