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/ Autor: torstenreitler

Der Grosse (Publikums)Preis: Die Kandidaten (4/4)

Orph_Land_O_I

Es ist wieder soweit: Eure Stimme zählt! Wen wollt ihr am 15. Januar  2016 auf der Bühne im Werk2 sehen, wenn Leipzigs Bands des Jahres 2015 gekürt werden?

Bis zum 15. Oktober könnt ihr mitentscheiden unter www.moritzbastei.de/bandvoting

Wir stellen euch hier die vier Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor, zum Abschluss beantworten ORPH unsere Fragen.

Warum klingt eure Musik so, wie sie klingt?
Das ist ein bisschen wie die große Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest in Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ 🙂 Aber es steckt schon ein verrückter Plan dahinter, so viel sei verraten.

Habt ihr einen Anspruch, eine Maxime, ein Ziel, von dem ihr euch leiten lasst?
Der große Anspruch ist immer etwas, das wie ein Puls aus dem Herzen strömt – die Liebe zur Musik. Um vielleicht noch mal auf die erste Antwort zurückzugreifen, es gibt bei Verträgen mit der Musikindustrie oft die wundervolle Klausel „Vertragsgebiet ist die Welt und das Universum.“ Das ist doch mal ein Ziel 🙂

Wie erfahrt ihr die Musikstadt Leipzig?
Ganz fantastisch, Leipzig ist herrlich bunt in der gesamten Kunst- und Kulturszene. Das war besonders spürbar, als ich vor zwei Jahren meinen Wohnsitz von Weimar nach Leipzig verlegt habe. Es ist bis heute nichts davon verloren gegangen. Weiter so!

Was gefällt euch, wo liegen Schwierigkeiten für euch?
Was besonders gefällt ist, dass es hier viele Künstler gibt, die ihr Schaffen wenig marktwirtschaftlich betrachten. Das ist eine sehr tolle Bewegung, die ich unbedingt liebenswert finde. Schwierigkeiten hatten wir bisher tatsächlich keine, und dabei soll es auch, wenn’s nach uns geht, bleiben.

Seht ihr eine Perspektive für eure Arbeit in Leipzig?
Das kann man gar nicht so sehr auf einen bestimmten Ort oder auf Leipzig beziehen. Betrachten wir Orph wie ein Radio, die Musik soll in alle Ohren wandern, die sie hören mögen, auch wenn diese vielleicht gerade am nördlichsten Breitenkreis frieren. Und im Moment senden wir aus Leipzig.

Was sind eure nächsten Ziele als Band?
Erstmal noch ein paar Konzerte in diesem Jahr. Da freue ich mich besonders drauf und dann im nächsten Jahr natürlich das neue Album FAO TAO und ein ganz spannendes Projekt, von dem man bald mehr erfahren wird.

Orph „Black Sunday Romance“ (Official Video) from Orph on Vimeo.

 

/ Autor: torstenreitler

Der Grosse (Publikums)Preis: Die Kandidaten (3/4)

JUNE-co

Es ist wieder soweit: Eure Stimme zählt! Wen wollt ihr am 15. Januar  2016 auf der Bühne im Werk2 sehen, wenn Leipzigs Bands des Jahres 2015 gekürt werden?

Bis zum 15. Oktober könnt ihr mitentscheiden unter www.moritzbastei.de/bandvoting

Wir stellen euch hier die vier Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor, heute stellt sich JUNE COCO vor.

Warum klingt eure Musik so, wie sie klingt?
Die Musik, wie wir sie jetzt live spielen und wie sie auf dem Album ist, hat eine lange Geschichte. Nicht nur der Sound hat sich seit dem ersten mal von 3 Anläufen ins Studio zu gehen und ein Album aufzunehmen verändert. Auch die Auswahl der Songs und die Bandbesetzung. Durch die Studio-Arbeit hat sich mein Blick und meine Erfahrung mit Arrangements und Sound erst entwickelt und es ist der Beginn einer langen Reise.
Unser Sound jetzt ist die glückliche Mischung aus verschiedenen Einflüssen von tollen Leuten, die alle dezent Ihren Input gegeben haben, so dass ich mit der Band die Freiheit hatte, das davon mitzunehmen, was uns gefällt. Diese Leichtigkeit und den Mut auszuprobieren hört man. Ich stehe total auf diesen Vintage Sound, weil ich privat auch mehr die alten großen Songwriter höre… Es ist facettenreich und wird durch die tolle Band und meine Stimme zusammengehalten.

Habt ihr einen Anspruch, eine Maxime, ein Ziel, von dem ihr euch leiten lasst?
Ich habe meinen eigenen Anspruch an Sound und Qualität. Der ist glaube ich hoch. Sonst wäre das jetzt nicht das erste Album… Es muss rund und stimmig sein, dann funktioniert es auch. Aber trotz allem Anspruch an Qualität und einer Klangästhetik zählt doch immer, dass es sich richtig anfühlt. Ich versuche mich dabei immer auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Wenn etwas erzwungen ist, klingt es auch so. Das merken auch Leute, die sich nicht viel mit Musik beschäftigen. Auch wenn ich Berufsmusikerin bin, möchte ich doch Musik machen, die mir und den Leuten Spaß macht und die mich schweben lässt und hoffentlich auch die Leute für einen Moment in eine andere Welt mitnimmt…

Wie erfahrt ihr die Musikstadt Leipzig? Was gefällt euch, wo liegen Schwierigkeiten für euch?
Bunt. Und man nimmt diese Vielseitigkeit noch als angenehm und vor allem bewusst wahr. Man hat viel Spielraum, es ist nicht so überfüllt wie z.B. Berlin. Man kann leichter etwas Erschaffen, was es gefühlt hier noch nicht gibt. Und man wird schneller wahrgenommen. Teilweise werden den frei schaffenden Kreativen im Bereich der U-Musik zwar nicht gerade die roten Teppiche ausgelegt, aber zumindest verkauft sich Leipzig als vielseitige Musikstadt gut und vor allem die Touristen lieben die freie Szene. Irgendwann wird das vielleicht auch noch von der Stadt mehr wert geschätzt und in Form von entsprechenden Fördermitteln wie es für die „Hochkultur“ der Fall ist honoriert.

Seht ihr eine Perspektive für eure Arbeit in Leipzig?
Ja. Auch wenn ich immer Fernweh habe ist und war Leipzig für mich immer wie ein Hafen. Es ist meine Basis. Hier habe ich begonnen, aus meinen Geschichten und Texten Songs zu schreiben. In Leipzig habe ich viel als Musikerin gelernt und gearbeitet – und meine tolle Band gefunden. Überhaupt gibt es super Musiker hier. Die Stadt und die Menschen inspirieren mich, das Wohlfühl-Potential hier ist und war für mich immer enorm hoch. Die Nähe zur Natur, die überschaubare Kulturlandschaft, die Lage und die lieben Menschen. Aber die Geld bringenden Jobs in der Stadt findet man eher im Gala- Hotel- Bar- Musikbereich. Ich nenne es einfach Dienstleistungsmusik. Ein Job. Dafür gibt es viele Möglichkeiten und ich konnte als Klavier spielende Sängerin immer gut davon leben.

Was sind Eure nächsten Ziele als Band?
Unsere Album-Release Tour! Am 1.10. geht’s endlich los – quer durch Deutschland. Die Besetzung so wie sie jetzt ist fetzt total. Ich bin dankbar, dass ich so eine tolle Band gefunden habe und dass wir jetzt endlich auf Tour gehen können. Ich freue mich riesig auf die Konzerte und darauf die Songs mit den Jungs unters Volk zu bringen ! Es sind sogar schon ein paar neue Songs dabei, auch wenn das Album für die meisten das erste Lebenszeichen von June Cocó ist… Mal sehen was alles auf der Tour passiert. Bestimmt entstehen noch weitere Songs. Langfristig möchte ich einfach so viele Leute wie ich kann mit meiner Musik erreichen, ohne mich dafür zu verbiegen.

 

/ Autor: torstenreitler

Der Grosse (Publikums)Preis: Die Kandidaten (2/4)

emilysgiant

Es ist wieder soweit: Eure Stimme zählt! Wen wollt ihr am 15. Januar  2016 auf der Bühne im Werk2 sehen, wenn Leipzigs Bands des Jahres 2015 gekürt werden?

Bis zum 15. Oktober könnt ihr mitentscheiden unter www.moritzbastei.de/bandvoting

Wir stellen euch hier die vier Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor, heute stellen sich EMILY’S GIANT unseren Fragen.

Warum klingt eure Musik so, wie sie klingt? Habt ihr einen Anspruch, eine Maxime, ein Ziel, von dem ihr euch leiten lasst?
Das liegt an der Besetzung. Zwei Menschen. Mit ganz unterschiedlicher musikalischer Sozialisation und mit ganz unterschiedlichen Herangehensweisen und einer ungewohnten Instrumentierung ohne Schnickschnack. Jedoch beides Autodidakten ohne Anspruch auf Korrektheit (im musikalischen Sinne) und bei weitem keine Perfektionisten. Dafür authentisch. Spielfreude und Wanderlust sind denke ich unsere Maxime. Immer unterwegs sein. Menschen treffen, erfreuen, erfreut werden, zusammensein. Leben. Vor einem Rentner_innenpublikum auf einem Folklorefestival genauso abhotten wie in runtergerockten Punkrockschuppen.

Wie erfahrt ihr die Musikstadt Leipzig? Was gefällt euch, wo liegen Schwierigkeiten für euch?
Ich wurde sehr nett empfangen, bin über kleine Akkustikshows, Song Slam und Supportshows in der MB, dem Werk 2 und ins Täubchenthal gekommen, habe direkt Label und Verlag gefunden und konnte meinen Leben sehr stark nach der Musik ausrichten. Aus dieser Perspektive eigentlich wenig Schwierigkeiten 😉

Seht ihr eine Perspektive für eure Arbeit in Leipzig?
Absolut. s.o.

Was sind eure nächsten Ziele als Band?
Ich bin schlecht im Planen.  Alles passiert seit 2 Jahren einfach. Ich lasse passieren. Ich bin auf lange Sicht interessiert daran, vielleicht mal von einer Bookingagentur vertreten zu werden. Da stehen für mich aber nur wenige zur Auswahl.  Ob die vielleicht schon interessiert sind, weiß ich nicht. Ist auch egal. Wir würden gerne mehr Festivals spielen. Nächstes Jahr soll eine neue EP kommen. Diesmal etwas mehr ausproduziert (das letzte Album war ein reines Live Album). Weitermachen einfach.

 

/ Autor: torstenreitler

Der Grosse (Publikums)Preis 2015: Die Kandidaten (1/4)

2ERSITZ

Es ist wieder soweit: Eure Stimme zählt! Wen wollt ihr am 15. Januar  2016 auf der Bühne im Werk2 sehen, wenn Leipzigs Bands des Jahres 2015 gekürt werden?

Bis zum 15. Oktober könnt ihr mitentscheiden unter www.moritzbastei.de/bandvoting

Wir stellen euch hier die vier Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor, den Anfang machen 2ERSITZ.

Warum klingt eure Musik so, wie sie klingt? Habt ihr einen Anspruch, eine Maxime, ein Ziel, von dem ihr euch leiten lasst?
Unsere Musik klingt so, weil wir sie bis aufs Derbste zelebrieren und in verschieden Besetzungen als Kollektiv großen Wert darauf legen viel live zu spielen. Wir lassen uns in erster Linie von unserer Freundschaft leiten und nennen uns inzwischen auch Familie. Da treffen verschiedene Ansätze und Vorstellungen aufeinander, was für Reibung sorgt. Diese sorgt wiederum für Spannung und Spannung sorgt für ausgefallene Kreativität.

Wie erfahrt ihr die Musikstadt Leipzig? Was gefällt euch, wo liegen Schwierigkeiten für euch?
Wir wohnen, musizieren und feiern in Leipzig. Diese Stadt hat uns zusammengeführt und ist unser Hafen. Hier ist Kunst noch sehr charmant und persönlich, wenn man sich auskennt. So kennen wir zum Beispiel die Gewinner vom letzten Großen Preises Leipzigs, Karl die Große,  durch gemeinsame Konzerte. Die Schwierigkeit liegt nicht in der Vernetzung der Künstler oder an Konzertmöglichkeiten, sondern vielmehr im Aufgebot von Kooperationen mit Filmteams, Verlägen und Labels die Namen haben und wirklich was reißen wollen. Durch die für eine Stadt doch sehr hohe Dichte an Musikern kommt immer wieder Tratsch auf und das ist doch motivierend, oder?

Seht ihr eine Perspektive für eure Arbeit in Leipzig?
Wir haben bereits für eine von Kindern erbaute Stadt in der Stadt gespielt, für die Schließung der NPD-Zentrale Sachsens, Viva con Aqua, der Straßenzeitung KiPPE einen Song für ihrer Jubiläums-CD geschenkt, in Kindertagesstätten Kinder zum Tanzen und Lachen gebracht, sowie auf Straßen und Kanälen freie Konzerte gegeben. Zudem verschiedene Stadtteilfeste und Hausprojekte unterstützt. Wir werden das genau so weiterführen, denn mit dieser Musik kann man Menschen helfen. Ja, wir sehen 2ERSITZ als festen Auftrag, den wir erfüllen und definitiv eine Perspektive für uns und unsere Arbeit in Leipzig.

Was sind eure nächsten Ziele als Band?
Wir arbeiten gerade mit einem wunderbaren Produzenten aus dem Proton Studio an neuen Songs für unser zweites Album. Mit den ersten Songs als Demo wollen wir dann die richtigen Unterstützer erreichen um weiter aufnehmen zu können (Veröffnetlichung: wenn es fett genug ist um zu flashen). Einen Namen haben wir schon: ZWEI VON MILLIONEN Des weiteren arbeiten wir gerade an Aktionen, die auf Leipzigs Flüchtlinge aufmerksam machen und Gegenaktivisten die Schnürsenkel zubinden.

/ Autor: torstenreitler

Die Nacht, als die D-Mark kam

Was für griechische Ohren heute wie eine Drohung klingen mag, galt vor 25 Jahre hierzulande als die Verheißung blühender Landschaften. „Kommt die D-Mark, bleiben wir! Kommt sie nicht, gehn wir zu ihr!“ So krakeelte es auf den letzten verbliebenen Montagsdemos. Der Beitrag, den MDR-Reporter Jens Hölzig in der Moritzbastei gedreht hat, erinnert an die Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1990, als bis Mitternacht in Mark der DDR gezahlt wurde und ab 0 Uhr in D-Mark. Jens hat damals hinterm Tresen im Oberkeller gestanden und literweise Pfeffi ausgeschenkt. Was sonst noch passierte, schaut ihr euch am besten selber an.

DMarkMDR

 

Zum Thema D-Mark und wie die Geschichte weiter ging sendet der MDR ab heute Nacht einen weitaus spannenderen Dreiteiler. Die Titelfrage „Wem gehört der Osten?“, die sich der Privatisierung und der ökonomischen Neuordnung nach dem Ende der DDR widmet, kann man heute gerne noch allgemeiner fassen: Was ist Gemeingut und sollte es bleiben? Sind Trinkwasser, Ackerland, Stadtviertel am Ende nichts als Renditeobjekte für Großanleger? In Griechenland und auf den Gipfeltreffen der Granden von EU, EZW und IWF wird diese Frage in diesen Tagen beantwortet. Vorläufig.

/ Autor: torstenreitler

Klassik wie im Rausch. En.

Youtuben ist eine Kunst für sich. Wir üben noch.

Am 30. Juni starten wir eine neue Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Klassik under ground“. Was es damit auf sich haben wird, erklären Tahlia Petrosian und meine Wenigkeit in diesem Video. Wenn die Konzerte so viel Spaß machen, wie uns der Dreh bereitet hat, dann sind wir mehr als zufrieden. Nur der Ton muss (!) natürlich deutlich besser werden. Bei den Konzerten garantieren wir das. Für die nächsten youtubials versprechen wir’s.

/ Autor: torstenreitler

Es ist Kultur, aber. (Pt.1)

„Die Moritzbastei Betriebs GmbH  schafft durch solides Wirtschaften die Voraussetzung, den Stiftungszweck der Stiftung Moritzbastei zu erfüllen. Zweck der Stiftung ist die Erhaltung der Moritzbastei als historisches Bauwerk und als Forum kultureller Begegnung im studentischen und akademischen Leben von Leipzig.“

Das ist in zwei Sätzen unsere Daseinsberechtigung und unser Unternehmenszweck. Wir machen Geld zu Kultur.

Deshalb gilt allem unser Interesse, was im Spannungsfeld zwischen Ökonomie, Kunst und Kultur passiert. In loser Folge geben wir euch hier Gedankenfutter und unseren Senf dazu. Heute:  Mitarbeitereigentum, Metalurlaub, Konsumterror.

Die New York Times berichtet, dass die Angestellten der Firma Moog zu 49% Mitinhaber des Unternehmen sind. Interessant deshalb, weil Moog zu den Synthesizern gehört, die seit den 1960 den Sound aller Spielarten elektronischer Musik mitbestimmen. Und weil es interessant zu beobachten sein wird, was so ein Umstand mit Angestellten macht. Taugt Moog als Beispiel für eine soziale Utopie? Sind Angestellte am Ende die besseren Kapitalisten? Oder ist das alles ziemlich unspektakulär, wie der SPIEGEL demonstriert?

Heavy-Metal-Fans mögen (für manche) furchterregend aussehen. In Wirklichkeit sind es aber zahme Kätzchen, denen nichts ferner liegt, als Bürger zu erschrecken. Bürger sind sie schließlich selbst, und die müssen sich auch mal erholen. Zum Beispiel auf Kreuzfahrt. Oder im Skiresort.
Die Süddeutsche zitiert Wacken-Chefverkäufer Charly Hübner, man mache „ein Angebot wie jeder andere Dienstleister auch. Und jeder kann sich dafür oder dagegen entscheiden, ganz einfach.“
Die Zukunft des Rock’n’Roll ist ein Seniorenresort.

Zuletzt ein Video aus Leipzig, bei dem schon der Ort des Geschehens wie die Faust auf’s kulturkritische Auge passt: HIT-Markt. Man darf darüber diskutieren, ob und unter welchen Umständen die Teilenteignung eines Konsumtempels ein revolutionärer Akt sein kann und warum so etwas nie nach einem Straight-Edge-Konzert passiert, sondern immer nach einem HOLI-Festival mit Alkohol, Drogen und sexuellen Missverständnissen. Die Idioten sind übrigens immer die anderen.

 

/ Autor: torstenreitler

Gärtnern als Kulturmanagement

Ladies and Gentlemen, the 79th meeting of Trans Europe Halles at Manifatture Knos in Lecce, Italy, is officially closed.

Das Video entstand bei einer Radtour durch die Halle der MK. Die Räder wurden von der Universität und der Kommune zur freien Verfügung gestellt, sehr feiner Zug! Im Laufe der Tage änderte sich das Innenleben der Halle, je nach Nutzung. Im Alltagsbetrieb ist die Manifatture eher Kreativraum mit Werkstätten und Proberäumen, als Veranstaltungszentrum. Auch die Bar ist temporär. Und illegal, wie auch die Stromversorgung und die Nutzung des riesigen Parkplatzes auf dem Gelände. Wobei illegal meist bedeutet, dass sich niemand zuständig fühlt und es in Anbetracht der italienischen Bürokratie keinerlei Aussicht auf Erfolg hat, kurzfristig Genehmigungen zu erhalten. Oder mittelfristig. Oder überhaupt.

Asfalto, mon amour

Das zweite Video ist auch bei einer Radtour entstanden. Der riesige Parkplatz, der zum alten Fabrikgelände gehört, war Teil des Workshops „Asfalto, mon amour“. Leiter und Ideengeber war Gilles Clement, der seine Gartenphilosophie der „dritten Landschaften“ schon in verschiedenen europäischen Städten umgesetzt hat. Kurz gesagt geht es darum, an von Menschen nicht mehr oder nicht mehr in der ursprünglich vorgesehenen Verwendung genutzten Orten Gärten anzulegen. Wobei es nicht um ein plattes „Zurück zur Natur“ geht, sondern darum pflanzliche Artenvielfalt an von Menschen gestalteten Orten zu ermöglichen und beides sichtbar zu machen. Viele Pflanzenarten werden durch industrielle Landwirtschaft und Städtebau aus ihrer natürlichen Umgebung verdrängt und können an solchen „verlassenen Orten“ eine Nische zum Überleben finden. Also hieß es an drei Tagen: Asphalt abtragen, Mutterboden auffüllen, pflanzen. Das Ganze wird danach mehr oder weniger sich selbst überlassen – die Natur hat die Möglichkeit, sich auszubreiten und der Mensch muss schauen, wie er damit umgeht.

Das Motto „terzo luogo“ (dritte Orte) als „spaces of indecision“ (Plätze für das Unentschiedene) war Leitthema des Meetings von Trans Europe Halles. Gärtnerarbeit als Vorbild für Management. Klingt ein wenig esoterisch; ich muss zugeben, dass ich ein paar Schwierigkeiten damit habe, daraus Anregungen für meine Arbeit zu nehmen. Klingt überzeugend: Raum schaffen für Wachstum, Interaktion ermöglichen, nicht den Garten den Vorstellungen anpassen sondern die Vorstellung den vorgefundenen Pflanzen und der Landschaft… Aber Mitarbeiter und Organisationsstrukturen verhalten sich selten wie Pflanzen. Entscheidungen und Entwicklungen in Kulturorganisationen richten sich nicht nach Sonne, Regen und Jahreskreis. Die Geschwindigkeit ist höher. Meistens.

Für mich waren das Wichtigste wieder Gespräche mit Kulturmachern, die ganz ähnliche oder völlig andere Sorgen umtreiben. Zu schnelles Wachstum, Besucherrückgang, Überalterung des Teams, politische Repression, finanzielle Schwierigkeiten, kreative Ansätze für neue Spielstätten, kulturelle Bildung. Was eben so passiert in Esch, Zilina, Vilnius, Prag, Verona, Ebeltoft, Lund, St. Petersburg, Paris, London, Berlin. Und Leipzig.

Das nächste Treffen wird im November in Budapest im Bakelit Multiart Centre stattfinden, gleichzeitig mit dem Jahrestreffen des europäischen Theaternetzwerkes IETM, und da wird es wahrscheinlich viel um Politik gehen.

Bilder habe ich auch mitgebracht. Wer mehr sehen möchte, dem sei der Hashtag #tehmeeting79 ans Herz gelegt.

[mygal=lecce2015]

/ Autor: torstenreitler

160 Sekunden, ein Jahr

Der Trailer lieferte ja schon einen kleinen Vorgeschmack. Heute präsentieren wir stolz den kompletten Zeitrafferfilm, den wir während des vergangenen Jahres produziert haben. Wenn er euch gefällt, dann liked und teilt und schaut ihn euch noch einmal von vorne an!

Die Geschichte hinter dem Projekt ist folgende: Im vergangenen Jahr produzierten zwei unserer Veranstaltungstechniker einen schönen Zeitrafferfilm, der einen Tag Moritzbastei zusammenfasste. Einen Mittwoch in den Schulferien mit Kinderkino, Song Slam, All you can dance, danach die nächtliche Reinigung. Dieser feine, kleine Film brachte uns auf die Idee, die MB mal im Jahreslauf abzulichten. Gemeinsam mit Josi und unserer damaligen Praktikantin Christina wählten wir vier Motive, bei denen wir uns vorstellen konnten, dass sie für einen Zeitraffer interessant sein könnten.

Das Fotografieren war die erste Herausforderung. Aus Zeiten meines Journalistikstudiums, das noch einen eigenen Bereich Fotojournalismus umfasste,  besitze ich noch ein Semiprofi-Stativ, das war schon mal ein guter Anfang. (An dieser Stelle sei Dr. Jochen Schlevoigt gedankt – seine Ausbildung in Theorie und Praxis der Presse- und Reportagefotografie schätze ich bis heute. Es herrschten geradezu paradiesische Zustände –  Mittelformat- und Spiegelreflexkamera wurden zu den Seminaren gestellt, ebenso Klein- und Rollbildfilme. Das Labor in der Schillerstraße war kostenlos und praktisch rund um die Uhr nutzbar… lange ist’s her.)

Also wurden Markierungen auf den Mauern der MB, auf dem Balkon der Mensa und im Park hinter der Moritzbastei angelegt. Auf den Mauern mussten sie nur einmal erneuert werden, im Park hatte ich Kronenkorken in den Boden gedrückt. Die waren nach ein paar Tagen verschwunden, Kehrmaschine sei dank. Also habe ich mir drei Schrauben geschnappt und die Korken in den Boden geschraubt. Die leichte Veränderung kann man in der Serie entdecken – auf den ersten Bildern ist noch eine kleine Mauer rechts neben der Platane sichtbar, dann verschwindet sie dahinter.

[mygal=zeitraffer]

Übers Jahr haben drei Leute fotografiert. Meine Wenigkeit, bis Ende Juni Christina und ab dann Giovanni, die beide ein mehrmonatiges Praktikum bei uns absolvierten. Da ich meine Kamera im August mit in die Ferien nahm, half Giovanni mit seiner für drei Wochen aus. Womit genügend Quellen für Abweichungen beisammen waren. Alleine der tägliche Auf- und Abbau wäre für einen ordentlichen „Wackelfaktor“ ausreichend gewesen…

Die Erstellung des Zeitraffers nahm dann entsprechend viel Zeit in Anspruch. Die Belichtung musste nachgeregelt werden, und natürlich die Verschiebungen in den Einzelaufnahmen einander angepasst werden. Auch wenn Photoshop CS6 da ein paar gute Automatismen anbietet, erwies sich das als tüchtige Fummelei. Es gibt auch Programme wie LRTimelapse, aber die sind eher geeignet für „klassische“ Zeitraffer, bei denen die Kamera einmal aufgestellt wird und dann die komplette Serie in einem Zug durchfotografiert wird und somit keine Korrekturen der Sichtachse notwendig sind.

Am Ende habe ich mich für den guten alten Windows Moviemaker entschieden, jede vergleichbare Standardsoftware hätte es sicher auch getan. Das Ergebnis ist sicher nicht High-End, jedes Hipster-Instagram-Erstsemester hätte optisch etwas stylischeres hingelegt. Aber ich bin ein alter Sack, und diese ganzen Crossentwicklungsfilter sind mittlerweile auch sowas von Individualistenmainstream… 😉

Gespannt bin ich, wie sich der Film in 10 Jahren anschaut. Die größten Veränderungen an der MB und der Universität scheinen ja seit den Großumbauten der letzten zehn Jahre Geschichte zu sein. Aber wer weiß das schon zu sagen? Die Stadtwerke-Werbung auf dem Europa-Haus habe ich während des Fotografierens zum Beispiel nicht entdeckt. Die beiden modernistischen Großspielgeräte (man sieht auf den Bildern nur die Baustelle) wurden auch während des vergangenen Jahres aufgebaut. Und wer weiß, ob es das WGT in dieser Form in zehn Jahren noch gibt? Oder youtube?

Im besten Fall ist der Film also eine Momentaufnahme der MB- und Stadtgeschichte, der mit den *ähem* Jahrhunderten reift. Heimatkunde für Nerds, sozusagen. Mir würde es aber schon reichen, wenn ihr zweieinhalb Minuten Spaß damit habt.

PS: Ein wenig Eitelkeit in eigener Sache habe ich mir am Ende noch gegönnt. Auf der Suche nach Hintergrundmusik mit youtube-Unbedenklichkeit erinnerte ich mich daran, dass es da mal eine Band gab, die ziemlich viel Instrumentalmusik gespielt hat und es nie schaffte, ihre Stücke bei der Gema anzumelden. Meine Band copola. War das ganze Geprobe und Aufgenehme wenigstens nicht ganz umsonst. 😉