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/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Monat Mai

Draußen ist das Wetter schön, die Vögel singen und die Sänger vögeln. Die gute Sonne verdrängt mit ihrem Strahlen das Schlechte von der Welt. Aufgeplatzte Atomkraftwerke versinken wieder in der Vergessenheit, pfeilschnelle Kampfmaschinen pflügen Tyrannenenkel unter den Wüstensand und ein alter, zauseliger Diabetiker wird mittels Tarnkappenhubschrauber auf seine letzte Reise geschickt, die ihn von seinen drei Ehefrauen weg hin in den Kreis der ewigen Jungfern befördert. Das Wort zum Mai, bittesehr.

Eine bessere Welt, wer möchte die nicht? Es ist ein starkes Argument für das eigene Handeln, damit die Welt besser machen zu wollen. Die Frage ist, was man darunter versteht. Soll es weniger geben oder doch besser mehr? Das Leben könnte teurer werden, womit wir mehr Wertschätzung aufbringen würden. Würde dagegen alles billiger, dann würden mehr Menschen teilhaben können. Das könnte man erreichen, indem wir mehr Wissenschaft und Technik einsetzen. Andererseits könnten wir auf technische Errungenschaften verzichten, um wieder ein Leben näher der Natur zu erreichen. Näher der Schöpfung, würde jetzt sagen, wer sich unter einer besseren Welt vor allen Dingen eine vorstellet, in der dieser oder jener Glauben stärker das Maß unseres Handelns wäre.

Götter, ein weites Feld, gleich angrenzend an das der Freiheit. Wäre mehr davon für den Einzelnen ein Zugewinn oder doch eher eine Überforderung? Bringt mehr Fürsorglichkeit durch die Gemeinschaft mehr Sicherheit und wenn ja, wiegt diese die Bevormundung auf?

Nicht zuletzt: Was wollen wir dafür einsetzen, für die gewünschte bessere Welt? Welche Mittel heiligt der Zweck – Politik? Geld? Gewalt? Ganz schön kniffelige Fragen für ein müdes, durch schlechte Serien, Radiogedudel und Schriftverkehr mit Behörden weichgeklopftes Hirn.

Wobei es genügend Plätze auf unserer Welt gibt, an denen sich diese Fragen überhaupt nicht stellen. Nehmen wir den Rayon um Tschernobyl. Für die dort siedelnden nichthumanen Lebensformen hat der Begriff „Unmenschlichkeit“ seit 1986 einen ganz anderen, verheißungsvollen Klang. Das ist der Beweis: Eine bessere Welt ist möglich. Nur eben nicht für Menschen. Mal sehen, was wir daraus lernen können.