/ Autor: torstenreitler

Dickbrettbohrer

Noch drei Tage, wir sind aufgeregt wie verrückt. Der Grosse Preis, Leipzigs guter alter „Rockwettbewerb“, steht vor seiner 19. Austragung seit 1991 und hat sich dafür ein komplett neues Gewand übergeworfen. Ein Erfolg zeichnet sich aber schon jetzt ab – er ist wieder in aller Munde.

Am kommenden Freitag wird sich dann zeigen müssen, ob die gefühlte Relevanz sich auch in Besucherinteresse umsetzen lässt. Was wir als Moritzbastei machen, ist ja keineswegs uneigennützig. Wir buttern nur aus einem Grund kräftig in diese Veranstaltung rein – Zeit, Ideen, Geld – um eines Tages die Ernte einfahren zu können. Logischerweise wollen wir ganz banal nicht auf unseren Kosten sitzenbleiben, der Grosse Preis soll sich schließlich nicht nur für die Siegerbands rechnen. Der zweite Nutzen, den wir aus dieser Veranstaltung ziehen wollen, liegt auf einer anderen Ebene.

Immer wieder wird über die mangelnden Strukturen in der Leipziger Musikszene gejammert. Es gibt Ansätze, aber was taugen sie? Netzwerkbemühungen gibt es in der elektronischen Szene (www.itsyours.info, www.frohfroh.de), die Bandcommunity schaut kaum über den Tellerrand der Spielarten des Heavy Metal. Die Sparte „Musik“ innerhalb der kulturpolitischen Initiative Leipzig Plus Kultur ist verwaist. Das Klubnetzwerk Livekomm hat zwar schon sieben Mitglieder in Leipzig, die gemeinsamen Aktivitäten lassen sich aber (noch) an einer Hand abzählen. Studios, Probenräume, Labels, Vertriebsfirmen, Blogs – alles vorhanden, wenn auch in zum Teil äußerst übersichtlicher Zahl. Aber nur vereinzelt tragen sie mehr als Brosamen zu einer wirklich produktiven, vitalen, geschweige denn wirtschaftlich belastbaren Musikszene in Leipzig bei.

Der „Grosse Preis“ wird das nicht allein und nicht in überschaubarem Zeitrahmen ändern können. Aber so wollen wir ihn verstanden wissen – als unser Statement, dass in Leipzig etwas möglich ist. Dass der Versuch lohnt, so viele Aktive aus der Szene anzusprechen, sich auszutauschen. Wenn am Freitag die 160 Menschen, die wir gebeten haben, ihre geschätzte Meinung dazu abzugeben, welche Musikprojekte aus Leipzig das Jahr 2013 prägten, ins Werk II kommen, miteinander reden, Gesichter zu Namen kennenlernen, sich als im hiesigen Kontext „vorhanden“ wahrnehmen, dann ist ein erster Schritt getan. Die Hoffnung trägt uns, dass aus diesen ersten Ansätzen echte Effekte erwachsen, gemeinsame Träume und Projekte entstehen.

Samstag sind wir klüger. Wir hoffen, auch das Publikum in Leipzig interessiert, was hier musikalisch passiert und kaufen sich ein Ticket für den Abend am 6.12. in der Halle D. Sechs Euro sind ein Schnäppchen, um diese vier Bands zu sehen und im besten Fall dabei zu sein, wenn ein zartes Pflänzchen in Leipzig sein Haupt zu erheben versucht. Sie wären auch eine echt gut angelegte Investition in die Szene dieser Stadt.

So oder so, das Kapitel „Bandförderung“ in Leipzig wird nicht mit der Show am Freitag zugeschlagen sein. Bei einem Misserfolg bleibt das Thema der leidige Dauerbrenner, der er seit Jahren ist. Kriegen wir die Hütte voll, ist es natürlich nicht vom Tisch. Aber dann haben wir immerhin vier glückliche Bands, zwei froh gestimmte Veranstalter und eine Menge positive Energie, um dieses verdammt dicke Brett noch eine Weile weiter zu bohren.