Alle Artikel mit dem Schlagwort “leipzigpluskultur

Kommentare 2
/ Autor: torstenreitler

Eiszeit

In der Moritzbastei werden bis Ostern zum 20. April 2020 keine Veranstaltungen stattfinden können. Unser Café Barbakane ist noch täglich von 10-16 Uhr geöffnet, aber es ist absehbar, dass mangels Kundschaft die MB in Kürze komplett geschlossen bleiben muss. Ab dem 19.3. ist die Moritzbastei komplett dicht. Wir halten euch über alle Entwicklungen, die MB betreffend, auf dem Laufenden.

Was bedeutet das? Die Moritzbastei erhält keine institutionelle Förderung von der Stadt, dem Freistaat oder anderen Instanzen. Alles Geld, das wir für den Erhalt des Kulturdenkmals, unser Programm und alle Löhne und Gehälter ausgeben, müssen wir vorher verdienen. Aktuell gibt es keine Einnahmen, die Ausgaben laufen weiter.

Wir denken und planen in kurzen Zeiträumen. Wir hoffen auf ein Ende der Veranstaltungseinschränkungen bis spätestens Ende Mai. Für alle festangestellten Mitarbeiter:innen wurde Kurzarbeit Null beantragt. Unseren Mitarbeiter:innen auf Minijob- und Honorarbasis fallen auf nicht absehbare Zeit alle Dienste und damit Einnahmen aus. Alle Betriebskosten werden auf ein Minimum reduziert, alle Aktivitäten gestoppt.

Wie lange kann die Moritzbastei eine solche Eiszeit überleben? Keine Ahnung. Optimistisch, wie wir sind, gehen wir von einer Besserung der Situation zum Sommer aus und hoffen darauf, dass viele ihr Kultur- und Ausgehdefizit in der zweiten Jahreshälfte ausgleichen wollen. Trotzdem müssen wir damit rechnen, bis zu 30 Prozent unseres Jahresumsatzes zu verlieren. Vielleicht wird es sogar mehr. Hoffentlich weniger. Was ein solcher Einbruch langfristig bedeutet, können wir im Moment noch nicht einschätzen.

Als alteingesessenes, überregional bekanntes und bestens ausgelastetes Kultur- und Veranstaltungszentrum sind wir da noch in einer vergleichsweise komfortablen Positition. Die meisten anderen Clubs und nichtgeförderten Veranstaltungorte in der Stadt haben deutlich schlechtere Voraussetzungen, um eine Krise solchen Ausmaßes zu überstehen. Die Moritzbastei setzt sich seit Jahren in Initiativen wie Leipzig plus Kultur und der IG LiveKommbinat für die Interessen der Freien Kulturszene und der Clubs und Musikspielstätten dieser Stadt ein. Das werden wir in den kommenden Wochen und Monaten noch stärker tun. Zeit dafür haben wir ja jetzt.

Wir halten euch hier und in den sozialen Medien auf dem Laufenden. Ihr als unser Publikum, unsere Freund:innen und Unterstützer:innen könnt uns und alle anderen in der freien Kultur- und Clubszene unterstützen. Wie das möglich sein wird, geben wir zu gegebener Zeit bekannt.

Haltet uns die Treue, bleibt gesund und solidarisch mit euren Mitmenschen. Bis hoffentlich bald!

/ Autor: torstenreitler

Hurra (das ist das Mindeste)!

Was für ein schöner Erfolg! Leipzigs freie Szene kann sich über deutlich erhöhte Fördermittel in den Jahren 2019/20 freuen. Der Leipziger Stadtrat hat heute den Doppelhaushalt für die kommenden beiden Jahre beschlossen. Dieser sieht vor, die Fördermittel im Jahr 2019 um 1,6 Mio. Euro zu erhöhen und im Jahr 2020 noch einmal 2 Mio. Euro draufzulegen.

Die Kampagne #kulturstark der Initiative Leipzig Plus Kultur hat damit ihre Forderung nach einer besseren Ausstattung freier Kulturmacher durchsetzen können. Auch durch die Hilfe vieler Unterstützer*innen, Kolleg*innen, Freund*innen, Politiker*innen und allen, die sich mit der Kampagne solidarisch gezeigt haben (darunter auch Persönlichkeiten wie Monika Grütters, Dr. Georg Girardet oder Norbert Lammert).

Die Forderung nach mehr Geld war dabei nicht die einzige, wohl aber eine zentrale. Read More

/ Autor: torstenreitler

Kulturstark. Einkommensschwach.

Zur ersten Sitzung des Leipziger Stadtrates stellte die Initiative leipzigpluskultur ihre neue Kampagne „kulturstark“ vor. Gefordert wird ein Paradigmenwechsel in der Kulturpolitik, ein Schritt dahin, dass freie Künstler und Kulturmacher einen angemessenen Anteil an  staatlicher Kulturförderung bekommen.

Wer denkt, dass dies zur Folklore (freier) Kulturmacher gehört, permanent über Unterfinanzierung zu klagen und jetzt die immer gleichen Forderungen erwartet, die gestellt werden, der kann beruhigt werden – es stimmt ja. Leider arbeiten freie Kulturmacher in den meisten, auch den öffentlich geförderten Projekten, unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns. Die Initiative hat erhoben, dass in Leipzig um die fünf Euro die Stunde bezahlt werden. Fast alle „Freien“ in der Kultur haben Brotjobs und reiben sich in diversen prekären Beschäftigungsverhältnissen auf. Dass Leipzig sich mit so einer reichen Kulturlandschaft schmücken kann, beruht auf (Selbst-)Ausbeutung auf höchstem Niveau.

Die fünf Forderungen der Kampange lauten:

1. Mindeshonorare einhalten! Öffentlich geförderte Projekte müssen ihre Protagonisten fair entlohnen.
2. Förderrichtlinie umsetzen! Viel Wichtiges und Richtiges wurde vom Stadtrat schon beschlossen, jetzt müssen Taten folgen.
3. Strukturen stärken! Die bestehenden Institutionen arbeiten am Existenzminimum.
4. Räume sichern! Die Gentrifizierung frisst Freiräume für Kultur.
5.  Resourcen aufbauen! Die Selbstorganisation der Szene ist überlebenswichtig.

Es ist schlichtweg kein Zustand, dass Leipzig sich als junge, kreative und kulturell aufblühende Stadt vermarktet, aber diejenigen, die für diesen Ruf täglich arbeiten, mit Brosamen abspeist. Kulturstart, aber einkommensschwach. Das ist die Realität, und die muss sich ändern. Die Moritzbastei engagiert sich  in der Initiative L+K und unterstützt die Kampagne.

Ausführliche Informationen finden sich auf der Webseite der Initiative www.leipzigpluskultur.de.

Die Leipziger Volkszeitung hat auch schon erste Reaktionen der Politiker zu vermelden (zum Artikel).