/ Autor: josephine

Novembern in der Schwerelosigkeit.

Heute darf ich mal wieder Fremdmaterial hochladen: Ein Review zum Super700-Konzert am 11.11.2009 von Ecki, seines Zeichens Musiker bei d.h. und geschätzter Freund des Hauses. Vielen Dank dafür!

Es ist wie jedes Jahr: Der November boxt fleißig das Gemüt. Die Tage sind kurz und kaum heller als die Nächte, es regnet laufend und die Kälte kriecht ins Winterfell. Der Alltag ist noch eine kleine Ecke grauer als sonst, die Schweinegrippe spielt „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“.

Glücklicherweise aber sind SUPER700 unterwegs und so gab es am vergangenen Mittwoch in der MB die Möglichkeit, der vorherrschenden Nichtzeit für ein paar Stunden zu entgehen. Nachdem die Berliner Band schon im Juni als Headliner des hiesigen Campusfestes in eine andere Welt zu entführen wusste, war die Raumschiffkapsel in Form der Veranstaltungstonne nun ein wenig intimer gestaltet. Vor dem Start hatten sich einige wenige Mitreisende eingefunden, um das übliche Rahmenprogramm zu begutachten: die Leipziger Band „Cox and the riot“ spielten als Triebwerkvorheizer ein halbes Stundchen zum Tanz auf und blieben bei recht bodenständigem Indierock/Pop. Die Kosmonauten im weiten Rund, deren Zahl sich im Laufe der Show langsam aber sicher vermehrte, dankten es mit artigem Applaus.
Dann war es Zeit für die Zündung und prompt sorgte gleich der Eröffnungssong für die ersehnte Schwerelosigkeit. Schwebende Gitarren und Synthesizer, forttragender Rhythmus durch Drums und Bass, die sanfte, vorsichtige Frauenstimme in der Tiefe des Raumes – dies alles verwoben zu einer wunderschön melancholischen, druckvollen und atmosphärischen Milchstraße aus Harmonie und Melodie. Ein toller Start. November? Tsss… Im Laufe des Fluges durften natürlich auch die etwas lauteren Töne nicht fehlen. Das Schöne an SUPER700 ist dabei, dass auch die tanzbaren Rhythmen und Riffs in eine mollige Melancholiedecke eingewickelt sind und ebenso ungewöhnliche wie unerwartete Wendungen immer wieder die bloße Unterhaltung verhindern. Für einen wundervollen Flug sorgte auch das zeitweise atemberaubende Bühnenlicht, immer den musikalischen Intentionen der Songs angepasst. So wurde die Veranstaltungstonne in ein schwarzweisses Weltall verwandelt, während Frontfrau Ibadet Ramadani mit wehenden Haaren textlich einen Satelliten ritt. Halbhelle Spots umspielten in sanfteren Passagen die Gesichter der Protagonisten, rasantere Tempi wurden durch flackernde Strobos und blitzende Scheinwerfer unterstützt.
Kein Wunder also, dass die meisten Reisenden nach der regulären Landung gleich nochmal los wollten und lautstark einige Zugaben forderten. Der kleine Zweitflug dauerte noch einmal drei Songs, danach war die Reise (leider) endgültig beendet und es ging wieder raus in den kühlen Abend. Mit einem trotzigen Lächeln allerdings.