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/ Autor: torstenreitler

Dann rufen wir doch mal Madonna an!

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Und dann steht plötzlich an einem Donnerstag Mittag im April Anne-Sophie Mutter im Oberkeller der Moritzbastei und schlägt vor, am 14. Juni ein Benefizkonzert zu spielen. Unsere Gesichter könnt ihr euch vielleicht vorstellen.

Aber von Anfang an. Das ist eine Geschichte von Unvorhersehbarkeiten, die nur eintreten, wenn man einfach mal seinem inneren Kompass folgt und loslegt. Die Geschichte unserer Konzertreihe „Klassik underground“, die Geschichte unseres Engagements für Menschen, die vor Not, Krieg und Perspektivlosigkeit geflohen sind und die der Zufall und die Wirrnisse der Zeit nach Leipzig gebracht haben.

Im vergangenen Frühjahr wollten MusikerInnen des Gewandhausorchesters ein Gruppenfoto für ihr Ensemble Neues Bachisches Collegium Musicum“ in der Moritzbastei aufnehmen. Tahlia Petrosian war eine von Ihnen, und die Gewölbe der MB faszinierten sie so sehr, dass sie uns fragte, ob wir uns nicht klassische Konzerte in der Moritzbastei vorstellen könnten. Wir konnten, obwohl wir keinerlei Erfahrung damit hatten und unser Publikum derartige Konzerte ganz sicher nicht bei uns erwartete.  Tahlia wusste, dass nicht nur sie und viele ihrer KollegInnen im Gewandhausorchester sich danach sehnen, hin und wieder aus dem oft museal anmutenden Klassikbetrieb der Hochkultur auszubrechen. Also begann sie Solisten zu fragen, ob sie sich einen Auftritt in der MB vorstellen könnten. Der erste, der zusagte, war Leif Ove Andsnes, der am 25. Februar 2016 nach seinem Großen Concert im Gewandhaus in der Moritzbastei eine furiose Afershowsession spielte.

Der Erfolg spornte uns an, wir suchten  das Gespräch mit dem Gewandhaus  mit dem Ergebnis, dass wir ab der kommenden Spielzeit miteinander bei „Klassik underground“ kooperieren werden. Am Anfang standen die Idee und der Plan, Menschen für Klassik zu interessieren, die den Weg in das Gewandhausorchester scheuen, denen die Riten des Klassikbetriebes fremd sind und die Lust darauf haben, in der für sie gewohnten Atmosphäre eines Clubs klassische Musik zu entdecken und zu genießen. Wir hatten keinen Plan davon, welche Eigendynamik diese Idee entwickeln würde.

Nach einem Konzert in Berlin sprach Tahlia Anne-Sophie Mutter an, von Musikerin zu Musikerin. Die gefühlt zwei Minuten Kontakt reichten für eine Einladung zu „Klassik underground“ und ein gemeinsames Selfie. 😉

(Quelle: facebook)

Dem folgte ein langer Brief an Anne-Sophie Mutters künstlerisches Büro mit der Anfrage, ob sie sich vorstellen könne, nach ihrem Gewandhauskonzert im März 2017 in die Moritzbastei zu kommen für ein Mitternachtskonzert. Thalia schätzte, wäre leichter, „Madonna zu buchen als Anne-Sophie Mutter„.  Als Antwort erhielt sie einen Anruf, dass Frau Mutter im April in Dresden sein werde und sich gerne die Moritzbastei anschauen wolle. Wir so: „Na dann rufen wir doch mal  Madonna an!“ 😀

Und dann steht plötzlich an einem Donnerstag Mittag im April Anne-Sophie Mutter im Oberkeller der Moritzbastei und schlägt vor, am 14. Juni ein Benefizkonzert zu spielen. Unsere Gesichter könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Sie meinte, sie habe keine Lust, noch ein Jahr zu warten. Die Zeit für ein Statement wäre jetzt! Nach 15 Minuten war der Termin Geschichte, wir verabschieden uns mit einem Handschlag und einem Grinsen im Gesicht, das möglicherweise etwas debil ausgesehen hat. Könnte uns mal einer zwicken, bitte?!

Seitdem sind wir am telefonieren, organisieren, abstimmen. Seit unserer Aktion 1+1 ist der Flüchtlingsrat Leipzig e.V. unser Ansprechpartner in Sachen Hilfe für Geflüchtete.  Diverse MB-MitarbeiterInnen engagieren sich dort in privater Initiative ehrenamtlich, bei unserem „Moritz.Basar“ am 30. April sammelten wir knapp 1300 Euro Spendengelder, um die Arbeit des Flüchtlingsrates und der Amadeu-Antonio-Stiftung zu unterstützen. Auch die Erlöse des Benefizkonzertes am 14.6. werden wir dem Flüchtlingsrat, genauer dem Verein „Integration durch Bildung“ zukommen lassen. Die Arbeit des Vereins richtet sich darauf, Menschen durch Bildung einen Zugang zu unserer Gesellschaft zu ermöglichen und dort anzusetzen, wo Regelschulen und DAZ-Unterricht nicht greifen.  Ein tolles Projekt, das 2006 mit dem Agenda-Preis 21 in der Kategorie Ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wurde. Und das – wie fast alle Projekte dieser Art – chronisch unterfinanziert ist.

Wie bei Klassik underground hat sich auch bei unserem Engagement für Geflüchtete eines ins andere ergeben. Hätte uns vor einem Jahr jemand erzählt, dass Anne-Sophie Mutter in der Moritzbastei ein Benefizkonzert für den Flüchtlingsrat geben würde, wir hätten ihn wohl für seine überbordende Phantasie beglückwünscht…
Vielleicht motiviert das den einen oder anderen, einfach das zu tun, was er als richtig empfindet. Als Institution können wir auf diese Weise aktiv werden, als Einzelner habt ihr viele andere Möglichkeiten zu helfen. Ist gar nicht so schwer und muss auch nicht immer ein gleich ein Konzert mit Anne-Sophie Mutter sein. Oder mit Madonna. 😉

Alle Infos zum Konzert findet ihr auf der Moritzbastei-Homepage und bei Facebook. Spendentickets gibt es im Moritzbastei-Vorverkauf oder bei tixforgigs.

Unterstützung bei der Produktion des Konzertes erhalten wir durch Westend PR Leipzig sowie die Firmen Blüthner Leipzig, Xancuro Limousinen, Steigenberger Hotel Leipzig, Behrens Rechtsanwälte und Tixforgigs. Vielen Dank!

/ Autor: torstenreitler

Nervennahrung für Flüchtlinge

Aktion1+1

Wir sind hier auf Arbeit und nicht auf der Flucht. Zum Glück.

Das Team der Moritzbastei möchte unbürokratisch einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die Menschen, die vor Krieg, Not und Perspektivlosigkeit nach Leipzig geflohen sind, eine Chance haben. Wie auch immer es weitergehen wird – wir sind der Meinung, dass Gleichgültigkeit oder Ausgrenzung keine Option sind.

Ein einfacher Weg für uns zu helfen ist es, dass wir Spenden sammeln unter unseren MitarbeiterInnen und Gästen. Für die eingenommenen Gelder kaufen wir in Absprache mit dem Leipziger Flüchtlingsrat e.V. Obst, Gemüse, Süßes, Knabbergebäck. „Nervennahrung“, wie das der Volksmund nennt. Für Menschen, deren Nervenkostüme in Anbetracht von Flucht und Massenunterkunft einiges auszuhalten haben.

Jeden Euro, der gespendet wird, verdoppeln wir. Nach drei Tagen, und ohne dass wir die Aktion irgendwo veröffentlicht hatten, konnten wir schon Nervennahrung für 220 Euro einkaufen und in die Ernst-Grube-Halle bringen, wo sie sehr freudig und dankbar angenommen wurde.

Die „Aktion 1+1“ läuft den ganzen Oktober. Kommt vorbei und spendet. Achtet auf die Gläser mit der roten Banderole, sie stehen an unseren Bars und an den Abendkassen bei Veranstaltungen. Erzählt es weiter und kommt wieder vorbei. Wir haben keine Druckmaschine, um das Geld zum Verdoppeln eurer Spenden aufzutreiben, also brauchen wir euch als Gäste. 🙂

Über den Verlauf der Aktion und die eingeflossenen Spenden informieren wir euch natürlich hier und auf Facebook.