/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Juli

Man kann es schon jetzt sagen: die Fussball-WM der Frauen ist nicht der Renner, den sich die Vermarktologen erhofft haben. Vielleicht gar nicht so verkehrt, das. Wir leben schließlich in einer Welt, in der sich der Charme einer Sache durch nichts wirkungsvoller abtöten lässt, als durch dessen Kommerzialisierung. Komme da keiner mit dem FC Barcelona. Der schöne Schein der Fussballmessiasse überstrahlt eine Geldvernichtungsmaschine, gegen die im Verhältnis gesehen der griechische Staatshaushalt eine solide Bausparkasse ist. Von ganz anderen Sachen fangen wir hier gar nicht erst an, wir würden nämlich sonst gar nicht fertig.

Der schönste Fußball ist noch immer der selbst gespielte, und wann geht das besser als im Sommer? In diesem Sinne folgt das Editorial für das Juli-August-Programm der Moritzbastei, welches jetzt in allen Kneipen der Stadt zu haben ist.

Es ist Sommer. Kein Sommer ohne Märchen, darum tönt es bald aus den Public-Viewing-Arenen: „Event, Event, die Hütte brennt!“ Jedenfalls, wenn es nach dem Fussballbund geht.

Dass Frauen Fußball spielen, ist eine Selbstverständlichkeit. Haben sie darum eine Weltmeisterschaft verdient, wie wir sie ihnen jetzt verpassen? Dass Fußball weitestgehend ohne Benutzung des Hirns gespielt wird, ist ja ein Gemeinplatz. Jedoch braucht man auch für Journalismus, Werbung oder gar „Tatort“-Folgen, die sich mit der Frauen-WM beschäftigen, ebenso wenig Grips wie für den Kick auf dem Rasen. Das legt jedenfalls die hanebüchene mediale Aufarbeitung der Championada nahe.

Frauen sollen prinzipiell alles dürfen, was Männern gestattet ist. Das ist der Sinn von Gleichberechtigung. Die Ansicht aber, dass Frauen nicht jeden Mist kopieren müssen, den Männer verzapfen, ist sehr weise, stilbewusst und sinnenfroh. Und nicht patriarchalisch. Männer – das zeigt der Blick in jede Kompanie, Umkleidekabine, Kneipe oder den Puff an der Straßenecke – Männer sind Idioten.  Sie sind darum keine schlechteren Menschen. Nur die mit den im Vergleich schlechteren Manieren. Frauen, seid schlau: Spielt Fußball wie Frauen. Für Frauen. Überlasst die Großbuchstaben der Titelseiten wurstigster Wurstblätter den KickERn, verzichtet auf das zweifelhafte Vergnügen, Lebensinhalt einer hormongesteuerten Masse Südkurvianer zu sein.

Natürlich werden wir uns die WM anschauen und uns freuen, wenn das Runde ins Eckige kracht. Aber wenn ab August die Sportschau wieder rein männlichen Fußball zeigen wird, werden wir an Gendergerechtigkeit nicht einmal denken. Die Fussballkultur ist männlich. Und das soll bitte auch so bleiben, denn das ist schon bescheuert genug.