/ Autor: torstenreitler

Das 9. Türchen

Im Frühjahr 1975 wäre die Geschichte der Moritzbastei beinahe zu Ende gewesen. Die Ausgrabungsarbeiten an der verschütteten Bastei hatten zu Tage gebracht, dass von der Pfahlgründung aus dem Jahr 1802 nichts mehr übrig war. Dort, wo Johann Carl Friedrich Dauthe hunderte Eichenpfähle unter das Fundament der Bastei hatte einbringen lassen, um den Bau der 1. Bürgerschule auf sicheren Grund zu stellen, zeigten sich zum Teil mannshohe Hohlräume. Kräftige Regenfälle im Mai und Juni verschlimmerten die Situation noch – der Mittelteil der Bastei drohte unterspült zu werden und einzustürzen.

Auf dem Bild sieht man Bauleiter Klaus Röder am „Zwickel“ im Oberkeller der Moritzbastei. Diese Pfeilerkonstruktion war zu Beginn der Ausgrabungsarbeiten noch komplett mit Erde bedeckt. Heute ist der „Zwickel“ ca. 3 Meter oberhalb der Tanzfläche.

Wer heute genau hinschaut, kann noch die Folgen der Absetzbewegungen an dieser Stelle entdecken. Auf der Tresenseite kann im linken Bogen des Zwickels, kurz unter der Spitze (direkt über dem Kopf von Klaus Röder auf dem Bild oben) erkennen, wie sich die Mauer um gut 5 Zentimeter verschoben haben.

Glücklicherweise fand sich 1975 eine schnelle Lösung für das dramatische Problem. Die Männer des VEB Erdöl- und Erdgas-Bohrlochzementierung Gommern / Magdeburg füllten die Hohlräume mit ihren KRAS-Misch-/Pumpfahrzeugen mit flüssigem Zement. Klaus Röder: „Ein Zement dieser Qualität brauchte länger zum Abbinden als gewöhnlicher. Da stand unsere Moritzbastei eine Nacht lang in und auf dieser wackligen Suppe. Viel geschlafen haben wir wohl alle nicht in dieser Nacht. Glücklicherweise war am nächsten Tag alles vergessen: Es hielt!“

Wir widmen dieses 9. Türchen knapp 35 Jahre später allen Wiedererbauern der Moritzbastei. Chapeau!