/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Dezember

Man muss nicht immer gleich an George Orwell denken. Wir erinnern uns, in dessen Roman 1984 dient ein ferner Krieg als immergültiges Bedrohungszenarium dazu, einen Überwachungsstaat zu rechtfertigen.

*Blink*
Zu viele negativ belegte Vokabeln verwendet
*Blink*

Ist ja gut… Das Wort zum Dezember denkt darüber nach, wie man aus einer diffusen Bedrohung („Wir müssen alle sterben!“) mit Optimismus begegnet. Mit etwas mehr Verbraucherfreundlichkeit lässt sich auch aus dem miesesten Attentat noch ein Bombengeschäft machen… Womit ich mich für heute direkt in die Wortspielhölle verabschiede und viel Spaß beim Lesen wünsche.

Die Sterbewahrscheinlichkeit liegt für den durchschnittlichen Menschen bei etwas mehr als 95 Prozent. Über die restlichen 5 Prozent der Erdbevölkerung können keine sicheren Angaben gemacht werden, sie sind momentan noch am Leben.

Diese relative Konstante der empirischen Human- und Sozialwissenschaft haben bisher weder der medizinische Fortschritt noch die Bio-Welle, keine Gesundheitsreform und keine Anti-Terror-Gesetze ins Wanken bringen können. Statistisch weitaus variabler sind die Sterbearten. Wahrscheinlich sterben immer noch die meisten Menschen an Altersschwäche, doch die Entdeckung neuer Krankheiten oder die Neubewertung schon längst bekannter Siechtümer, die besonders im hohen Alter auftreten, haben zu einer deutlichen Zurückdrängung des altersbedingten Sterbens geführt.

Möglicherweise aber hat auch die fortgeschrittene Individualisierung der Gesellschaft dazu beigetragen, dass niemand mehr an langweiliger Alterschwäche sterben oder diese diagnostizieren mag, wo doch heutzutage auch für die Generation 60+ so schöne und auf die Persönlichkeit des zu Verscheidenden konfigurierbare Allergien und Unverträglichkeiten erhältlich sind.

Das individuelle Lebensabschiedsdesign iLad und die Verwertung der hier ruhenden wirtschaftlichen Potentiale werden landläufig leider noch verkannt. So könnten Schwerkriminalität und Terrorismus ihr Image in der Bevölkerung deutlich verbessern, wenn sie ihr kreatives Potential beim Übertritt ins „Leben danach“ („Tod“ ist als Marke abgenutzt und unvermarktbar) besser kommunizieren würden. Gerade für einkommensstarke Leistungsträger wäre ein Lebensabschied im Premiumsegment mit Feuerwerk und Knalleffekt, der es weltweit in die Headlines schafft, eine nicht zu teuer zu bezahlende Alternative zur Altersschwäche, die sich immerhin auch jeder HarzIVer leisten kann.
Innovation, baby! Dann klappt es auch mit der inneren Sicherheit.