/ Autor: torstenreitler

A little help from our friends

Ein Moritzbastei-Corona-Update: Wie wir durch die Krise kommen und wie ihr uns dabei unterstützen könnt

Wie geht es Dir? Diese Frage, sonst eher eine Höflichkeitsfloskel, hat einen anderen Klang dieser Tage. Auch in Bezug auf die Moritzbastei stellt sie sich neu und mit mehr Dringlichkeit, je mehr Zeit vergeht. Zeit, in der die MB geschlossen bleiben muss. Zeit, in der nicht absehbar ist, ob und welche Hilfsprogramme für die Moritzbastei greifen könnten. Hier kommt ein Situationsbericht, wie ihr uns mit einem Unterstützungsbeitrag, einer Spende oder dem Kauf eines Gutscheins unterstützen könnt, findet ihr am Ende des Beitrags.

Wie sehr trifft die Corona-Krise die Moritzbastei?

Momentan überwiegt – noch! – der kulturelle Schaden. Die Moritzbastei arbeitet ohne institutionelle Fördermittel, wie jedes andere mittelständische Unternehmen (über 100 Mitarbeiter:innen, die 60 Vollzeitstellen entsprechen!) müssen wir alles Geld, das wir ausgeben wollen, vorher einnehmen. Da wir in den vergangenen beiden Jahren gut wirtschaften konnten, steht uns ein bescheidenes Rücklagenpolster zur Verfügung, mit dem wir die akuten Einnahmeausfälle –noch! – abfedern können.

Unsere Versicherungspolice deckt die Ausfälle durch die Coronakrise nicht ab. Da der Pachtvertrag für die Moritzbastei Ende 2027 ausläuft, fehlen die Sicherheiten für einen „normalen“ Bankkredit.

Aber der Staat und die Stadt werden die MB doch retten?

Momentan kann man das so nicht sagen. Es gibt keine Fördermittel von der Stadt oder dem Freistaat (siehe oben), aktuell sind auch noch keine Hilfs- oder Kreditprogramme für Betriebe mit mehr als 10 Mitarbeiter:innen aufgelegt worden. Natürlich gibt es eine gewisse Hoffnung, dass die Institution Moritzbastei auch in einer Krise nicht aufgegeben werden wird. Aber auch bzw. besonders einer Kommune wie Leipzig, die mit Gewandhaus, Oper, Theater, Zoo und diversen Museen ein überaus umfassendes Kulturangebot finanziert, sind Grenzen gesetzt bei dem, was sie abfedern kann. Welche Priorität da die Moritzbastei hat, können wir nicht abschätzen.

Welche Maßnahmen hat die MB ergriffen, um die akute Krise zu überstehen?

Wir haben unseren Betrieb komplett eingestellt, um die Betriebskosten soweit wie möglich zu senken. Trotzdem bleiben noch weit über 10.000 Euro pro Monat, die für Abschläge, Versicherungen und Gebühren gezahlt werden müssen.

Eine Hauptlast tragen alle Mitarbeiter:innen. Unsere achtundvierzig sozialversicherungspflichtigen Angestellten bekommen Kurzarbeitergeld. Alle freien Mitarbeiter:innen, die nach Diensten bezahlt werden, stehen ohne Verdienstmöglichkeit da. Damit fallen keine Lohn- und Gehaltskosten für die GmbH an, der Lohnverzicht trifft die Kolleg:innen natürlich hart. Freie Kultur und Gastronomie sind keine Jobs, in der man Polster für schlechte Zeiten zurücklegen kann. Leider.

Wie lange kann die Moritzbastei eine komplette Schließung überleben?

Es ist schwer absehbar, wie lange wir aus eigener Kraft diese Einschnitte tragen können. Unsere „Auftragsbücher“ für den Herbst sind prall gefüllt, im Planer stehen viele tolle Veranstaltungen. Unsere Hoffnung ist, dass wir damit unsere Umsatzausfälle zumindest begrenzen können. Davor kommt allerdings der traditionell umsatzschwache Sommer. Es wird also alles davon abhängen, wann wir den Betrieb wieder hochfahren können.

Wie kann der Moritzbastei geholfen werden?

Sollten die Ausnahmeregelungen der Corona-Krise deutlich über den bisher festgesetzten 19. April 2020 verlängert werden, wird die Moritzbastei finanzielle Hilfe benötigen, die nur von kommunaler oder staatlicher Seite kommen kann. Oder wir müssten – was wir nicht hoffen – unser Programm und damit unseren Personalbestand tiefgreifend ändern. Wir hoffen darauf, dass in absehbarer Zeit auch ein Hilfsprogramm für mittelständische Unternehmen aufgesetzt werden wird.

Kann ich persönlich etwas für die Moritzbastei tun?

Wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, dann könnt ihr uns natürlich auch mit einer kleinen oder größeren finanziellen Zuwendung unterstützen. Es könnte sehr helfen, wenn wir soviel Geld zusammenbekommen, einen Monat länger die Betriebskosten zu zahlen! Wenn ihr regelmäßige Gäste der MB seid, dann schaut mal, was ihr normalerweise monatlich für Tickets bezahlt oder an Trinkgeld in der Bastei lasst…

Folgendes könnt ihr konkret tun:

  • Unterstützt die Moritzbastei mit einem Support-Beitrag von 10 oder 20 Euro. Als kleines Dankeschön laden wir laden euch auf ein Getränk ein bei eurem nächsten Besuch. 🙂
    Hier der Link zu Tixforgigs: https://bit.ly/MBCovid19Support
  • Ihr könnt der gemeinnützigen Stiftung Moritzbastei eine Spende überweisen. Die Stiftung hat die Moritzbastei von der Stadt Leipzig gepachtet und ist für den Unterhalt des Denkmals zuständig und kontrolliert die kulturelle Nutzung der MB. Mit einer Spende helft ihr, den Bestand der MB langfristig zu sichern. Die Bankverbindung lautet:

    Stiftung Moritzbastei
    IBAN: DE05 8605 5592 1100 1489 96
    Kreditinstitut: Sparkasse Leipzig
    Verwendungszweck: Corona Help Moritzbastei

    Möglich ist auch eine Spende via PayPal an mail@stiftungmoritzbastei.de

    Natürlich kann die Stiftung euch auch einen Spendenbeleg ausstellen.
  • Kauft einen Moritzbastei-Gutschein! Den könnt ihr ganz regulär nach Wiedereröffnung für Konzert- und sonstige Veranstaltungstickets einlösen, aber auch für Speisen und Getränke. Ihr könnt ihn sogar verschenken! Wenn ihr es euch leisten wollt und könnt, dann löst den Gutschein nicht ein, sondern behaltet ihn als kleines Souvenir für eure Hilfsbereitschaft.
    Hier gibt es die Gutscheine: bit.ly/MBGutschein

Die Moritzbastei ist euch für jede Hilfe und Unterstützung zutiefst verbunden! Bei euch bedanken sich alle Mitarbeiter:innen, die möglichst bald wieder ihrem täglichen Job nachgehen wollen. Alle Student:innen, Honorarkräfte und Dienstleister, die wieder als Servicekräfte die unsere Tresen bewirtschaften, unsere Technik warten und bedienen und notwendige Hintergrundtätigkeiten durchführen wollen. Nicht zuletzt alle Künstler:innen, die sehnsüchtig darauf warten, wieder für euch auftreten zu können!

Bleibt gesund, achtet auf euch und eure Mitmenschen. Bis hoffentlich sehr bald!

/ Autor: torstenreitler

Eiszeit

In der Moritzbastei werden bis Ostern zum 20. April 2020 keine Veranstaltungen stattfinden können. Unser Café Barbakane ist noch täglich von 10-16 Uhr geöffnet, aber es ist absehbar, dass mangels Kundschaft die MB in Kürze komplett geschlossen bleiben muss. Ab dem 19.3. ist die Moritzbastei komplett dicht. Wir halten euch über alle Entwicklungen, die MB betreffend, auf dem Laufenden.

Was bedeutet das? Die Moritzbastei erhält keine institutionelle Förderung von der Stadt, dem Freistaat oder anderen Instanzen. Alles Geld, das wir für den Erhalt des Kulturdenkmals, unser Programm und alle Löhne und Gehälter ausgeben, müssen wir vorher verdienen. Aktuell gibt es keine Einnahmen, die Ausgaben laufen weiter.

Wir denken und planen in kurzen Zeiträumen. Wir hoffen auf ein Ende der Veranstaltungseinschränkungen bis spätestens Ende Mai. Für alle festangestellten Mitarbeiter:innen wurde Kurzarbeit Null beantragt. Unseren Mitarbeiter:innen auf Minijob- und Honorarbasis fallen auf nicht absehbare Zeit alle Dienste und damit Einnahmen aus. Alle Betriebskosten werden auf ein Minimum reduziert, alle Aktivitäten gestoppt.

Wie lange kann die Moritzbastei eine solche Eiszeit überleben? Keine Ahnung. Optimistisch, wie wir sind, gehen wir von einer Besserung der Situation zum Sommer aus und hoffen darauf, dass viele ihr Kultur- und Ausgehdefizit in der zweiten Jahreshälfte ausgleichen wollen. Trotzdem müssen wir damit rechnen, bis zu 30 Prozent unseres Jahresumsatzes zu verlieren. Vielleicht wird es sogar mehr. Hoffentlich weniger. Was ein solcher Einbruch langfristig bedeutet, können wir im Moment noch nicht einschätzen.

Als alteingesessenes, überregional bekanntes und bestens ausgelastetes Kultur- und Veranstaltungszentrum sind wir da noch in einer vergleichsweise komfortablen Positition. Die meisten anderen Clubs und nichtgeförderten Veranstaltungorte in der Stadt haben deutlich schlechtere Voraussetzungen, um eine Krise solchen Ausmaßes zu überstehen. Die Moritzbastei setzt sich seit Jahren in Initiativen wie Leipzig plus Kultur und der IG LiveKommbinat für die Interessen der Freien Kulturszene und der Clubs und Musikspielstätten dieser Stadt ein. Das werden wir in den kommenden Wochen und Monaten noch stärker tun. Zeit dafür haben wir ja jetzt.

Wir halten euch hier und in den sozialen Medien auf dem Laufenden. Ihr als unser Publikum, unsere Freund:innen und Unterstützer:innen könnt uns und alle anderen in der freien Kultur- und Clubszene unterstützen. Wie das möglich sein wird, geben wir zu gegebener Zeit bekannt.

Haltet uns die Treue, bleibt gesund und solidarisch mit euren Mitmenschen. Bis hoffentlich bald!

/ Autor: torstenreitler

Improvisation als Kunst

Das 29. Bundesweite Jazz-Nachwuchsfestival „jazz talentZZ“ steht vor der Tür. Ob es da auch bleiben muss, entscheidet sich in den kommenden Tagen. Wir tun so, als ob und geben euch schon mal einen Ausblick auf das, was möglich wäre.

Die ersten Planungen für ein Bundesweites Jazznachwuchsfestival in Leipzig wurden im Jahr 1990 in Angriff genommen. Was genau der Auslöser für ein solches Projekt war, ist nicht dokumentiert. Vermutet werden darf auf jeden Fall, dass die Wiedervereinigung und der Gedanke, junge Menschen aus Ost und West zusammenzubringen, präsent gewesen sein dürfte. Leipzig war eines der wichtigsten Zentren für Jazz in der DDR, und mit diesem Pfund in der Hand wollte man aufbrechen zu neuen Ufern.

/ Autor: torstenreitler

Fragen und Antworten zu Covid-19 und der MB

Covid-19? Corona? Die Moritzbastei ist eine öffentliche Einrichtung. Normalerweise stecken wir Menschen mit Begeisterung für Musik, Theater, Literatur und Kunst an und freuen uns, wenn sich Begegnungen jedweder Art ergeben. In Zeiten einer Krankheitswelle wie der aktuellen Covid-19-Epedemie müssen wir uns natürlich auch anderen Ansteckungsrisiken stellen und viele Fragen beantworten. Die wichtigsten beantworten wir euch in diesem Beitrag.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in der Moritzbastei?

So hoch, wie an allen geschlossenen öffentlichen Orten, an denen Menschen zusammenkommen. Wir halten natürlich alle Hygiene- und Seuchenschutzkriterien ein, unsere Mitarbeiter sind informiert und sensibilisiert. Die Gefahr einer Ansteckung ist gegeben, auch wenn wir sie aktuell für überschaubar halten.

Fallen jetzt alle Veranstaltungen bei euch aus?

Nein. Alle geplanten Veranstaltungen finden bis auf weiteres wie geplant statt. Sollte es Absagen geben – aktuell besonders betroffen sind die geplanten Lesungen im Rahmen der Buchmesse – , informieren wir darüber umgehend auf unserer Webseite und durch die sozialen Medien.

Wie können sich unsere Gäste in der Moritzbastei schützen?

Jeder Gast kann sich bei uns die Hände mit Wasser und Seife waschen. Zeitnah stellen wir auch Handdesinfektionsmittel für Gäste zur Verfügung. Ansonsten sind alle unsere Mitarbeiter:innen aufgefordert, ihrer Informationspflicht nachkommen bzw. einen Arzt zu konsultieren, wenn sie erkrankt sind. Gleiches gilt, wenn sie Kontakt mit einer sicher mit dem Covid-19-Virus infizierten Person hatten.

Wie kommuniziert die Moritzbastei die aktuelle Lage?

Grundsätzlich wollen wir besonnen mit der Situation umgehen und keine zusätzliche Aufregung verbreiten. Wir informieren wir unsere Gäste nur dann, wenn es tatsächliche Änderungen in unserem Programm oder Einschränkungen gibt. Das geschieht durch Aushänge im Haus, auf unserer Webseite und in den sozialen Medien. Natürlich können Gäste auch unserer Mitarbeiter:innen jederzeit ansprechen.

Intern gibt es bis auf weiteres ein tägliches Briefing für alle Bereiche zur aktuellen Entwicklung.

Was können Gäste zum Schutz vor Ansteckungen beitragen?

Es wäre natürlich sehr schön, wenn auch unsere Gäste die üblichen Hygienemaßnahmen einhalten würden. Dazu zählt vor allen Dingen das gründliche Händewaschen! Bitte überlegt euch, ob ihr auch mit einer Erkältung oder unklaren Krankheitssymptomen zu uns kommen müsst. Natürlich will niemand seine:n Lieblingskünstler:in verpassen! Besonders, wenn man schon ein Ticket gekauft hat. Wenn ihr euch aus gesundheitlichen Gründen unsicher seid und lieber zu Hause bleiben möchtet, um niemanden anzustecken, bieten wir euch an, euer Ticket zu erstatten. Dafür meldet euch bitte VOR der Veranstaltung unter info@moritzbastei.de.

Die aktuelle Krankheitswelle birgt natürlich große wirtschaftliche Risiken für eine Einrichtung wie die Moritzbastei. Wir leben schließlich davon, dass sich möglichst viele Menschen bei uns treffen. Abgesagte Veranstaltungen oder aus Verunsicherung fernbleibende Besucher:innen bedeuten reelle Umsatzeinbußen. Ein Kulturunternehmen wie die Moritzbastei, das nicht profitorientiert und ohne institutionelle öffentliche Förderung arbeitet, trifft eine solche unvorhergesehene Krise natürlich besonders schwer. Insofern hoffen wir auch auf euer Verständnis und euer Vertrauen in unsere Arbeit. Wenn ihr Fragen zu dem Thema habt, könnt ihr euch gerne bei uns unter info@moritzbastei.de melden.

Ansonsten – bleibt gesund und bis hoffentlich bald!

/ Autor: torstenreitler

Clubs & Politics

Der amtierende Leipziger Oberbürgermeister unterhält sich am Tresen der Distillery mit deren Chef Steffen Kache über Clubsterben, Freiräume in einer wachsenden Stadt und die politischen Rahmenbedingungen für Clubbetreiber*innen? Richtig, es ist Wahlkampf in Leipzig.

Am 2. Februar ist OBM-Wahl in Leipzig. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, sich mit einem Technoclub-Betreiber über die Befindlichkeiten der Clubs- und Musikspielstätten zu unterhalten. Schließlich gelten Clubs als Vergügungsstätten, gleichgestellt mit Spielcasinos und Bordells. Otto Normalbürger assoziiert gern Sex- und Drogengeschichten mit Technoclubs, allerdings ganz anders, als die Betreiber*innen diese Themen verhandelt sehen wollen. Stichwort Sexpolitics, Awareness, Drugtesting etc.

Jedenfalls gibt sich Burkhard Jung im Gespräch reichlich und hoffentlich ernsthaft Mühe, den Spagat zwischen dem vermutlich etwas reservierten Interesse der sogenannten „bürgerlichen Mitte“, deren Ordnungs- und Sicherheitsgefühl er wohl nicht verwirren möchte, und den handfesten Forderungen der Clubkultur-Profis schmerzfrei zu gestalten. In Steffen Kache hat er einen Gesprächspartner, der nach jahrelangem politischem Engagement für die Belange der Clubs alle Facetten des Diskurses beleuchten kann. Sei es auf bundespolitischer oder auf kommunaler Ebene.

Wenn euch interessiert, in welche Richtung sich die Clublandschaft Leipzigs entwickelt, auf welchen Baustellen die IG LiveKommbinat (deren Mitglied auch die Moritzbastei ist) an tragfähigen Lösungen für die Zukunft arbeitet, der sollte sich das knapp 20-minütige Gespräch bis zum Ende anschauen.

Dieses Video ist im übrigen keine Wahlwerbung für Burkhard Jung. Wir als Moritzbastei denken, dass es richtig ist, diese Gespräche zu führen und hoffen, dass auch der oder die zukünftige OberbürgermeisterIn diesen Dialog weiterführen wird.

/ Autor: torstenreitler

Nicht nur Freitags!

Wir sind verliebt. Auch im neuen Jahr 2020, und zwar an jedem Tag. Naja, fast jeden. Das hat aber nichts mit dem Wochentag zu tun, sondern eher mit den Realitäten des Alltags. Kennt ihr ja. 😉

Verliebt in die Möglichkeiten, die uns ein Ort und eine Struktur wie die Moritzbastei bieten. Menschen arbeiten, damit andere Menschen tolle Momente erleben können mit Kunst, Kultur, Konzerten, Partys, Theater, Kino, Ausstellungen. Kneipenabenden mit Freunden. Familienfeiern, Firmenfesten, Weihnachtsevents.

Für 2020 haben wir uns wieder einiges vorgenommen, auch hinter den Kulissen. Wir wollen unsere Webseite aktualisieren (das wird dann auch den Basteiblog tangieren). Fun fact: Die Moritzbastei-Webseite hat im vergangenen Dezember ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert! Das Jazznachwuchsfestival im April wird in seinem 29. Jahr einen organisatorischen und visuellen Neustart wagen. Das zweite Leipzig Pop Fest im Juli wird beweisen müssen, dass der letztjährige Erfolg keine Eintagsfliege war. Wir werden weiter an unseren Partykonzepten arbeiten (müssen), die Generationen XYZ sind weitaus größere Stubenhocker, als ihre Vorfahren. Neue Veranstaltungsformate wollen ausprobiert werden, wir verabschieden uns von langjährigen Kollegen und heißen sicher wieder viele neu in unserem Gastroteam willkommen.

Zwischen all diesen Vorhaben bleiben tatsächlich noch Lücken für Engagement – wir werden wieder das Courage-Festival veranstalten, den Kulturleben e.V. und unser Kinderteam vom Roten Stern Leipzig unterstützen, aktiv sein im LiveKommbinat e.V. und der Initiative Leipzig Plus Kultur. Oder einfach nur Spaß haben, wie beim Neujahrssingen der Leipziger Gastronomen und Medienvertreter*innen im Felsenkeller am 4. Januar.
Obwohl. Auch da floss der Erlös einem guten Zweck zu. Alle Gewinne wurden an die Leipziger Tafel weitergereicht.

Wir freuen uns auf ein tolles Jahr 2020 mit vielen Tagen, die in (hoffentlich bester) Erinnerung bleiben werden. Nicht nur Freitage!

/ Autor: torstenreitler

Zufallsfund: Der Sozialismus der Neunziger Jahre

Vor einiger Zeit tauchte beim Umzug des Moritzbastei-Verwaltungsbüros eine selbstgebrannte CD auf. Darauf war der handschriftliche Vermerk „Hörfunk Sendung 1989 zur Bastei / NT (oder VT) 1999“ zu lesen. Die CD lag eine Weile auf meinem Schreibtisch, ein CD-Laufwerk hat keiner der Rechner im MB-Büro mehr. Als sich endlich die Gelegenheit fand, zu Hause in die CD reinzuhören, offenbarte sich eine faustdicke Überraschung: bei der Hörfunksendung handelt es sich um ein Radiofeature von 1996, das auf der Tondokumentation einer Podiumsdiskussion in der Moritzbastei vom 15. Oktober 1989 basiert.

Das Foto oben könnte von dieser Podiumsdiskussion stammen, im MB-Archiv findet sich keine nähere Zeit- und Ortsangabe dazu. Der Rektor der Universität hatte zu dieser Diskussion unter dem Titel „Der Sozialismus der Neunziger Jahre“ geladen, fast 2000 Menschen wollten sich an diesem 16.10.19 darüber austauschen, wie es nach der ersten Großdemonstration des Herbstes 1989 weiter gehen sollte mit ihrer Gesellschaft und ihrem Land.

Das Tondokument gibt die Atmosphäre, die Widersprüche und die Erregung dieser Herbsttage so unmittelbar wieder, dass man versucht ist, den Atem anzuhalten beim Zuhören. Wir danken dem MDR und Autor Matthias Thalheim, dass wir die Sendung, die unter dem Titel „Als gestern heute war“ erstmalig am 1.10. 1996 ausgestrahlt wurde, hier noch einmal wiedergeben dürfen.

MDR-Feature: „Als Gestern Heute war“ vom 1.10. 1996. Autor: Matthias Thalheim.

Mit der Transkription der Einführung in das Tondokument, die noch einmal die historische Situation des Spätsommers und des Herbstes des Jahres 1989 aufziehen lässt, beenden wir diesen Beitrag zur Moritzbastei-Geschichte. Sprecherin ist Maria Dahms.

Vielerorts und vielfältig wird in diesen Wochen an den Herbst `89 erinnert. Auch wir werden in dieser und den folgenden zwei Sendungen auf dieses Thema eingehen. Am Anfang soll eine Sendung von Matthias Thalheim mit einem Tondokument aus Leipzig stehen, die wir im Oktober 1996 erstmalig gesendet haben.

Ich weiß nicht, wie es ihnen geht. Aber inzwischen hat man beim Erinnern an den heißen Herbst `89 schon eine gewisse Mühe, die Ereignisse in die richtige Abfolge zu bringen. Also versetzen wir uns zurück in den Spätsommer des Jahres 1989.

Am 19. August: Massenflucht von über 500 DDR-Bürgern bei Sopron nach Österreich. Mitte des Monats treten die Bürgerbewegungen Neues Forum, Demokratie jetzt und Demokratischer Aufbruch an die Öffentlichkeit. Ende September demonstrieren in Leipzig im Anschluss an das Friedensgebet in der Nikolaikirche erstmalig 5000 Menschen auf dem Promenadenring. Nach den Reiseeinschränkungen für Ungarn werden die DDR-Botschaften in Warschau und Prag belagert, den Besetzern in Prag wird schließlich die Ausreise zugesichert. Gleichzeitig wird am Dienstag, den 3. Oktober, der visafreie Reiseverkehr in die CSSR gestoppt. Die Züge aus Prag werden über Dresden geleitet wo es am Hauptbahnhof zu schweren Auseinandersetzungen mit Polizei, Kampfgruppen und Staatssicherheit kommt. Diese Auseinandersetzungen halten bis zum Wochenende an.

Zum 40. Jahrestag der DDR, der am Sonnabend, den 7.Oktober gefeiert wird, werden hunderte von Gegendemonstranten festgenommen. Am Montag, den 9. Oktober, sind die Blicke aller nach Leipzig gerichtet. Es kommt, obwohl nach den Ereignissen der letzten Tage mit dem Schlimmsten, dem Schusswaffeneinsatz gerechnet werden muss, zur bisher größten nichtgenehmigten Demonstration in der Geschichte der DDR. Etwa 70.000 Menschen nehmen an ihr teil. Sie verläuft ohne ernste Zusammenstöße. Vorausgegangen war ein Besonnenheitsaufruf von SED-Funktionären und Künstlern, darunter Kurt Masur und Bernd-Lutz Lange.

Das inzwischen historische Tondokument, das sie nun in Ausschnitten hören werden, stammt vom darauffolgenden Sonntag, den 15. Oktober 1989. Der Rektor der Karl-Marx-Universität Leipzig, Professor Horst Hennig, hat zu einem politischen Frühschoppen um 10 Uhr in den Studentenklub Moritzbastei eingeladen. Thema: „Der Sozialismus der Neunziger Jahre“. Auf der Bühne der überfüllten Veranstaltungstonne haben neben dem Rektor zwei Unterzeichner des Aufrufs vom vergangenen Montag Platz genommen. Roland Wötzel, Sekretär der SED-Bezirksleitung, und der Kabarettist Bernd-Lutz Lange. Der vierte in der Podiumsrunde ist der Theologe Professor Kurt Nowak.

An die 2000 Leipziger sind an die Moritzbastei gekommen. Das Gespräch muss in die ebenfalls überfüllten Gewölbe per Lautsprecher übertragen werden. In der Luft liegt die Frage, wie es am morgigen Montag weitergehen wird. Das Neue Forum ist eine verbotene, als staatsfeindlich deklarierte Gruppierung. Die offizielle Zulassung des Forums, das vier Wochen später am 8. November erfolgen wird, ist zu diesem Zeitpunkt nicht in Sicht.

/ Autor: torstenreitler

Alles Gute, Heinz!

Das ist Heinz, und er feiert heute seinen 75. Geburtstag.  Seit fast 30 Jahren ist er Stammgast in der Moritzbastei, heute hat er zur Feier des Tages Kuchen für uns MitarbeiterInnen mitgebracht. Die MB ist seine Burg, in der er sich sicher fühlt. Gute Mitarbeiter, nette Leute, viele kluge Menschen,  man muss sich immer weiterbilden.

Ein bisschen ist Heinz also  Dienstältester in der Moritzbastei, auch wenn er nie hier angestellt war. Eigentlich war die MB in den Siebzigern

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/ Autor: torstenreitler

Stay on top, Leipzig Pop Fest! (Teil 2)

Über 1000 Leute waren am 23./24. August in und auf der Moritzbastei unterwegs, als das erste Leipzig Pop Fest über die Bühnen ging. Zehn Bands, vier Diskussionsforen und drei DJ-Teams loteten aus, was die Popmusikszene dieser Stadt ausmacht. Im zweiten Teil gibt es Eindrücke vom Festivalsamstag und einen Ausblick.

Bilder gibt es übrigens auf der Moritzbastei-Homepage.

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/ Autor: torstenreitler

Stay on top, Leipzig Pop Fest!

Über 1000 Leute waren am 23./24. August in und auf der Moritzbastei unterwegs, als das erste Leipzig Pop Fest über die Bühnen ging. Zehn Bands, vier Diskussionsforen und drei DJ-Teams loteten aus, was die Popmusikszene dieser Stadt ausmacht. Ein Blick zurück und einer nach vorn.

Der Ausgangspunkt war das Ende von „Der Grosse Preis – Leipzig sucht die Bands des Jahres“ im Januar 2018. Damals wollten wir „Platz für etwas Besseres“ schaffen, denn Read More