/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Mai

„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“. Das ist eine Weisheit aus dem vergangenen Jahrhundert, und vermutlich stimmte sie schon damals nicht. Die Wahrheit stirbt schon vor dem ersten Schuss. Wie nennt man denn das, woran in den vergangenen acht Jahren knapp 50 deutsche Soldaten gestorben sind. Mandat, Einsatz, Auftrag, Mission? Seit ein paar Wochen darf diese militärische Pauschalreise zum Schutze des Weltfriedens „umgangssprachlich als Krieg“ bezeichnet werden. Ministeriell bestätigt. Was genau da „am Hindukusch“ passiert bleibt dabei weiterhin schleierhaft. (Schleierhaft – wird die in Afghanistan gegen Frauen verhängt, die keinen tragen oder doch in Frankreich gegen welche, die einen tragen? Die Welt ist so unübersichtlich geworden…)

Dabei ist die Begründung für den Krieg mit menschlichem Antlitz völlig logisch. Die Taliban wollen uns mit Gewalt ihre Wertvorstellungen aufdrücken. Das ist menschenverachtend, weil es uns verachtet. Also fahren wir nach Afghanistan, um den Taliban unsere Wertvorstellungen mit Gewalt aufzudrückend. Das ist menschenwürdig, weil es uns würdigt.

So wird es weitergehen. Deutsche Soldaten werden grundsätzlich in Hinterhalten von bestialischen Terroristen ermordet werden, während afghanische Zivilisten bei unbedingt angemessenen Luftschlägen bedauerlicherweise kollateral für eine bessere Zukunft ihres Landes sterben müssen. Propaganda? Wahrheit? Wahr ist an diesem Desaster nur, dass es ein Armutszeugnis für das aufgeklärte Abendland ist. Wir können unsere Lebensweise nur mit Gewalt verteidigen. Das sagt alles darüber, was sie wirklich wert ist.