Alle Artikel mit dem Schlagwort “DDR

/ Autor: torstenreitler

Dieser Baum gehört dem alten Mann

So alt ist Peter „Cäsar“ Gläser gar nicht geworden.  Vor knapp zehn Jahren starb er, neunundfünfzig Jahre hinter sich lassend, deren Höhen und Tiefen Stoff für mehr als ein Leben lieferten. Als Gitarrist von RENFT wurde er zu einer Ikone der DDR-Rockmusik, und obwohl (oder weil?) die Band auf dem Höhepunkt ihres Erfolges 1975 mit einem Auftrittsverbot belegt wurde und zerbrach, überdauerte ihre Legende auch den Untergang der Deutschen Demokratischen Republik. Peter Gläser brachte Zerbrechlichkeit, Poesie und Idealismus mit in die vor Testosteron strotzende Renft-Combo und komponierte einige ihrer zärtlichsten Lieder.

Was bleibt von so einem Leben, das für die Verwertungsmechanismen der heutigen Musikindustrie kaum taugt? Zwar spielt Thomas „Monster“ Schoppe als einziges verbliebenes Mitglied mit alten Weggefährten eine Tournee zum 50-jährigen Bühnenjubiläum von Renft (Christian „Kuno“ Kunert kann nicht mehr als Musiker auftreten und schreibt Romane). Doch langsam gehen auch die einstigen Fans des DDR-Rocks in die Geschichte ein. Bestehen „Cäsars“ Songs aus der Hochzeit des progressive rock den Test der Zeit?

Zwei von Cäsars fünf Kindern, Moritz und Robert Gläser, wollen genau das beweisen. Ihre Band heißt Apfeltraum, so wie eins der berühmtesten Lieder, das ihr Vater komponierte (die Überschrift ist dem Liedtext entnommen). Sie bringen seine Songs auf die Bühne, übermorgen zum zweiten Mal in der Moritzbastei. Es wird sicher spannend zu hören sein, wie sich Cäsars Songs einfügen in eine Zeit, in der wieder viele junge Konzertgänger zu Bands wie Wucan oder Polis pilgern, die sich sich im Auftreten und im Sound genau wie einst Renft an den großen Vorbildern von Vanilla Fudge, Deep Purple oder King Crimson abarbeiten.

Das erste Zusammentreffen zwischen Peter Gläser und der Moritzbastei fand übrigens im Jahr 1975 statt. Renft waren die Stars des Baukonzerts Nr. 5, mit dem für den Wiederaufbau der Moritzbastei als Jugend- und Studentenklub geworben werden sollte. Die Band war damals zu berühmt, als dass die Moritzbastei-Baustelle allen Fans hätte Platz bieten können. Das Konzert fand also in der benachbarten Kalinin-Mensa statt, einem alten Biersaal, der seit kurzem wieder als Veranstaltungsort dient.

Renft waren 1975 aber nicht nur berühmt, sondern auch berüchtigt, weshalb das Konzert nur mit anschließender Diskussion stattfinden konnte, in der die Musiker ihre Texte verteidigen mussten, die den DDR-Alltag und den politischen Mief der Zeit mehr oder weniger unverblümt thematisierten. Nur kurze Zeit später durfte Renft nicht mehr in der DDR auftreten, Bandmitglieder wurden verhaftet und fanden sich über kurz oder lang in der Bundesrepublik wieder. Cäsar blieb bis 1989, gründete mit Karussell eine weitere große DDR-Rockband und gastierte später immer wieder in der Moritzbastei. Die Bands trugen jetzt seinen Spitznamen im Titel, das Bild am Anfang des Artikels stammt aus den 1980er Jahren (wie die Stulpen des Rhythmusgitarristen verraten).

Veranstaltet wird das Konzert übrigens vom Anker e.V., der inoffiziellen Nachwende-Wohnstube von Renft im Leipziger Norden, die aufgrund der umfassenden Rekonstruktion nicht für Veranstaltungen genutzt werden kann.

/ Autor: markus-koerner

Wie war das noch gleich mit dem Wiederaufbau?

Ist es nicht schön wenn sich alles so gut ineinander fügt? Ja das ist es. Auf der Suche nach Aufnahmen und Anekdoten aus der jüngeren Vergangenheit der Moritzbastei kam zufällig ein Mann auf uns zu und lieferte beides, Fotografien und die Geschichten dahinter. Die Rede ist von Hans-Wolfgang Wenzel, einem Sohn der Stadt Leipzig, gelernter und studierter Maschinenbauer und Ingenieur sowie seit 1974 Hobbyfotograf. Letzterem haben wir wunderbare Aufnahmen u.a. aus den Jahren 1978 und 79 zu verdanken.

Im Jahr 1974, am 30. März um genau zu sein, wurde der Grundstein für das „Studentenprojekt Moritzbastei“ gelegt. Zu diesem Zeitpunkt lag bereits eine aufregende Zeit hinter den Mauern des heutigen Kulturzentrums im Innenstadtring und eine ebenso aufregende neue begann. Die gesamte Geschichte der Moritzbastei kann man hier nachlesen.

Hans-Wolfgang Wenzel und seine Frau kehrten nach ihrem 1977 beendeten Studium aus Magdeburg zurück nach Leipzig und leisteten Anfang 1978 aus persönlichem Interesse Aufbaustunden in der Moritzbastei. „Da ich nie oder selten ohne Kamera unterwegs bin, machte ich natürlich einige Fotos vom Wiederaufbau der MB.„, so Herr Wenzel in einem kurzen Interview zu den Fotografien. Es ist unser Glück, dass er sein Hobby immer im Blick hatte und so schöne Fotografien vom Wiederaufbau entstanden. Dadurch entstand auch ein guter Kontakt zu Peter Kunz, dem damaligen Direktor bzw. Klubleiter der Moritzbastei. Dieser bat Hans-Wolfgang Wenzel in Folge seiner Mitarbeiter gelegentlich um Aufnahmen von Veranstaltungen in den bereits fertiggestellten Räumen.

John Stave – Lesung in der großen Tonne (April 1978)
Karnevalseröffnung in der großen Tonne (November 1978)
Barbara Thalheim in der großen Tonne (Mai 1979)

Parallel zu den ersten Lesungen, Feiern und Konzerten in der großen Tonne (die heutige Veranstaltungstonne) wurden die Arbeiten am Oberkeller und den restlichen Räumen vorangetrieben. Ein besonderer Meilenstein war die 100.000. Aufbaustunde, wohlgemerkt alles freiwillige Arbeitsstunden, am 08. Februar 1979.

Gruppe von freiwilligen Arbeitern zusammen mit Peter Kunz zur Begehung der 100.000 Aufbaustunde vor dem Basteieingang (Februar 1979)
Bauarbeiten im Unterkeller (Januar 1979)
Bauarbeiten im Oberkeller (Januar 1979)

Am 01. Dezember 1979 wurde der Oberkeller feierlich eröffnet und erstrahlte in einem Glanz, den er bis heute bewahren konnte. Abgesehen von den Polsterbezügen auf der ein oder anderen Sitzgelegenheit wurde das bewährte Aussehen und die Einrichtung beibehalten und dient somit seit fast vier Jahrzehnten als Anlaufpunkt für Veranstaltungen verschiedenster Art.

Oberkeller zur Eröffnung (Dezember 1979)
Oberkeller zur Eröffnung (Dezember 1979)
Oberkeller zur Eröffnung (Dezember 1979)

Zum Abschluss sei noch ein großes Dankeschön an Herrn Hans-Wolfgang Wenzel gerichtet, der uns mit seinen Fotografien und den dazugehörigen Informationen ein Stück weit mitnehmen konnte, in eine prägende Zeit der Moritzbastei, auf die wir gern zurück blicken. Hans-Wolfgang Wenzel lebt heute in Klinga bei Grimma und ist weiterhin künstlerisch aktiv.

Selbstportrait Hans-Wolfgang Wenzel (Dezember 1979)

/ Autor: christinas

Das Richtfest im Februar 1977

Foto-Bau_Blog

Heute ist es wieder soweit, zu unserem 40. Geburtstag schauen wir immer wieder in unser Anekdotenkästchen und berichten euch darüber. Diesmal: Das Richtfest am 4. Februar 1977.

Nachdem im Mai 1976 nach ca. zweijähriger Bauphase die Fertigstellung des Rohbaus des Oberkellers gefeiert wurde, konnte am 4. Februar 1977 endlich auch das Richtfest gefeiert werden. Zu dem Fest kamen neben zahlreichen Vertretern der Universität und Politik auch die aktivsten Studierenden und Vertreter der Betriebe, die am Bau mitarbeiteten. Sie erhielten Prämien zur Anerkennung ihrer Leistungen.
Die Studierenden hatten zu diesem Zeitpunkt schon 68.000 Arbeitsstunden geleistet, doch auch nach dem Richtfest ging die Arbeit weiter. Im Februar 1977 wurden zahlreiche Mitternachtsschichten verrichtet.

Auf dem Bild könnt ihr den Polier Manfred Gangloff der Firma Werner sehen, wie er eine Kassette mit Bauplänen und Tageszeitungen in die Außenwand der Moritzbastei einmauert.

/ Autor: torstenreitler

Die zweite Eröffnung

Einladung

Die Moritzbastei als Kulturbastion wird 40. In loser Reihe öffnen wir unser Anekdotenkästchen und berichten von Momenten aus vier Jahrzehnten, die zwar nicht die Welt veränderten, aber trotzdem Eingang gefunden haben in das Moritzbastei-Kollektivgedächtnis. Heute: Die zweite Eröffnung am 5. Februar 1982.

Die Moritzbastei hatte sich seit 1974 zur Dauerbaustelle entwickelt. Das lag daran, dass der Zustand der historischen Bausubstanz die Planungen immer wieder vor neue Herausforderungen stellte. Auch die Mangelwirtschaft der DDR trug das ihre dazu bei, dass eine Eröffnung des gesamten Gebäudes sich immer wieder verzögerte. Um wenigstens ein erstes Erfolgserlebnis vorweisen zu können, wurde deshalb am 1. Dezember 1979 eine Teileröffnung gefeiert. Wohl auch, um die Studenten zu motivieren,  Read More

/ Autor: torstenreitler

Surftipps für´s Wochenende

Das wichtigste zuerst: Wählen gehen! Wir sind nämlich 89 nicht nur wegen der Bananen übern Ring gelatscht…

Die Zeit bis Sonntag dürft ihr euch aber gerne mit unseren Linktipps vertreiben. Wir starten mit einem hübschen Foto aus Thailand, das zeigt, wie man sich nicht dumm anstellt, sondern ziemlich gewitzt.

Mittwoch war in Leipzig Veggieday. Wir haben es leider noch nicht geschafft, unsere Küche für diesen einen Tag zu entfleischen. Dafür schlachtet man hierzulande weniger. Schuld ist das Wetter. Oder so.

Menschen in Moshpits verhalten sich wie Teilchen in Gasen. Haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden. Kein Scherz! (Irgendwie doch.)

Das folgende Video hat Moritz ausgegraben. Jaja, Saarländer und die DDR, eine eigene Geschichte. 😉

Wo wir gerade bei Videos sind: Es wird an einem Nachfolger für den Dokumentarfilm „Geschichten hinter vergessenen Mauern“ gedreht. Ihr könnt dabei helfen!

Zum Schluss: Henry Rollins war schon immer ziemlich von sich selbst überzeugt. Wären wir Henry Rollins, wären wir das sicher auch. Nicht?

Schönes Wochenende!

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum März

Ist Konsens das Ziel alles Strebens? Was ist passiert, wenn plötzlich aller einer Meinung sind? Wie fühlt man sich, wenn einen plötzlich alle mögen? Ob sich Joachim Gauck das manchmal fragt?
Wir wissen es nicht, denn uns ist das noch nie gelungen: Von allen geliebt zu werden. Vielleicht wollen wir das aber gar nicht?
Das neue Monatsprogramm der Moritzbastei ist erschienen, darin und darum auch hier das Wort zum Monat. Wir sehen uns.

In Deutschland herrscht Fachkräftemangel. Freut euch, Auszubildende und Studierende! Es ist so arg, dass jetzt sogar die Silbermähnen wieder ins Berufsleben integriert werden.
In der Politikbranche, die ebenfall seit langen Jahren unter eklatantem Fachkräftemangel leidet, hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Ein rüstiger Rentner übernimmt das Amt des Bundespräsidenten von einem über 20 Jahre jüngeren Kollegen, der seine hohen Ansprüche nur im privaten mit Konsequenz in die Tat umsetzen konnte. In Arbeitszeugnissen heißt so etwas dann vernichtend „neigte zur Geselligkeit“ und „bemühte sich, den an ihn gestellten Anforderungen gerecht zu werden“.

Für Joachim Gauck schließlich ist es die späte Chance, aus seinem Leben noch etwas zu machen. Als Pfarrer konnte er die grassierende Verheidung der DDR weder aufhalten noch verhindern. Als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde schaffte er es nur mit fleißiger Unterstützung ehemaliger IM, die Akten so zu interpretieren, wie es von ihm in solch einer verantwortungsvollen Position erwartet wurde. Später vergeigte auch noch eine Karriere als TV-Talkmaster. Danach konnte er beruflich nicht mehr recht Fuß fassen, engagierte sich dafür umso stärker ehrenamtlich und wurde, seinen Lebensumständen entsprechend, vor allen Dingen alt.

Joachim Gaucks entwickelte sich vom Bürgerrechtler zum Volksvertreter, nun lockt das Upgrade zum Landesvater. Wie viel dabei von den Vorgängerversionen deinstalliert werden musste, weiß er nur selbst. Manche meinen, nun bekäme das Land am 18. März endlich wieder einen Präsidenten, das es verdient hat.

Ob das so ist, und wie man das verstehen darf? Wir werden es sehen.

/ Autor: josephine

Montagspresseschau: Skaten in der DDR

Auch diese Woche wieder magere Ausbeute im Bezug auf MB-relevante Internetmeldungen.

Aber einen sehr interessanten Artikel hab ich dennoch gefunden zum Thema „Skaten in der DDR“ auf Spiegel.de. Offenbar war die MB bereits zu Ost-Zeiten ein beliebter Skater-Treffpunkt. Wenigstens da hat sich nicht viel geändert, auch wenn die Vorsprünge und Stufen an der neuen Mensa mittlerweile spannender zu sein scheinen. Auch gut. Unsere Treppen und Geländer danken es jedenfalls – Abrieb und Bruch (mehr oder weniger) historischen Baumaterials ist nämlich leider eins der weniger schönen Aspekte dieses ansonsten sehr sympathischen Sports.
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