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/ Autor: torstenreitler

Papperlapopgeschichte

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Die Mittwochsparty ist nicht nur eine Institution der Moritzbastei. Heute erzählen wir euch mal die Geschichte dieser Partyreihe, die ab heute unter wöchentlich wechselndem Namen & Programm neu startet. Ein Diavortrag über knapp 40 Jahre Diskowahnsinn in der MB. Viel Spaß!

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Der Mittwoch war schon kurz nach dem Ausgrabungsbeginn der MB als Diskotag im Gespräch, wie dieser Artikel aus der Universitätszeitung vom 11. Juli 1974 zeigt. Die heutige „Diskotonne“ war übrigens noch gar nicht vorgesehen für den Ausbau.

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Die Veranstaltungstonne, wo heute die Konzerte stattfinden, sah 1975 noch ungefähr so aus wie auf diesem Bild.

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In den Anfangsjahren war eine Liveband obligatorisch. Hier spielt die Kasseturm-Jazzband aus Weimar auf. Beards, shirts & cigarettes – original hipster back in 1980!

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Die MB-Partys waren schon immer Kontaktbörse. Allerdings nicht immer nur mit eindeutigen Absichten. Hier sucht jemand per Aushang:  „für ein BRECHT-PROGRAMM einen Pianisten, der vom Blatt spielen kann“. (1978, live spielt der Jazzgitarrist Uwe Kropinski)

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Der erste, heute legendäre Name der MB-Diskos: Papperlapop (auf der Posterwand von 1980 unten rechts). Jenachdem, ob in zwei oder sogar drei Räumen DJs auflegten, hieß es später „2-Kanal-“ oder „3-Kanal-Papperlapop“.

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Diskjockeys waren meist Tapejockeys – Platten mit aktuellen Hits gab es in der DDR praktisch nicht, das meiste wurde auf Kassette kopiert oder im Westradio aufgenommen. Kein DJ kam ohne seine Notizbücher aus, in denen die Liedreihenfolge seiner Kassettensammlung vermerkt war!

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Die Lichttechnik war in den 1980ern digital. Es gab die Optionen 1 oder 0 – an oder aus. Na gut. Rot, Blau und Grün waren auch möglich.

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Bis in die 1990er Jahre war die MB beinahe Alleinherrscher unter den Leipziger Diskotheken. Das Fassungsvermögen war mit knapp 1200 Besuchern einzigartig, und es war gefühlt immer ausverkauft. Alternativen entwickelten sich erst ab Ende der 1990er, eine echte Konkurrenz für den Mittwoch tauchte erst mit dem Nachtcafé auf. Ach, und Rettungsfolie als Partydeko haben nicht die heutigen HGB-Studenten erfunden. Das Bild zeigt eine Faschingsparty Ende der 1980er Jahre.

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Mit dem Aufblühen der Leipziger Clubszene und dem Boom von Black Music, HipHop und Techno um 2000 herum gab es den ersten „Mittwochsknick“. Darufhin wurde die MB-Disko technisch aufgerüstet und ein neuer Name wurde gesucht.

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Tatsächlich gab es eine Zeit, da liefen die Partys unter dem Namen „Discodiscount“. Aua! Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich mir den habe einfallen lassen. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass auch „All You Can Dance“ auf meinem Mist gewachsen ist. Seit Februar 2002 wird unter diesem Titel Mittwochs und Samstags bei uns gefeiert.

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Ende 2013 kam dann der Schuhfetisch in unser Partyprogramm. Zum Jubiläumsjahr 2014 starteten wir eine große Plakatkampagne mit der Aufforderung „put on your dancing shoes“. Die fotografierten Treter gehören übrigens alle Leute aus dem MB-Team. 🙂

In den vergangenen zwei Jahren gab es dann die nächste tektonische Verschiebung im Leipziger Nachtleben. Neue Clubs öffneten, lose Partycrews laden zu informellen Raves in WG-Küchen, Parks und unter Autobahnbrücken. Plagwitz, Lindenau und der Leipziger Osten ziehen das Publikum aus den gewohnten Ausgehvierteln. Wenn es hypezig irgendwo da draußen geben sollte, dann jedenfalls nicht in der Innentstadt! Dazu kommt, dass der wichtigste Effekt der Bologna-Reform wohl der ist, dass Studenten wochentags abends kaum noch aus dem Haus gehen. Jedenfalls nicht, um bis in die Morgenstunden zu tanzen. Bis Donnerstag nachmittag wird studiert und gebüffelt, beim Blick auf den Partykalender der Stadt kann man es deutlich sehen: der Mittwoch fühlt sich nicht mehr sehr sexy an…

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Da wollen wir ein bisschen helfen. Nach genau 12 Jahren (!) unter dem Namen „All you can dance“ starten wir ab Februar unter wechselnden Namen und mit neuen Formaten durch. Unter dem Titel „los!tanzen!“ wird es eher „klassische“ MB-Studentenpartys geben, nächste Woche wird es dann unter dem Titel „Masse und Beschleunigung“ eher in Richtung Indietronics und Electronic gehen. Zwei weitere Formate haben wir noch in der Hinterhand, die dann Akzente in Richtung Indie und Alternative setzen werden

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Unseren Schuhfimmel treiben wir noch ein wenig weiter. Wir haben eine kleine Fotostation eingerichten, unter dem hashtag #lostanzen könnt ihr mit euren Schuhselfies aus der MB die sozialen Netzwerke verstopfen.

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Ab heute nacht gilt es. Wir hoffen, ihr habt so viel Spaß beim Feiern wie wir beim Vorbereiten. Wir freuen uns auf euch!

/ Autor: torstenreitler

Schön, aber nur halb so schön

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Vergangenen Samstag hat uns Roger Osterbrink aus Osnabrück besucht, um 360-Grad-Aufnahmen von der Moritzbastei zu machen. Schöne Bilder, auf denen die MB an einem ganz normalen Samstag gegen 22 Uhr zu sehen ist. In der Tonne tobt gerade das Konzert mit dem Dubioza Kolektiv, ansonsten herrscht die Ruhe vor dem All-You-Can-Dance-Sturm. Kaum zu glauben, dass zwei Stunden später über 1100 Leute unsere Gewölbe füllen werden…

Schöne Aufnahmen, vielen Dank an den Fotografen, der sie als Referenz für seine Angebote nutzen möchte. Aber sie sind natürlich nur halb so schön, wie ein leibhaftiger Besuch bei uns. Schon allein der Hintergrundmusik wegen, die beim Betrachten der Panoramen erklingt. Der MB-Sound ist immer noch ein ganz anderer…

Hier noch der Link zu den Bildern, oder ihr klickt einfach auf das Bild oben.

/ Autor: torstenreitler

Kein Wachstum Wagen

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Wir haben Besuch! Auf Einladung der Degrowth conference, die zur Zeit in Leipzig stattfindet, haben Nico, Hannes und Paul ihre Wagen im Park hinter der Moritzbastei platziert. Hannes lädt dazu ein, seinen Wagen zu beäugen, Nico hat in seinem Wohnmobil eine Fotoausstellung zu seinen letzten „Bleiben“ installiert und Paul, der aus der Bretagne stammt, bäckt Brot im mobilen Holzofen und Crepes.

Wer Lust hat, ist herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild vom Leben im Wagen zu machen. Nico und seine Mitstreiter bieten Backwerk und Kaffee noch bis vorraussichtlich diesen Sonntag an.

[mygal=wagen]

/ Autor: torstenreitler

22. Türchen

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Die Bescherung rückt in großen Schritten näher. Wir greifen schon mal vor und zeigen die 30 schönsten und interessantesten Bilder aus, über und mit der Moritzbastei des zu Ende gehenden Jahres 2013. Viel Spaß!

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/ Autor: torstenreitler

Historisches Fundstück

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Es gehört zu den Eigenheiten der Moritzbastei, dass in ihren verwinkelten Räumlichkeiten, die basteigemäß-standhaft dem modernen Architektendogma „form follows function“ trotzen, so manches scheinbar unwiderbringlich verloren geht. Weil aber auf unserem Planeten nichts wirklich verschwinden kann, tauchen hin und wieder auch mal Sachen auf, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie beherbergen.

So hat unser Lagerist Watson bei den Vorbereitungen zum Fahrstuhlbau ein interessantes Fundstück zu Tage gefördert: einen Reliefdruck eines historischen Leipziger Stadtplans, umrandet von Ansichten markanter Leipziger Gebäude der Zeit. Da das gute Stück undatiert ist, recherchierte ich im Internet nach Vorlagen oder Hinweisen. Dabei ergaben sich für mich neue Erkenntnisse: der „Brühl“ ist nicht nach dem berühmten Geheimrat Augusts des Starken benannt, sondern bezeichnet ein Feuchtgebiet; unsere viel verwendete Stadtansicht von ca. 1600 stammt von Matthäus Merian d.Ä. Aber bei der Datierung unseres Fundstücks brachte mich das nicht weiter.

Also fragte ich nach, wo man über die Leipziger Stadtgeschichte am besten Bescheid wissen sollte, nämlich beim gleichnamigen Museum. Frau Dura von den Kunsthistorischen Sammlungen nahm sich freundlicherweise der Sache an und löste das Rätsel:

„Der Plan mit den Gebäudeansichten, wie Sie ihn gefunden haben, ist sehr interessant. In genau dieser Variante besitzen wir ihn nur in einer unkolorierten Fassung. Der Stadtplan geht auf den Nienborgschen Atlas von 1707/10 zurück, die Gebäudeansichten stammen von Joachim Ernst Scheffler, greifen aber teilweise auf ältere Vorlagen aus der Zeit um 1720/30 zurück. “ 

Nun wissen wir es also: Hans August Nienborg hat die Vorlage für das gute Stück geliefert. Welcher pfiffige Mensch allerdings wann warum und wo den Reliefdruck fertigte, werden wir wohl so einfach nicht erfahren. Wir suchen jetzt nach einem geeigneten Platz für das gute Stück. Vielleicht gibt es ja den Anstoß, unsere schon lange geplante „Historienschau“ einzurichten; einen Platz, an dem sich Besucher der Moritzbastei über deren Geschichte informieren können. Sind ja noch nicht alle ständig online.

Zum Abschluss noch zwei Fotos des Planes, dazu eine Ansicht von oben erwähntem Matthäus Merian und ein Stadtplan von 1823. Im Vergleich sieht man, wie wenig Leipzig zwischen zwischen 1600 und 1800 gewachsen ist und man bekommt ein Gefühl dafür, mit welcher Wucht die Industrialisierung die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verändert hat.

[mygal=stadtplan]

/ Autor: torstenreitler

Get down on it

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Normalerweise ist hinter dieser Tür unsere Unterkellergarderobe. Halt, normalerweise gibt es diese Tür gar nicht. Sie gehört nämlich seit Anfang August zur aktuellen Moritzbastei Baustelle. Die ist nicht nur von der Mensa aus zu sehen, sondern auch im Inneren unseres Hauses deutlich zu hören.

Und was wird da gebaut? *Trommelwirbel, Tusch!* Unser neuer Fahrstuhl! Read More

/ Autor: torstenreitler

Leipzig, Dresden, Brian, Clemens und wir

Es sagt ein bisschen was über Dresden und Leipzig und das Nachwendeschicksal beider Städte, dass der dortige aktuelle Großschriftsteller Uwe Tellkamp ist und der hiesige Clemens Meyer. Am 22. August erscheint der neue große Roman des Leipziger Autors „Im Stein“, und bei der Gelegenheit ist mir aufgefallen, dass Clemens Meyer schon zu den verschiedensten Anlässen in der Moritzbastei weilte. Mein Lieblingserlebnis bleibt weiterhin das amourös motivierte spontane Erscheinen des Autors bei einer Mitarbeiterparty vor einigen Jahren. Die Stunde war vorgerückt, die Stimmung heiter, schnell war das Eis gebrochen und man war auf „Du“ und „Clemens“. Die Gespräche schweiften aus um nicht mehr zu erinnernde Themen, nur seine in der für ihn typischen breiten Leipziger Mundart kundgetane Bewunderung für Brian Wilson und die Beach Boys ist mir im Gedächtnis haften geblieben.

Das Stöbern im Fotoarchiv brachte unter seinem Namen als Stichwort dann Bilder zu so unterschiedlichen Anlässen wie der Kreuzer-Party 2011, der Brecht-Gala 2008 oder einer Lesung mit Andreas Maier zum Vorschein. Gibt es einen schöneren Anlass für die in Onlinemedien so beliebte Klickstrecke? 😉 Here we go!

[mygal=meyer]

Wiedersehen macht bekanntlich Freude, Clemens Meyer wird am 8. September im Rahmen des Figaro-Lese-Cafés bei uns seinen neuen Roman vorstellen und daraus lesen. Es ist sicher ratsam, rechtzeitig vor Ort zu sein, die Platzwahl ist frei und die Reihenfolge des Erscheinens ist für den Einlass entscheidend.

/ Autor: torstenreitler

Für´n Arsch

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Viel rot und anzügliche Überschrift… Heute gibt es mal einen Beitrag, der eher für das Nachtprogramm geeignet ist. Also nach 22 Uhr.

Dann nämlich hat gewöhnlich die kuscheligste Cocktailbar der Stadt geöffnet, etwa 8 Meter unterhalb der Fußgängerzone zwischen Gewandhaus und Universität… wo es die besten und preiswertesten Cocktails der gesamten Innenstadt gibt. Ihr habt es längst erraten, wir sprechen von unserem Fuchsbau.

Die Fuchsbau-Sessel, die übrigens keine Retro-Vintage-Nachbauten sind, sondern originale aus den 1970ern. Sie standen bis 1998 im „Roten Salon“ im obersten Geschoss des Uni-Riesen und wir haben sie nach der legendären Uniriesen-Auszugsparty aus luftiger Höhe in ebenjene Tiefen unserer Cocktailbar „verpflanzt“. Ursprünglich waren sie mit rotem Samt beschlagen, aber der hatte im Lauf der Jahrzehnte doch arg gelitten. Jetzt sind die Sessel mit rotem Leder bezogen, die lädierten Gestelle sind wieder fest. Nach Ausgiebigem Testsitzen darf gesagt werden, dass man seinem Hintern nichts besseres gönnen kann, während man seiner Kehle einen Cocktail gönnt. Probiert es aus!

[mygal=sessel]

Farblich passend trägt auch die Kirsche in unserem Fuchsbau-Innenhof ihr vollstes Rot.