/ Autor: josephine

Bericht frisch von der Deutschen Improvisationstheater-Meisterschaft in Berlin

Heute morgen hatte ich eine Mail im Posteingang von Susanne Bolf, ihres Zeichens Schauspielerin und Mitglied der Theaterturbine.
Unsere Lieblingsimprovisateure verweilen derzeit in der Hauptstadt und nehmen an der Deutschen Improvisationsmeisterschaft teil. Was sie dort erleben könnt ihr folgendem Exklusivbericht lesen, den Susanne für unser Blog verfasst hat. Vielen Dank dafür!
Wir drücken euch natürlich auch weiterhin die Daumen!

Die Theaterturbine könnt ihr übrigens mit ihrer „Gurke oder Banane“-Show bei uns wieder am Samstag, den 10.10.2009 um 20:30 Uhr erleben.

Und nun weiter zum Bericht!

Neun Impro-Theatergruppen aus ganz Deutschland plus die Gastgeber „Die Gorillas“ tragen derzeit die „Deutsche Improvisationstheater-Meisterschaft“ in Berlin aus – die letzte fand vor neun Jahren in Köln statt. Ausgelobt als Wettbewerb, ähnelt das Ganze eher einer einzigen großen Session: Impro-Begeisterte des ganzen Landes feiern eine Woche lang sich und ihre gemeinsame Leidenschaft.

Wir, die Theaterturbine, eröffneten das Programm mit unserer neuen Impro-Langform „Das Labor“. Am Montag stellten alle zehn beteiligten Gruppen eine Kurzfassung ihrer Langform-Formate vor – das sagt eigentlich schon alles, was wir am ersten Abend durchlitten haben: Wie vermitteln wir (drei Spieler plus Musiker) in zehn Minuten, was eigentlich einen langen Atem über eine Dreiviertelstunde und fünf Spieler braucht, um zu funktionieren? Am Anfang von „Das Labor“ steht die Stille… Nach zwölf Sekunden (ich habe mitgezählt) kam der erste Zwischenruf: „Ich hab’ hier fünfzehn Euro bezahlt!“ – das war’s dann mit der Lockerheit… Wir haben uns nicht gerade mit Ruhm bekleckert an diesem Eröffnungsabend.

Aber ich bekam noch viel zu sehen: Viele verschiedene Theater-Ansätze, wunderbare Inspirationsquellen als Ausgangspunkt für Improtheaterstücke – eine Kaffeetasse als Erinnerungsstück, Ausschnitte aus Büchern, zu denen in Genres improvisiert wurde, drei Generationen in einer Szene („Drama light“ aus Mannheim) – andere nervöse Menschen, denen ebenfalls die Felle wegschwimmen (Impro ist nun mal besonders störanfällig, das liegt in der Natur der Sache), stressresistente Reim-Genies („Für Garderobe keine Haftung“ aus Wiesbaden), sowie viel Poesie, viel Spontaneität (auch das liegt in der Natur der Sache), herrliche Ideen (wem fällt schon ein, „Geschirrspüler Ausräumen“ als Metapher für eine saftige Sex-Szene zu benutzen? – „Lauter“ aus Köln).

Deutschlands dienstälteste Improvisationstheater-Truppe („Emscherblut“ aus Dortmund) improvisiert heute Abend ein Klassentreffen der Jahrgänger von 1935; den „Kaktussen“ aus Würzburg darf man sein mitgebrachtes Fotoalbum als Inspirationsquelle vorlegen; die „Gorillas“ haben sich mit Rainer Werner Fassbinder beschäftigt und improvisieren „im Stile von…“. Es lohnt sich also allemal, die zwei Stündchen Anfahrt von Leipzig in Kauf zu nehmen, um sich Deutschlands interessanteste Improtheater-Langform-Erfindungen anzugucken. Parallel dazu finden Theatersport-Matches der einzelnen Gruppen gegeneinander statt – das komplette Programm findet ihr unter www.die-gorillas.de.

Persönlicher Tipp: Die Turbine spielt am Freitag, den 2.10. Theatersport gegen „Steife Brise“ aus Hamburg, und wer weiß, wie weit wir kommen…!

Ach ja, am Dienstag hatten wir dann eine ganze Halbzeit für uns, und „Das Labor“ konnte endlich seinen Charme entfalten: Schöne, feine Geschichten mit großem Menschlichkeits-Potenzial. Hat großen Spaß gemacht!