/ Autor: susanne

Bericht von der Deutschen Improvisationstheater-Meisterschaft in Berlin, Teil II

Am Sonntagabend ging sie zu Ende – die siehe Überschrift. Eine verrückte, aufregende und bereichernde Woche für uns, die Theaterturbinisten.

Am Freitag bestritten Karin und Raschid zu zweit ein Theatersport-Match gegen oder vielmehr mit „Steife Brise“ aus Hamburg. Ich war selber nicht da, habe aber nur Gutes gehört…
Sehr nette Kollegen, gute Show, und das Beste: Wir waren eine Runde weiter, das bedeutete das Halbfinale für uns! Am Samstag reiste ich also mit Thorsten als unterstützendem Zuschauer nochmal nach Berlin zu meinem ersten Theatersport-Match.

„Teilnahme am Halbfinale der Deutschen Impro-Meisterschaft“ – das liest sich doch gut im Lebenslauf… Soviel Adrenalin innerhalb einer Woche verbrauche ich sonst eher selten. Wir traten also am Samstag Abend im rappelvollen „Ratibor“-Theater gegen „Für Garderobe keine Haftung“ an (regelmäßige basteiblog-Leser erinnern sich: Die Reimgenies aus Wiesbaden). Interessant, da trafen förmlich zwei unterschiedliche Impro-Auffassungen aufeinander: Form (die Wiesbadener) gegen Geschichte (wir).

Lange, lange lagen wir vorn in der Punktewertung, bis fast zum Schluss, aber dann… Das vorletzte Spiel war eine Joker-Runde, das heißt: Jeder macht das, was er am besten kann. Die Wiesbadener – na? – richtig: reimten eine Runde. Danach trat Raschid an die Rampe und fragte das Publikum, was es denn gerne von uns sehen würde. Es kam eine wilde Mischung von Antworten, übrig blieb: Eine jambische Sprachform mit Dialekten…
Damit nicht genug: Raschid legte für uns fest, dass der Gebrauch der Worte „der, die, das“ zum sofortigen Abbruch der Szene führen würde. Was soll ich sagen, der zweite Satz brach uns schon fast das Genick (Publikum und Richter ließen noch einmal Gnade vor Recht ergehen), nach dem fünften Satz war’s endgültig aus für uns – die kürzeste Szene des Abends. Für unseren Mut haben wir viel Anerkennung geerntet, aber Sport ist Sport, und die Wiesbadener gingen in Führung.

Das letzte Spiel – ein gemeinsam bestrittenes Musical – führte zum Punkte-Gleichstand. Entscheidungsspiel – das Elfmeterschießen im Theatersport: Eine fortlaufende Geschichte zu sechst. „Das kriegen wir doch hin“, wir spielen in fast jeder nato-Show eine Fortlaufende, das schaffen wir. – Die Spieler sterben wie die Fliegen: Einer von uns, einer von denen, einer von uns … Drei Frauen bleiben übrig: Claudia von FGkH, Karin und ich… Die Spannung steigt. Es kann nur eine gewinnen, und die kommt samt Mannschaft ins Finale…

Keine Worte mit zwei Buchstaben dürfen benutzt werden… Bolf sagt „wo“ und fliegt raus, Karin kämpft wie eine Löwin für uns… Sie ist die hartgesottenste Wortvermeiderin von uns allen, sie wird das Ding nach Hause schaukeln. Aber: Drei Stunden Match fordern ihren Tribut an Konzentration; Karin sagt ein simples „er“, und das war’s für uns! Neeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiin!

So kurz vor dem Ziel, das Finale samt scheußlichem Pokal schon so dicht vor der Nase!!!!!!!! Fassungslosigkeit allenthalben, Enttäuschung, Freude für die anderen und auch Erleichterung bei uns: Jetzt ist es gut, wir sind durch, den Final-Stress haben am Sonntag die anderen, und wir lehnen uns am Sonntag entspannt im Zuschauerraum zurück und rufen anonyme Schweinereien auf die Bühne.

Fazit: Wir waren gut, es war schön, Dabeisein ist alles (grrrrrrr), und das Berliner Publikum hat uns den inoffiziellen Titel „Meister der Herzen“ verliehen. Gewinner im Theatersport-Finale am nächsten Abend war übrigens verdient die Gruppe „Fast Food“ aus München.

Wir sehen uns in Leipzig!

2 Kommentare

  1. Wer braucht schon einen scheußlichen Pokal?! „Meister der Herzen“ ist ohnehin der wichtigste Titel in jeder Disziplin!
    Freu mich sehr auf Samstag :]

  2. „meister der herzen“, ich glaub, den hab ich an dem abend ins spiel gebracht… 😉
    war schön, euch auf der bühne zu sehen. und ich meine, geschirrspül-ausräumen kann sowas von sexy sein…

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