/ Autor: torstenreitler

Junge Männer mit guten Manieren

Da war sie also, die „Wiedergeburt des Northern Soul, die männliche Entsprechung zu Amy Winehouse, der vom Räpper-Saulus zum Schmuse-Paulus gewandelte Plan B. 45 Minuten dauerte sein Livegastspiel, präsentiert von einer Modemarke und einem Onlinemusikportal.

Was sich im Laufe des Nachmittages so anfühlte wie der gelebte Nachweis, dass die Musikindustrie zum Untergang verurteilt ist (ca. 25 Menschen wurden dafür bezahlt, eine kostenlose Promoshow mit kolateralem Wegwerfwerbemüll en masse zu produzieren für 250 Besucher, denen die Show geschenkt wurde und die für die Platte wahrscheinlich schon im Vorfeld online keinen Pfennig zu viel bezahlt hatten. Wenig Spielraum für gute Geschäfte… Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Musiker ein paar Groschen für ihren Auftritt bekommen haben. Wir waren jedenfalls nett zu ihnen 🙂 ), was also im Vorfeld aussah wie ein Riesenradiopopbubblegumbläschen, das entwickelte sich dann doch zu einem sehr guten Konzert.

Die sehr junge Backingband spielte ein routiniertes Set und die drei herrlich kurvigen Backgrounddamen bereiteten stimmlich ein wunderbares Bett, in dem sich Plan B´s Fistelstimmchen genüßlich suhlen konnte (gönnen wir ihm diesen Luxus). Vielleicht kann der junge Superstar am Pubtresen mit Amy Winehouse mithalten, gesanglich betreiben die beiden auf jeden Fall eine andere Sportart. Für sein nächstes Album kündigt Plan B wieder mehr HipHop an; und damit kennt er sich aus, was er auch live respektabel bewies.

Kurz und gut: Radiopop mit nettem Sixties-Appeal in der Tonne, das Publikum war höchstgradig entzückt, alle Beteiligten versicherten sich im Anschluss aufs Höflichste, einen großartigen Abend erlebt zu haben. So soll es sein.

PS: Falls jemand einen Link zu Videos oder Bildern schicken möchte – her damit!