Alle Artikel mit dem Schlagwort “Gewandhaus

/ Autor: torstenreitler

Besuch von nebenan

Ganz besondere Gäste waren am 29. September in der Moritzbastei zu Besuch – Gewandhauskapellmeister Andris Nelson brachte Startrompeter Håkan Hardenberger und MusikerInnen des Gewandhausorchesters mit, um mit ihnen gemeinsam ein Konzert im Rahmen der Reihe KLASSIK underground zu spielen.

Vor ausverkauftem Haus präsentierte sich Andris Nelsons von einer ganz ungewohnten Seite. Nach 15 Jahren stand er wieder als Trompeter auf der Bühne und kehrte sozusagen zum Beginn seiner steilen musikalischen Karriere zurück. Mit 17 Jahren begann diese im Orchester der Lettischen Staatsoper, und schon damals war Håkan Hardenberger ein Vorbild für ihn. Heute sind beide gute Freunde, und den Spaß am gemeinsamen Konzert war ihnen in jeder Minute anzusehen.

Ein besonderes Konzert, das sich in dieser Form ganz sicher so schnell nicht wiederholen wird. Die ausverkaufte Moritzbastei genoss es in vollen Zügen und der begeisterete Applaus am Ende sprach für sich.

Das nächste KLASSIK-underground-Konzert wartet übrigens wieder mit einem Stargast auf. Am 18. November freuen wir uns auf Alan Gilbert, der bis vergangenes Jahr Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker war und ab 2019 in gleicher Position bei der Hamburger Elbphilharmonie arbeiten wird. Auch er kommt als Musiker und wird Viola spielen – ganz sicher eine weitere einmalige Gelegenheit! Der Vorverkauf für den Abend läuft, Tickets gibt es noch bei Tixforgigs.com.

/ Autor: torstenreitler

Eine gute Adresse

Der Platz zwischen Gewandhaus, Moritzbastei und Mensa am Park bekommt einen Namen, und zwar den von Kurt Masur.  Das hat die Leipziger Stadtverwaltung am gestrigen Mittwoch mitgeteilt.

Ein paar Sätze mehr zum Warum haben gestern u.a. die LVZ und der MDR veröffentlicht.

Kurt Masur und die Moritzbastei verbinden einige Begegnungen, wenn auch weitaus weniger, als die Nachbarschaft von Gewandhaus und MB vielleicht vermuten ließen. Dass seinetwegen bzw. zu Gunsten des Gewandhausorchesters die Eröffnung der Moritzbastei vom 1. Dezember 1981 auf den 5. Februar 1982 verschoben wurde, haben wir in unserem Beitrag zur „zweiten Eröffnung“ der MB ausführlicher erzählt.  Später war der Maestro hin und wieder als Ehrengast bei diversen Empfängen und Veranstaltungen in unserem Haus.

Unsere Kooperation mit dem Gewandhausorchester im Rahmen der Reihe „KLASSIK underground“ hätte Kurt Masur möglicherweise gefallen (das nächste Konzert mit Jean-Yves Thibaudet ist am 5. Mai, Tickets gibt es hier). Ob Gewandhaus oder Moritzbastei in Zukunft neue Briefbögen drucken müssen, ist bisher noch nicht bekannt (vermutlich aus Kostengründen eher nicht).

Der Gedanke, dass am zukünftigen Kurt-Masur-Platz Hoch- und Subkultur in friedlicher und fruchtbarer Nachbarschaft residieren, gefällt uns allerdings ausgesprochen gut.

/ Autor: torstenreitler

Eine tolle Fortsetzungsgeschichte

Am Donnerstag ergab sich eine tolle Gelegenheit, das KLASSIK-underground-Benefizvideo mit Anne-Sophie Mutter noch einmal zu posten. Ein zweites Benefizkonzert in Leipzig steht an!
Also los.

Die Geschichte dahinter geht folgendermaßen:
Anfang der Woche erreichte uns eine Email von Anne-Sophie Mutters Büro. Wir mögen doch bitte noch einmal Verbindung zum Leipziger Verein „Integration durch Bildung“ herstellen. Besonders die Bankverbindung des Vereins war wichtig, wollte doch ein Leipziger seine Spende überweisen, mit der er beim Benefizkonzert im vergangenen Juni eine Geigenstunde, gegeben von Anne-Sophie Mutter persönlich, für seine Enkelin „ersteigert“ hatte.

Also griff ich zum Telefonhörer und rief Antje Zajonz von „Integration durch Bildung“ an, um ihr zu sagen, dass sie demnächst aus München hören würde und sie in den nächsten Tagen das Spendenkonto im Auge behalten solle. Die Reaktion war freudig – und ziemlich überrascht. Hatte doch wenige Stunden zuvor Gewandhausdirektor Andreas Schulz bei ihr durchgeklingelt. Anne-Sophie Mutter spielt vom 16.-18.3. 2017 drei lange ausverkaufte Konzerte im Gewandhaus. Das Konzert am 18.3. , so die Entscheidung, soll wieder ein Benefizkonzert sein. Alle Gagen der mitwirkenden Musiker werden zugunsten zweier Leipziger Vereine gespendet. Zum einen an den „Interaction Leipzig“ e.V. und zum anderen wieder an „Integration durch Bildung“. Die Pressemeldung dazu liest sich folgendermaßen.

Diese tolle Nachricht freut uns für die beiden Vereine, deren Arbeit diese Würdigung und den finanziellen Support auf jeden Fall verdient! Es ist auch ein grandioses Gefühl, dass unser Benefizkonzert so eine tolle Fortsetzung erfährt. Wir können den Hut vor Anne-Sophie Mutter und ihrem Engagement nicht tief genug ziehen.

Es wäre großartig, wenn in den nächsten Tagen noch die eine oder andere Meldung in den lokalen und regionalen Medien auftauchen würde. Vielleicht würde sich der eine oder die andere noch zu einer Spende oder einem ehrenamtlichen Engagement als BildungspatIn ermutigt fühlen. Aber bis zum Konzert sind es noch ein paar Tage, an denen die Leipziger Zeitungen erscheinen, die Radios senden, die TV-Stationen ausstrahlen, die Onlineportale ihre Seiten aktualisieren…

Wir machen auf jeden Fall schon mal den Anfang, und der ist ja bekanntlich der kleinste, aber schwerste Schritt.

PS: Die Vorgeschichte zum Benefizkonzert im Juni 2016 findet ihr hier: „Dann rufen wir doch mal Madonna an!“

/ Autor: torstenreitler

This is Klassik under ground

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In der Nacht vom 25.2. ist unsere Reihe „Klassik under ground“ im Leipziger Musikleben gelandet. Klingt vielleicht übertrieben, aber nach diesem fantastischen Konzert mit Leif Ove Andsnes wollten Künstler, Zuschauer und wir als Veranstalter nur eines: mehr davon!

Im vergangenen Jahr haben wir schon zwei Konzerte unter diesem Titel veranstaltet, parallel dazu lief die Arbeit am endgültigen Konzept aber immer weiter. Nach der Zusage von Leif Ove Andsnes nahmen die Planungen noch einmal heftig Fahrt auf. Mit Tahlia Petrosian, Gewandhausmusikerin und Energiebündel hinter den Kulissen von „Klassik under ground“, haben wir von der Moritzbastei mit Produzenten, Musikern und Agenturen gesprochen. Wir wollen eine Reihe etablieren, die einen zeitgemäßen und spannenden Zugang zu klassischer Musik ermöglicht. Gerade und unbedingt für junge Menschen, denen die (gefühlten und tatsächlich vorhandenen) Rituale und Barrieren in den großen Spielstätten fremd sind.

Mit Leif Ove Andsnes hat uns das Glück einen Ausnahmemusiker ins Haus geschickt. Ihm nimmt man uneingeschränkt ab, dass es ihm ein Anliegen ist, die klassische Musik dorthin zu bringen, wo sie die Menschen direkt erreicht. Sein Gespräch mit Tahlia vor dem Konzert war allein jeden Euro Eintritt wert – so unprätentiös, ehrlich und nahbar erlebt man nicht jeden Künstler dieses Ranges und Formats.

Das Konzert war übrigens restlos ausverkauft. Zum zweiten Mal in diesem Jahr, nach dem ebenfalls ausverkauften „Grossen Preis“, hat mich das Leipziger Publikum nach einem schleppenden Vorverkauf an der Abendkasse sehr glücklich gemacht. Wir mussten sogar Leute wegschicken… Ebenso überwältigend waren die Stimmen im Anschluss. Natürlich waren die Musiker großartig, natürlich ist Leif Ove Andsnes immer und überall ein Erlebnis. Aber die besondere Atmosphäre der Moritzbastei und unseres „Settings“ haben einen gehörigen Teil dazu beigetragen. Ich zitiere mal die Email, die eine begeisterte Zuschauerin heute an uns schrieb:

„Das Konzert gestern war fantastisch, ich war total begeistert. Ich saß direkt unten, sozusagen vis-à-vis vom Flügel und die Akustik war toll. Die Musiker haben natürlich hervorragend gespielt, aber das ganze Drumherum und die Atmosphäre haben dem ganzen noch das i-Tüpfelchen verpasst. Gerade bei Kammermusik tausendmal schöner als ein reiner Konzertsaal. Es war echt ein zauberhafter Abend!“

Das Konzert ist Geschichte, die Arbeit geht weiter. Motivation und Enthusiasmus haben wir im Übermaß getankt, jetzt beginnt die Nachbereitung. Wir möchten Partner und Mitstreiter gewinnen, die mit uns „Klassik under ground“  zu einem festen und einmaligen Punkt in der Leipziger Konzertlandschaft machen wollen. Pläne und Ideen gibt es zur Genüge. Und einen Konzertmitschnitt, den wir hoffentlich bald zeigen können.

Die Bilder sind schnell nebenbei entstanden, einen kleinen Eindruck vermitteln sie vielleicht trotzdem. Wir sehen uns wieder, das nächste „Klassik under ground“-Konzert ist zur Buchmesse am 20. März geplant. Bis dahin!

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/ Autor: torstenreitler

Die zweite Eröffnung

Einladung

Die Moritzbastei als Kulturbastion wird 40. In loser Reihe öffnen wir unser Anekdotenkästchen und berichten von Momenten aus vier Jahrzehnten, die zwar nicht die Welt veränderten, aber trotzdem Eingang gefunden haben in das Moritzbastei-Kollektivgedächtnis. Heute: Die zweite Eröffnung am 5. Februar 1982.

Die Moritzbastei hatte sich seit 1974 zur Dauerbaustelle entwickelt. Das lag daran, dass der Zustand der historischen Bausubstanz die Planungen immer wieder vor neue Herausforderungen stellte. Auch die Mangelwirtschaft der DDR trug das ihre dazu bei, dass eine Eröffnung des gesamten Gebäudes sich immer wieder verzögerte. Um wenigstens ein erstes Erfolgserlebnis vorweisen zu können, wurde deshalb am 1. Dezember 1979 eine Teileröffnung gefeiert. Wohl auch, um die Studenten zu motivieren,  Read More