/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Juni

Manchmal ist es echt ein Graus, sich für unsere Seite 3 das Editorial aus den Fingern zu winden. Themen gibt es genug, aber die auf 20 Zeilen runterzubrechen…

Wozu ist Vertrauen eigentlich gut? Wir vertrauen wildfremden Menschen unser Geld an. Wir wählen Politiker, damit sie unsere Steuern zum Wohle der Gemeinschaft verwenden. Wir vertrauen Bankiers unser Geld an, damit sie es mehren und wir uns eines Tages einen Bunten davon machen können. Wir haben grundsätzlich nichts dagegen, dass Politiker in unserem Namen Schulden bei Bankiers aufnehmen und die Bankiers dann dagegen wetten, dass wir den Politikern noch mehr Geld geben können, damit diese in unserem Namen gemachten Schulden begleichen können. Wir vertrauen darauf, dass die Bankiers ihre Gewinne aus den Wetten gegen unsere verschuldeten Politiker als Kredite an die mittelständische Wirtschaft vergeben. Wir vertrauen darauf, dass die Mittelständler so die Löhne drücken werden, dass sie guten Profit erwirtschaften, damit ihre Schulden an die Banken zurück zahlen können. Wir vertrauen darauf, dass die Mittelständler uns mit niedrige Preise und günstigen Finanzierungsangeboten erfreuen werden, was unseren Ärger über niedrige Preise mildert und uns erlaubt, uns bei den Mittelständlern zu verschulden.
Wir greifen uns gegenseitig in die Taschen, um sie uns gleichzeitig voll zu hauen. Ab und an springt mal ein Karstadt, ein Griechen- oder Island dabei über die Klinge. Wobei wir darauf vertrauen, dass danach Gletschereis aus Is- und Urlaub in Griechenland billiger werden.
Vertrauen ist nur zu einer Sache gut. Es verhindert, dass wir tagtäglich unsere eigene Blödheit erkennen und wir daran wahnsinnig werden und Amok laufen gegen den Irrsinn, mit dem wir einander im Minutentakt hinters Licht führen. Vertrauen ist die Mutter des gesunden Schlafes. Gute Nacht.