/ Autor: torstenreitler

Nachwachsende Rohstoffe

Was macht ein Jazzmusiker, wenn er keine Auftritte mehr bekommt? Er muss improvisieren.
Diesen Witz haben sich wahrscheinlich schon Louis Armstrong und Earl Hines in den 1920ern erzählt. Im Kern stimmt es aber immer noch: Als Jazzer muss man improvisieren können, als Musiker wie als Überlebenskünstler gleichermaßen.

Während sich hierzulande sich Jazzmusiker vereinigen und Petitionen verfassen, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Das Feuilleton rauscht – wir tun, was wir seit 21 Jahren tun: Wir fördern junge JazzmusikerInnen. Das Bundesweite Jazznachwuchsfestival steht vor der Tür, und wir geben einen kleinen Vorgeschmack

In diesem Jahr bewarben sich 52 Projekte und Künsterlnnen um einen Auftritt bei unserem kleinen, aber bundesweit beachteten Festival. Wer die Bewerberzahlen bei Nachwuchswettbewerben im Rock- und Popbereich kennt, oder gar den Ansturm auf die Castingshows im Fernsehen als Vergleich heranzieht, der wird die Augenbrauen heben. So wenige?

Was aber auf den ersten Blick nach wenig klingt, dahinter steckt sehr viel. Die beim Jazznachwuchsfestival auftretenden jungen Künstler und Künstlerinnen haben nicht nur den Schweiß jahrelangen Übens und Probens gekostet. Sie haben dabei auch um ihren eigenen Ausdruck gerungen, eigene Stücke komponiert und arrangiert, nach ihrem ureigenen Talent geforscht. Diesem Anspruch stellen sich bekanntermaßen nicht viele, auch nicht unter Musikern, auch nicht unter Jazzern.

Insofern hat Kurator Bert Noglik eine schwere, aber auch höchst aufregende Aufgabe. Aus den 52 Bewerbungen nämlich die herauszufiltern, die durch Eigenart, Kreativität, eine besondere Spielweise oder einen aufregenden Ansatz in ihrer Musik auffallen. Gefälligkeit und Experimentierfreude, Können und Wollen der jungen Musiker und Musikerinnen müssen abgewogen und am Ende gewichtet werden.

Am Ende dieses Prozesses steht dann ein hoffentlich inspirierendes, aufregendes Line-Up, welches an drei Tagen das Besondere dieses Jazznachwuchsfestivals ausmacht.

Diese drei Tage sind allen, denen das Risiko und das Schöpferische in der Musik am Herzen liegen, wärmstens empfohlen. Informationen zu den Künstlern finden sich auf unserer Sonderseite zum 21. Bundesweiten Jazznachwuchsfestival.