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/ Autor: torstenreitler

7 Gründe, warum es klug ist, am Sonntag wählen zu gehen

Am Sonntag wird in Leipzig gewählt. Gleich zwei Parlamente sollen neu besetzt werden, der Leiziger Stadtrat und das Europaparlament.
Politik ist wie ein Eisberg – das sichtbare Stück, das wir täglich in Fernsehen, Zeitungen und online zu sehen bekommen, und das uns nicht selten bedrohlich vorkommt, abstößt oder sogar Angst macht, ist nur der kleinste Teil. Der weitaus größere Teil besteht aus der täglichen Arbeit von vielen Menschen vor Ort, die in Gemeinden, Städte und Regionen dafür sorgen, dass der Alltag geordnet und das Zusammenleben einigermaßen gerecht gestaltet wird. Für alle, die noch nicht sicher sind, ob sie am Sonntag zur Wahl gehen sollen, geben wir sieben Gründe, warum es sich lohnt. Vielleicht hilft es ja bei der Entscheidungsfindung. 🙂

1. Nichts tun hat noch nie geholfen.
Sich zu verstecken und zu hoffen, das Weltgeschehen zieht an einem vorrüber, hat noch nie geholfen. Vielleicht für einen Moment, ein Jahr oder sogar zehn. Dann aber schaut man aus dem Fenster und stellt fest, dass alles anders geworden ist. Im blödesten Falle so, wie man es ja wohl mal gar nicht wollte.

2. Entscheidungen sind etwas gutes.
Selbst falsche! Immer in der Luft zu hängen und sich nicht festlegen zu wollen fühlt sich meistens blöd an. Sagen wir es mit den großen Philosophen Chad, Flea, Dave und Anthony, die sich ebenfalls auf große Vorbilder beziehen: „But the Butthole surfers said / It´s always better to regret something you did / than something you didn`t do“ (Red Hot Chilli peppers, Deep kick, 1995)

3. Niemand weiß, was Du willst, wenn Du es nicht sagst
Klar, oder? Wenn Du denen, die gerade regieren sagen willst, dass Du mit ihrer Arbeit unzufrieden bist, dann wähl jemand anderes. Diese Botschaft ist viel verständlicher, als gar nicht zu wählen. Im dümmsten Fall bleiben dabei nämlich a) die Regierenden an der Macht und b) stehen Kleinparteien mit radikalen oder Partikularinteressen plötzlich viel stärker da, als sie eigentlich sind.

4. Man kann nicht alles alleine erledigen
Parlamentarische Demokratie heißt, man gibt Entscheidungshoheit ab. Ganz normal! Wir bauen unsere Straßen, Stromleitungen, Autos ja auch nicht selber, sondern lassen das von Facharbeitern erledigen. Besonders bei der Europawahl jammern ja viele, dass „Brüssel“ „uns“ die Entscheidungen abnimmt. Das stimmt. Genau so soll es ja auch sein, wenn das Ziel ist, gemeinsame Interessen über Einzelinteressen zu stellen.

5. Nichts ist für immer
Der Mensch lernt, vor allen Dingen aus seinen Fehlern. Das schöne an der Demokratie und an Wahlen ist, man kann in regelmäßigen Abständen Korrekturen vornehmen. Ein wichtiger Unterschied zu Autokratien, Diktaturen und Scheindemokratien. Da kann man nur hoffen, dass die Natur das regelt. Nur werden Diktatoren manchmal verdammt alt.

6. Engagement sollte sich lohnen
Eine unglaublich große Anzahl von Menschen muss aktiv werden, damit wir wählen können. Nicht nur Kandidat*innen müssen sich engagieren, auch viele freiwillige Helfer*innen sorgen dafür, dass dieses Kernstück unserer Demokratie funktioniert. Wie das endet, wenn man grundlegend wichtige Arbeit nicht wertschätzt, könnt ihr in der Landwirtschaft sehen. Weil wir nicht bereit sind, ein paar Cent mehr für unsere Lebensmittel auszugeben, funktioniert unsere Landwirtschaft so, wie sie es eben tut. Monokulturen, Gammelfleisch und Gülleseen, soweit das Auge reicht und durch Subventionen killen wir Kleinproduzenten in der ganzen Welt. Doof, oder?

7. Denken schadet nie.
Jede Wahl ist eine Gelegenheit darüber nachzudenken, in welcher Welt oder Gesellschaft wir eigentlich leben wollen. Alles super, wie es ist? Oder vielleicht doch nicht? Was sollte besser sein und wie könnte das erreicht werden? Wem traust du zu, das am ehesten umzusetzen?
Klar, du kannst auch einfach in die Kabine gehen und dort dein Kreuzchen machen, wo du es schon immer gemacht hast, deine Eltern schon und vielleicht sogar deine Großeltern. Dass das immer noch besser ist, als gar nicht zu wählen, ist Dir nach diesen sieben Punkten vielleicht verständlicher geworden.

Und warum schreiben wir das jetzt hier auf dem Basteiblog? Ganz einfach: Weil die Moritzbastei ein Ort ist, in dem wir täglich erleben, wie anstrengend, aber auch: wie bereichernd das Zusammenleben und -wirken von Menschen und Kulturen ganz unterschiedlicher Ansichten und Prägungen ist . Über 250.000 Besucher*innen jedes Jahr, aus verschiedenen Städten, Ländern, Szenen. Das funktioniert, und am besten funktioniert es unserer Meinung nach in einem freien und demokratischen Gemeinwesen. Und wählen zu gehen ist der beste Weg, die Grundlagen für so ein Gemeinwesen zu stärken und zu erhalten.