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/ Autor: torstenreitler

Kleines schwarzes Pfingsten

Das Wave-Gotik-Treffen 2020 wurde umständehalber auf das nächste Jahr verschoben. Wir freuen uns, dass die Macher des darkstream festivals bei uns anfragten, ob sie ihr dreitägiges Streaming-Event von der Moritzbastei aus moderieren dürfen. Was für eine Frage – natürlich dürfen sie das!

Deshalb viel Spaß beim Zuschauen, und alle, die trotz alledem nach Leipzig gereist sind oder hier zu hause: ihr seid herzlich eingeladen, auf der Moritzbastei-Terrasse euer extra für das WGT zurechtgelegte Gewand anzulegen und das darkstream festival praktisch live vor Ort mitzuverfolgen.

Wir freuen uns auf euch und wenigstens ein kleines schwarzes Pfingsten 2020.

/ Autor: torstenreitler

Clubs & Politics

Der amtierende Leipziger Oberbürgermeister unterhält sich am Tresen der Distillery mit deren Chef Steffen Kache über Clubsterben, Freiräume in einer wachsenden Stadt und die politischen Rahmenbedingungen für Clubbetreiber*innen? Richtig, es ist Wahlkampf in Leipzig.

Am 2. Februar ist OBM-Wahl in Leipzig. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, sich mit einem Technoclub-Betreiber über die Befindlichkeiten der Clubs- und Musikspielstätten zu unterhalten. Schließlich gelten Clubs als Vergügungsstätten, gleichgestellt mit Spielcasinos und Bordells. Otto Normalbürger assoziiert gern Sex- und Drogengeschichten mit Technoclubs, allerdings ganz anders, als die Betreiber*innen diese Themen verhandelt sehen wollen. Stichwort Sexpolitics, Awareness, Drugtesting etc.

Jedenfalls gibt sich Burkhard Jung im Gespräch reichlich und hoffentlich ernsthaft Mühe, den Spagat zwischen dem vermutlich etwas reservierten Interesse der sogenannten „bürgerlichen Mitte“, deren Ordnungs- und Sicherheitsgefühl er wohl nicht verwirren möchte, und den handfesten Forderungen der Clubkultur-Profis schmerzfrei zu gestalten. In Steffen Kache hat er einen Gesprächspartner, der nach jahrelangem politischem Engagement für die Belange der Clubs alle Facetten des Diskurses beleuchten kann. Sei es auf bundespolitischer oder auf kommunaler Ebene.

Wenn euch interessiert, in welche Richtung sich die Clublandschaft Leipzigs entwickelt, auf welchen Baustellen die IG LiveKommbinat (deren Mitglied auch die Moritzbastei ist) an tragfähigen Lösungen für die Zukunft arbeitet, der sollte sich das knapp 20-minütige Gespräch bis zum Ende anschauen.

Dieses Video ist im übrigen keine Wahlwerbung für Burkhard Jung. Wir als Moritzbastei denken, dass es richtig ist, diese Gespräche zu führen und hoffen, dass auch der oder die zukünftige OberbürgermeisterIn diesen Dialog weiterführen wird.

/ Autor: torstenreitler

Nicht nur Freitags!

Wir sind verliebt. Auch im neuen Jahr 2020, und zwar an jedem Tag. Naja, fast jeden. Das hat aber nichts mit dem Wochentag zu tun, sondern eher mit den Realitäten des Alltags. Kennt ihr ja. 😉

Verliebt in die Möglichkeiten, die uns ein Ort und eine Struktur wie die Moritzbastei bieten. Menschen arbeiten, damit andere Menschen tolle Momente erleben können mit Kunst, Kultur, Konzerten, Partys, Theater, Kino, Ausstellungen. Kneipenabenden mit Freunden. Familienfeiern, Firmenfesten, Weihnachtsevents.

Für 2020 haben wir uns wieder einiges vorgenommen, auch hinter den Kulissen. Wir wollen unsere Webseite aktualisieren (das wird dann auch den Basteiblog tangieren). Fun fact: Die Moritzbastei-Webseite hat im vergangenen Dezember ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert! Das Jazznachwuchsfestival im April wird in seinem 29. Jahr einen organisatorischen und visuellen Neustart wagen. Das zweite Leipzig Pop Fest im Juli wird beweisen müssen, dass der letztjährige Erfolg keine Eintagsfliege war. Wir werden weiter an unseren Partykonzepten arbeiten (müssen), die Generationen XYZ sind weitaus größere Stubenhocker, als ihre Vorfahren. Neue Veranstaltungsformate wollen ausprobiert werden, wir verabschieden uns von langjährigen Kollegen und heißen sicher wieder viele neu in unserem Gastroteam willkommen.

Zwischen all diesen Vorhaben bleiben tatsächlich noch Lücken für Engagement – wir werden wieder das Courage-Festival veranstalten, den Kulturleben e.V. und unser Kinderteam vom Roten Stern Leipzig unterstützen, aktiv sein im LiveKommbinat e.V. und der Initiative Leipzig Plus Kultur. Oder einfach nur Spaß haben, wie beim Neujahrssingen der Leipziger Gastronomen und Medienvertreter*innen im Felsenkeller am 4. Januar.
Obwohl. Auch da floss der Erlös einem guten Zweck zu. Alle Gewinne wurden an die Leipziger Tafel weitergereicht.

Wir freuen uns auf ein tolles Jahr 2020 mit vielen Tagen, die in (hoffentlich bester) Erinnerung bleiben werden. Nicht nur Freitage!

/ Autor: torstenreitler

Still got the blues.

Wer heute in der Leipziger Volkszeitung die Szene-Seite gelesen hat, der konnte einen tiefen Atemzug MB-Geschichte einatmen. Unter der Überschrift „Und jährlich grüßt das Murmeltier“ wurden Veranstaltungen vorgestellt, die traditionell im Dezember auf den Leipziger Bühnen stattfinden. Drei der vier vorgestellten Weihnachtsinstitutionen veranstaltet die Moritzbastei, und die älteste davon ist das Konzert mit Engerlin am Freitag vor Weihnachten. Es findet seit 1983 statt.

Aus diesem Jahr 1983 gibt es ein Musikvideo von Engerling, als sie ihren ersten Hit „Mama Wilson“ im DDR-Fernsehen aufführten. Die Sendung hieß „Stop! Rock“ und was so etwas wie der „BeatClub“ des Arbeiter- und Bauernstaates. Um so erstaunlicher, dass sich das Video nur an einer Stelle des Internets findet: auf der Seite von VIVA.tv! (Aktualisierung: die Seite ist umgezogen zu MTV.de. Auch nicht schlecht!)

Auch sehr schön ist die Dokumentation „Blueser in der DDR“, die in rauschenden Schwarzweißbildern aus dem Engerling-Proberaum erzählt:

Als wir vor zwei Jahren unseren Backstage renovierten, haben wir einige der alten Inschriften an der Wand nicht übermalt. Natürlich gehören die jährlichen Eintragungen der Engerling-Konzerte zum erhaltenswerten Moritzbastei-Kulturgut!

In diesem Jahr spielen Engerling am 21. Dezember (klar, am Freitag vor Weihnachten). Als special guest dürfen sich alle Fans auf Shir-Ran Yinon freuen. Die international bekannte Violonistin und Sängerin stand schon mit vielen anderen Rockbands auf der Bühne (u.a. mit New Model Army) und auch bei Engerling war sie schon desöfteren als Gast dabei.

/ Autor: torstenreitler

Kirschen für einen langen Sommer

„ich wünsch dir alle tage das dein licht hell brennt
und einen der dich auffängt wenn du fällst
im sommer einen baum der voller kirschen hängt
und einen den du liebst in dieser welt“
Nils Koppruch, „Kirschen“

Der Sommer ist schon lange da und er bleibt wohl noch eine Weile. Nils Koppruch weilt schon viel zu lange nicht mehr unter uns, seine Lieder halten seinen Platz auf dieser Welt aber zuverlässig besetzt.

Zu seinem 5. Todestag am 10. Oktober 2017 trafen sich Ralph Schüller mit seiner Band und als singende Gäste Wencke Wollny (Karl die Große), Daniel Dexter (Der elegante Rest, Schrödingers Katze), Friedrich Pohl (Las Mañanitas) und Torsten Reitler (Reitler), um einen Abend lang mit Liedern von Nils Koppruch und eigenen Stücken das Werk dieses großen Songschreibers gebührend zu würdigen.

Wer dabei war, hatte hinterher feuchte und glänzende Augen, egal ob auf oder vor der Bühne. Das Konzert wurde mitgeschnitten, und beim Durchsehen stellte sich heraus, dass das Material fürs Archiv viel zu schade ist. Die Bearbeitung hat ein wenig Zeit gebraucht, aber jetzt wollen wir die Songs und Videos mit euch teilen.  Wir hoffen, sie helfen euch durch die Sommerhitze und bringen euch die Lieder von Nils und der am 10. Oktober in der Moritzbastei singenden Künstler neu ans Herz. Und vielleicht ist ja auch die eine oder andere Entdeckung für euch dabei.

Die youtube-Playlist mit allen Videos des Abends findet ihr an dieser Stelle.

/ Autor: torstenreitler

Are we rolling?


Yes, we are!

Am vergangenen Freitag war die KLASSIK-underground-session in der Moritzbastei wieder restlos ausverkauft (Impressionen in Wort und Bild dazu findet ihr hier).
Was die besondere Atmosphäre unserer Konzertreihe ausmacht, könnt ihr auch im Video zum Konzert nachempfinden, das der Stargeiger und Dirigent Nikolaj Znaider im Januar bei uns gegeben hat.

Wer jetzt Lust bekommen hat, auch mal dabei zu sein – die nächste Gelegenheit dazu gibt es am 16. Juni. Dann gibt es KLASSIK underground open air. Wir kombinieren Meisterwerke des Expressionismus und zeigen den Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“, und Musiker des Gewandhausorchesters werden Werke von Arnold Schönberg und Alban Berg dazu spielen.

Der Vorverkauf hat bereits begonnen!

/ Autor: torstenreitler

Flucht aus Syrien

Ahmad AlZoubi ist aus Syrien geflüchtet. Seine Flucht hat er mit seinem Smartphone gefilmt. In Bremen bekam er die Möglichkeit, im Kulturzentrum Schlachthof seine Aufnahmen zu schneiden. Der Schlachthof ist wie die Moritzbastei Mitglied im europäischen Kulturnetzwerk Trans Europe Halles, und so erreichte uns die Anfrage aus Bremen, ob der Film nicht auch in der Moritzbastei gezeigt werden könne. Kann er! Am Samstag habt ihr die Gelegenheit, euch Ahmad AlZoubis Augenzeugenbericht in der Ratstonne der Moritzbastei anzuschauen und mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Samstag, 20:00, Moritzbastei: Flucht aus Syrien. Film und Gespräch. 

/ Autor: torstenreitler

Eine tolle Fortsetzungsgeschichte

Am Donnerstag ergab sich eine tolle Gelegenheit, das KLASSIK-underground-Benefizvideo mit Anne-Sophie Mutter noch einmal zu posten. Ein zweites Benefizkonzert in Leipzig steht an!
Also los.

Die Geschichte dahinter geht folgendermaßen:
Anfang der Woche erreichte uns eine Email von Anne-Sophie Mutters Büro. Wir mögen doch bitte noch einmal Verbindung zum Leipziger Verein „Integration durch Bildung“ herstellen. Besonders die Bankverbindung des Vereins war wichtig, wollte doch ein Leipziger seine Spende überweisen, mit der er beim Benefizkonzert im vergangenen Juni eine Geigenstunde, gegeben von Anne-Sophie Mutter persönlich, für seine Enkelin „ersteigert“ hatte.

Also griff ich zum Telefonhörer und rief Antje Zajonz von „Integration durch Bildung“ an, um ihr zu sagen, dass sie demnächst aus München hören würde und sie in den nächsten Tagen das Spendenkonto im Auge behalten solle. Die Reaktion war freudig – und ziemlich überrascht. Hatte doch wenige Stunden zuvor Gewandhausdirektor Andreas Schulz bei ihr durchgeklingelt. Anne-Sophie Mutter spielt vom 16.-18.3. 2017 drei lange ausverkaufte Konzerte im Gewandhaus. Das Konzert am 18.3. , so die Entscheidung, soll wieder ein Benefizkonzert sein. Alle Gagen der mitwirkenden Musiker werden zugunsten zweier Leipziger Vereine gespendet. Zum einen an den „Interaction Leipzig“ e.V. und zum anderen wieder an „Integration durch Bildung“. Die Pressemeldung dazu liest sich folgendermaßen.

Diese tolle Nachricht freut uns für die beiden Vereine, deren Arbeit diese Würdigung und den finanziellen Support auf jeden Fall verdient! Es ist auch ein grandioses Gefühl, dass unser Benefizkonzert so eine tolle Fortsetzung erfährt. Wir können den Hut vor Anne-Sophie Mutter und ihrem Engagement nicht tief genug ziehen.

Es wäre großartig, wenn in den nächsten Tagen noch die eine oder andere Meldung in den lokalen und regionalen Medien auftauchen würde. Vielleicht würde sich der eine oder die andere noch zu einer Spende oder einem ehrenamtlichen Engagement als BildungspatIn ermutigt fühlen. Aber bis zum Konzert sind es noch ein paar Tage, an denen die Leipziger Zeitungen erscheinen, die Radios senden, die TV-Stationen ausstrahlen, die Onlineportale ihre Seiten aktualisieren…

Wir machen auf jeden Fall schon mal den Anfang, und der ist ja bekanntlich der kleinste, aber schwerste Schritt.

PS: Die Vorgeschichte zum Benefizkonzert im Juni 2016 findet ihr hier: „Dann rufen wir doch mal Madonna an!“

/ Autor: torstenreitler

Integration durch Bildung


Es ist ganz einfach. Um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, um eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu haben, braucht man Wissen. Bildung. Wer schon in der Grundschule abgehängt wird, der wird es schwer haben, seinen Platz und seinen Weg zu finden in einer komplexen und sich ständig verändernden Gesellschaft. Der Leipziger Verein „Integration durch Bildung“ hilft mit ehrenamtlichen Bildungspaten Jugendlichen beim Spracherwerb, mit Nachhilfestunden. Von der Grundschule bis zur Hochschulreife.

Im Juni hat Anne-Sophie Mutter in der Moritzbastei ein Benefizkonzert für den Verein gespielt. Das Konzert im Rahmen der Reihe Klassik underground wird uns unvergesslich bleiben. Ein toller Erfolg war es außerdem, damals kamen 14.000 Euro zusammen. Diese Summe hat es möglich gemacht, dass der Verein eine Mitarbeiterin beschäftigen kann, welche die ehrenamtlichen „Lehrer“ und den riesigen Bedarf koordiniert.

Um die Arbeit des Vereins weiter und langfristig zu unterstützen, bitten wir euch noch einmal, Herz und Portemonnaie zu öffnen. Meldet euch, wenn ihr ehrenamtlich mithelfen wollt, Kindern und Jugendlichen eine Chance auf gesellschaftliche Teilhabe zu geben. Unterstützt das Projekt mit einer Spende.

Danke!

/ Autor: torstenreitler

Endorphin, Haltung und T-Shirts.

Das 10. Gastrophonische Neujahrssingen ist Geschichte, die Moritzbastei war als „Die Ärzte“ mit am Start und der ganze Saal so: „Arschloch!“

Am 9. Januar ging im Haus Leipzig das 10. Neujahrssingen der Leipziger Gastro- und Medienvertreter über die Bühne. Die Entscheidung, welchen Song wir in diesem Jahr singen, fiel sehr, sehr spät. Am Ende fiel die Wahl auf „Schrei nach Liebe“, obwohl auch andere sehr tolle Ideen im Raum standen. Ein bisschen unsicher waren wir schon, ob die Nummer nicht zu ausgelutscht wäre und vielleicht auch ein bisschen von der Aktualität eingeholt. Schließlich sind es ja nicht mehr unbedingt Naziskins, die Jagd auf alles machen, was sie nicht in ihr Weltbild gepresst kriegen. Was früher als „rechter Rand“ begriffen wurde, hat sich europaweit in die Mitte der Gesellschaft gefressen, und verschanzt sich hinter „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“.

Als uns dann aber der Jubel entgegentoste und der ganze Saal ein von Herzen kommendes „Arschloch!“ entgegenschmetterte, war klar: Richtige Entscheidung!

Nach dem Auftritt gab es viel Schulterklopfen und Zustimmung und auch  „Das musste einfach mal raus!“ Gern geschehen!
Das zweitmeiste Schulterklopfen gab es für das „Motörhead“-Shirt (Danke an Dirk!). Mein Lieblings-Nicki trug allerdings unser neuer Koch, auf dessen Brust und Rücken das „Loikämie“-Bandlogo prangte mit der Unterschrift: „100% Antifaschist. 100% Antirassist“. Sehr gut!

Für die Zugabe hatten wir uns eine kleine textliche Aktualisierung ausgedacht, die wir hier gerne noch einmal wiedergeben:

„Dein Aluhut ist nur ein stummer Schrei nach Liebe
Dein Legida-Transparent sehnt sich nach Zärtlichkeit
Mit dir kann man nicht auf Facebook diskutieren
Und die Lügenpresse, die hat niemals für dich Zeit – „

Und dann alle so: _ _ _

Vielen Dank an Die Ärzte für die Steilvorlage, vielen Dank an die Organisatoren, die Paratox-Band, die tollen Leipziger Gastronomen und das Publikum, das uns für diesen Abend die Hoffnung erhalten hat, dass die Mitte der Gesellschaft in Leipzig noch nicht aufgegeben hat.