/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum September

Das neue Monatsheft ist schon eine Weile in den Verteilern. Da wird es höchste Zeit für das Wort des Monats, nein?

Gibt es Gott wirklich? Stellen wir uns mal folgendes vor. In einer vorab per Fax veröffentlichten Pressemitteilung verkündet Gott, dass er geruhe, sich nächsten Sonntag dem Erdenvolke zu offenbaren. Er werde eine Erklärung zu den zurückliegenden beiden Geschäftsjahrtausenden verlesen und danach für Fragen zur Verfügung stehen.

Zuerst würde Papst der IXV. Auf seinen Balkon steigen und, in Verblödung gleichender Glückseligkeit, seinen Schäfchen die vermeintlich frohe Botschaft verkünden. Den Atheisten dieser Welt würde einen Moment lang – so ein, zwei Stunden vielleicht – das Gesicht einfrieren.
Dann bräche das Internet zusammen, weil alle sich gegenseitig ein „boah, krass, alter!“ zutwittern würden und zehn Milliarden Bundesbürger bei Spiegelbild online die Fotostrecke „Gott – wie er heute aussehen würde“ anklickten. Die Straßen wären leergefegt wie weiland bei Kuhlenkampff, um die Fernsehnachrichten anzustarren. Danach kämen die ersten Fragen, die man Gott stellen wolle. Was Gott von der Kirche halte, um mal mit was Harmlosem anzufangen. Worauf die Gegenfrage käme, von welcher Kirche? Von welcher Unterabteilung welcher Kirche? Und so weiter, um beim Harmlosen zu bleiben.

Allein durch das Fragenfinden und die Spekulationen, was Gott wohl darauf antworten würde, brächen innerhalb eines halbten Tages 37 regionale und 7 Weltkriege aus. Dazu kämen sechs Völkerwanderungen und eine Zwischeneiszeit.

Bis zum Samstagnachmittag wären grob geschätzt sicher 82,7 periode Prozent der Menschheit ausgerottet. Das letzte Fünftel bekäme eventuell noch Notiz davon, dass die Pressemitteilung eine Guerilla-PR-Kampagne von RTL2 war, weil die Sozialpornos im Nachmittagsprogramm nicht mehr so liefen.

Bleibt zu hoffen, dass Gott kein Faxgerät hat. Oder schlimmer noch, einen twitter-account.