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/ Autor: torstenreitler

Montag, Mittwoch, Freitag, immer.

nolegida

Kaum sind die Wendegedenklichter verglommen wird in Leipzig wieder Politik auf der Straße ausgetragen. Da hatte man sich gerade so schön in der Hypezig-Likezig-Wohlfühlnische eingerichtet, sich ein schönes Stadtjubiläum zurechtgebastelt, alle fanden die Stadt irgendwie kuschelig und dufte, und dann diese hässlichen Bilder, Sprechchöre, Losungen. Der größte Polizei-Einsatz nach der Wende am 21. Januar ließ sogar die Scharfschützen beim Lichterfest vergessen. Die Moritzbastei steht mittendrin, wenn die Legida-Demonstrationen auf dem Augustusplatz stattfinden. Am 21.1. wurde auf unserem Dach demonstriert, die Polizeiabsperrungen an unserem Haus trennten nicht nur die jeweiligen Lager, sondern auch unsere Gäste von uns. Kommenden Freitag droht uns wohl ein ähnliches Szenario.

Was in der Innenstadt passiert, betrifft uns ganz direkt. Egal, an welchem Tag demonstriert wird, wir verlieren Besucher. Weil sie demonstrieren und ihnen danach die Lust zum Tanzen vergangen ist. Weil sie zwar nicht demonstrieren wollen, aber Menschenmassen und Polizeiabsperrungen sie davon abhalten, zu uns zu kommen. Weil ihnen die Anspannung in der Innenstadt nicht geheuer ist und sie lieber in anderen Stadtteilen ausgehen. Stärker als uns betrifft das sicher Oper und Gewandhaus, wo man sicher über die Demoanmeldungen bis zum Ende des Jahres schwer geschluckt haben dürfte.

Wir brauchen also gar nicht lange davon zu reden, dass wir ein internationales Kulturzentrum sind, dass wir europäisch vernetzt sind, Menschen und Künstler aus aller Herren (und Damen) Länder bei uns zu Gast haben (wollen!), dass studentische Kultur fast schon per Definition eine ist, die über den Tellerrand schaut, dass wir uns ein Leben ohne Rock’n’Roll, HipHop, Jazz, arabische Ziffern und lateinische Buchstaben nicht mal ansatzweise vorstellen wollen. Wir finden die Legida-Demonstrationen auch aus einem ganz eigennützigen und praktischen Umstand zum Kotzen – sie vertreiben unsere Gäste.

Das Banner an unserem Haus, welches wir in einer gemeinsamen Aktion mit dem Livekommbinat angebracht haben, kommt also von ganzem Herzen. Wenn wir es einrichten können, werden wir unsere Veranstaltungen so organisieren, dass ihr demonstrieren gehen könnt, ohne etwas von unserem Programm zu verpassen. Via Homepage und social media halten wir euch auf dem Laufenden, wenn sich Anfangszeiten verschieben (müssen) oder wir – wie heute Nacht (die Demo war ja für heute geplant) – auf den Eintritt bei unserer Party verzichten.

Hoffen wir mal, dass uns die angedrohte Dauerdemo erspart bleibt. So oder so. Bis dahin zeigen wir weiter, dass weltoffene Kultur so viel aufregender ist, als sich selbst zu begrenzen und in der eigenen Soße vor sich hin zu schmoren. Das ist unserer Meinung nach das Beste, was Befürworter einer offenen Gesellschaft tun können – zu zeigen, dass eine solche bei allen Problemen und Anstrengungen besser ist, als eine abgeschottete. Freitag zum Beispiel spielt das Projekt Masaa des in Bremen lebenden Libanesen Rabih Lahoud bei uns, das gerade den deutschen Weltmusikpreis RUTH 2015 gewonnen hat. Wenn ihr es schafft, kommt vorbei.

/ Autor: torstenreitler

Keine Sorge: Sie werden gleich behandelt

Dieser Aufkleber wird demnächst an unseren Eingangstüren hängen. Die IHK Leipzig hat in der Debatte über die Einlasspolitik an Leipziger Clubtüren vermittelnd eingegriffen eine ähnliche Übereinkunft aus Hamburg für Leipzig initiiert. Die Mehrheit der Leipziger Diskothekenbetreiber hat sich selbst verpflichtet, ihre Einlasspolitik transparent und diskriminierungsfrei zu gestalten. Die Moritzbastei gehört zu diesen Betreibern, wir unterstützen diese Initiative und haben unsere AGB entsprechend modifiziert.

Aktuell klagt ein syrischer Student gegen das Velvet, da er dort während einer Stichprobe des Antidiskriminierungsbüros (ADB) nicht eingelassen wurde. Die Moritzbastei war wie fast alle anderen Innenstadtdiskotheken ebenfalls Teil der Stichprobe des ADB, auch bei uns wurde nach dem Test Gesprächsbedarf angemeldet. Da wir langjährige Erfahrung sowohl mit nichtdeutschen Gästen als auch mit Interessengruppen wie dem StuRa, den Ausländerbeauftragten der Uni Leipzig und dem ADB haben, konnten wir diese Gespräche sinnvoll und mit gutem Ergebnis führen.

Unser Securitypersonal ist seit langem geschult und sensibilisiert für das Thema. Wir hoffen, eine so weit wie möglich nachvollziehbare und diskriminierungsfrei Einlasspolitik zu betreiben. Was nicht bedeutet, dass es nie wieder Ärger an unserer Tür geben wird – das wäre illusorisch. Einzelentscheidungen sind immer menschlich (und somit nicht immer frei von Fehlern) und abhängig von verschiedensten Umständen. Nicht zu vergessen sind auch unsere Gäste nur Menschen – auch die machen manchmal Fehler, benehmen sich manchmal daneben und treffen nicht immer den richtigen Ton. Diskriminierung entsteht meist aus Vorurteilen – die gibt es auch Securitymitarbeitern gegenüber…
Wir hoffen, unsere klare Position mit dieser Selbstverpflichtung noch einmal bekräftigen zu können. Wir wollen niemanden diskriminieren. Aber wie gesagt – Securitymenschen und Gästemenschen bleiben Menschen – und als solche machen wir uns alle hin und wieder auch zum Affen.

Wir nehmen das mal zum Anlass, uns bei unseren Mitarbeitern zu bedanken, dass sie seit Jahren einen duften Job an der Tür machen. Die Fehlerquote ist gering, Ärger gibt es nur selten. Und wenn, dann haben wir ihn bisher fast immer im so aufarbeiten können, dass der Ärger am Ende ausgeräumt war oder nachvollziehbare Konsequenzen für Mitarbeiter bzw. den Gast folgten. Wir hoffen, diesen Standard können wir noch möglichst lange halten.