/ Autor: torstenreitler

Betriebsjubiläum

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Es ist mehr oder weniger eine Formalie, aber eine für die Moritzbastei eine sehr bedeutsame. Seit nunmehr 20 Jahren wird die Bastei durch eine GmbH bewirtschaftet, die Moritzbastei Betriebs GmbH nämlich. Mit ca. 30 fest angestellten und über 100 studentischen Teilzeitmitarbeitern gehören wir zu den „Mittelständlern“, die ja bekanntlich Basis und Rückrat der deutschen Wirtschaft sein sollen. Unter den Leipziger (soziokulturellen) Kulturzentren, die fast ausschließlich von Vereinen betrieben werden und ohne öffentliche Subventionen nicht arbeiten könnten, nehmen wir damit eine Sonderrolle ein. Wir sind mit unserem Dasein als quasi privatwirtschaftliches Unternehmen mit Stiftungsauftrag ziemlich zufrieden; nicht zuletzt, weil es für uns ein Erfolgsmodell ist.

Die Entstehungsgeschichte der GmbH in den „wilden“ 1990er Jahren Peter Kunz und Susan Morgner in ihrem Buch „Die Moritzbastei in Leipzig“ beschrieben, wir zitieren hier mit freundlicher Genehmigung:

„Aber auch für die Moritzbastei selbst sollte sich mit politischen Umbruch in der DDR einiges ändern. … Eigentlich hätte es einer sehr schnellen Lösung bedurft, denn auch die Hauptamtlichen der „mb“ waren ja jetzt Angestellte der Universität. Doch diese war lange nicht in Sicht. Innerhalb und außerhalb der moritzbastei bastelte man an möglichen rechtlichen Konstruktionen, um das Haus für seinen bisherigen Zweck erhalten zu können. Derweil meldete auch das Studentenwerk Interesse an einer Übernahme an. Eine Idee, die zunächst auch innerhalb der Universität auf offene Ohren stieß… „

Diese Idee wurde aber verworfen, alle Mitarbeiter zum Jahresende 1992 entlassen. Diese protestierten öffentlichkeitswirksam, unter anderem mit Mahnwachen.

„In der überaus schnelllebigen Zeit der frühen neunziger Jahre wurde durch Mitarbeiter der Moritzbastei und einige „mb“-Mitglieder die Idee und Satzung für eine Universitätsstiftung Moritzbastei entwickelt, die die Interessen von Universität, Land und Stadt berücksichtigte und die „mb“ als Studentenklub am Leben erhalten sollte. Die Universität, vornehmlich auch der damalige Rektor Cornelius Weiss, nahm sich dieses Modells an und überzeugte gemeinsam mit den „mb“-Mitarbeitern die Stadt, dieser Stiftung die Immobilie Moritzbastei in Erbbaurecht für 33 Jahre zu überlassen. Dass das Land, rechtlich zuständig für die Universität, nach langem Hinhalten dann doch plötzlich seine Zustimmung gab, wird von Beobachtern der Situation darauf zurück geführt, dass beherzte „mb“-Mtiglieder eine öffentliche Veranstaltung mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf nutzten, um ihr Anliegen ganz direkt vorzutragen. Die Stiftung Moritzbastei wurde Anfang 1994 ins Leben gerufen.“

Und jetzt kommt der bedeutsame Satz mit dem Geburtstermin:

„Zum 1. Juli 1993 konnte bereits die Moritzbastei-Betriebs GmbH ihre Arbeit aufnehmen, an deren Gründung und Bereitstellung des Stammkapitals der Kanzler der Universität, Peter Gutjahr-Löser, entscheidenden Anteil hatten.“

Das 20-jährige Betriebsjubiläum werden wir im Oktober mit unseren langjährigen Partnern und Förderern in angemessenem Rahmen begehen.