/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum April

„Was sollen die Leute nur von Dir denken?!“ Psychologie, Philosophie, Gesellschaftskunde. Alles in einem Satz. Tja, was sollen sie denn nun denken, die Leute? Soll das, was die Leute denken sollen dem entsprechen, was man von sich selbst denkt? Oder genau das Gegenteil davon?

Au ja, Heerscharen von PR-Beratern, Lobbyisten und Persönlichkeitstrainern verdienen mit Antworten auf diese Fragen ihr Geld. Viel Geld. Manchmal scheint es, dass besonders Menschen, die Erfolg, Reichtum, eine Eigentumswohnung auf Capri und Sexspielzeug aus Krokodilsleder haben – also gemeinhin all das, wofür der gemeine Hartz-IV-Betrüger keinen Finger krumm zu machen gewillt ist– dass also besonders unsere Leistungsträger in Kultur, Medien und Politik tagtäglich an dieser Frage verzweifeln. Manchmal scheinen sie gar nicht zu wissen, was sie selbst von sich denken. Nehmen wir nur mal, als ganz einfaches Beispiel, Guido Westerwelle. Glaubt er selbst wirklich, dass er Außenminister wäre? Sollen das die Leute überhaupt von ihm denken? Wenn ja, warum tut er dann, was er tut?

Die Liste mit Persönlichkeiten, deren öffentliche Wahrnehmung zwischen Autoverkäufer, Golfpensionär, TV-Moderator, Prügelprinz oder Fußballkaiser herummäandert, ließe sich seitenweise fortsetzen. Reihenweise Vorbilder. Diese Menschen haben es geschafft, sie sind an der Spitze, auf Seite eins, in den Abendnachrichten und den Werbespots dazwischen.
Aber die Frage bleibt: Denken die Leute von ihnen wirklich das, was sie sollen? Hm, Guido? Boris? Barbara Schöneberger?

Vielleicht ist alles aber noch viel verzwickter. Schließlich ist und bleibt es eine Lüge, dass die Mehrheit recht habe. Wäre dann nicht alles in Ordnung, wenn die Leute genau das denken, was sie nicht denken sollen? Wer weiß, wer weiß…