Alle Artikel mit dem Schlagwort “Distillery

/ Autor: torstenreitler

Clubs & Politics

Der amtierende Leipziger Oberbürgermeister unterhält sich am Tresen der Distillery mit deren Chef Steffen Kache über Clubsterben, Freiräume in einer wachsenden Stadt und die politischen Rahmenbedingungen für Clubbetreiber*innen? Richtig, es ist Wahlkampf in Leipzig.

Am 2. Februar ist OBM-Wahl in Leipzig. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, sich mit einem Technoclub-Betreiber über die Befindlichkeiten der Clubs- und Musikspielstätten zu unterhalten. Schließlich gelten Clubs als Vergügungsstätten, gleichgestellt mit Spielcasinos und Bordells. Otto Normalbürger assoziiert gern Sex- und Drogengeschichten mit Technoclubs, allerdings ganz anders, als die Betreiber*innen diese Themen verhandelt sehen wollen. Stichwort Sexpolitics, Awareness, Drugtesting etc.

Jedenfalls gibt sich Burkhard Jung im Gespräch reichlich und hoffentlich ernsthaft Mühe, den Spagat zwischen dem vermutlich etwas reservierten Interesse der sogenannten „bürgerlichen Mitte“, deren Ordnungs- und Sicherheitsgefühl er wohl nicht verwirren möchte, und den handfesten Forderungen der Clubkultur-Profis schmerzfrei zu gestalten. In Steffen Kache hat er einen Gesprächspartner, der nach jahrelangem politischem Engagement für die Belange der Clubs alle Facetten des Diskurses beleuchten kann. Sei es auf bundespolitischer oder auf kommunaler Ebene.

Wenn euch interessiert, in welche Richtung sich die Clublandschaft Leipzigs entwickelt, auf welchen Baustellen die IG LiveKommbinat (deren Mitglied auch die Moritzbastei ist) an tragfähigen Lösungen für die Zukunft arbeitet, der sollte sich das knapp 20-minütige Gespräch bis zum Ende anschauen.

Dieses Video ist im übrigen keine Wahlwerbung für Burkhard Jung. Wir als Moritzbastei denken, dass es richtig ist, diese Gespräche zu führen und hoffen, dass auch der oder die zukünftige OberbürgermeisterIn diesen Dialog weiterführen wird.

/ Autor: torstenreitler

Gentlefizierung

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Szenekultur vs. Eigenheim. Diese Spielart der Gentrifizierung kennt man in Hamburg, Berlin und auch Leipzig zur Genüge. Wenn in absehbarer Zeit hinter dem Bayerischen Bahnhof ein neues Wohngebiet entsteht, werden die Diskussionen wieder aufflammen, wie die Interessen von Wohnungseigentümern und Besuchern von IFZ und Distillery miteinander in Einklang gebracht werden können.

In Berlin gibt es jetzt ein Clubkataster, welches es der Verwaltung dabei helfen soll, bei der Stadtentwicklungsplanung auf die vor Ort ansässigen Clubs Rücksicht zu nehmen. Gentle gentrification oder echtes Verständnis für den Lärm, den Dreck, das Unkontrollierte, das zu einer lebendigen Szenekultur nun mal dazugehört?rbb-clubkataster

In Leipzig kämpft übrigens der Livekom(m)binat e.V. als Zusammenschluss Leipziger Clubs und Konzertveranstalter darum, vor Ort einen ähnlich kurzen Abstimmungsweg zwischen Stadt und Clubs einzurichten. Die Moritzbastei ist in dieser Dependance der LiveKomm aktiv vertreten, auch wir kennen das Problem zur Genüge. Wir haben zwar wenig Ärger mit lärmempfindlichen Anwohnern (es gibt schlichtweg kaum welche), dafür streiten in Leipzig seit Jahren viele zum Teil einflussreiche Bürger für eine ungestörte Nachtruhe in der Innenstadt. Wobei man der Initiative „Leben in der Innenstadt“ um den ehemaligen Thomaspfarrer Christian Wolff im Kampf gegen die Peter Degeners „Classic Open“ tatsächlich etwas mehr Erfolg gewünscht hätte, nicht wahr.