/ Autor: torstenreitler

Man! Portugal. The

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Was für ein Abend. Die kleinste Band, die ich seit langem gesehen habe. Fehlende körperliche machten Portugal. The Man am Sonntag durch musikalische Größe allerdings mehr als wett. Mein lieber Scholli, die Jungs sind 26/21 Jahre alt, die shakershakende Backgroundsängerin wird auch nicht viel älter gewesen sein. Gerockt aber wurde, als wären die 70er Jahre direktemang ins Jahr 2008 gebeamt worden.

Die aktuelle LP „Church Mouth“ der eigentlich drei Alaskanianer im Portländischen Exil wurde ja von der Kritik mit etwas durchmischten Gefühlen aufgenommen. War ihr Debut noch von Elektronica und Postcore geprägt, haben sie im Jahr 2007 den Schwenk zum Rockismus alter Schule gewagt. Rausgekommen ist Rock, der sozusagen mit allen Wassern der Neuzeit gewaschen ist – auf dem einen Ohr klingt das wie 1973er Amirock, auf dem anderen wie frickeliger Art-Rock a lá The Mars Volta. In der Mischung macht vor allen Dingen der unglaubliche Stimmumfang von Sänger John Gourley und die absolut sicheren Gesangsarrangements die Musik von Portugal. The Man unverwechselbar.

Das Bühnenbild gestaltete sich ebenso ungewöhnlich wie die Musik: Licht gab es nur von sechs Baustrahlern, von der Band selbst mitgebracht und am Bühnenrand platziert und vom Tourmanager an der Lichtorgel bedient. Ansonsten fiel es überhaupt nicht auf, dass mit dem Keyboarder und der Backgroundsängerin Mietpersonal am Start war – das Zusammenspiel funktionierte perfekt, beinahe beängstigend routiniert. Selbst in den Jamteilen des Konzerts harmonierten die fünf verdammt jungen Leute da oben so perfekt, dass man sich Augen und Ohren reiben wollte.

Die Ohren musste man sich sowieso reiben, weil auch die Akkustik an diesem Abend selbst für erfahrene MB-Konzertbesucher außergewöhnlich war. Zum einen spielten Portugal. The Man in einer Lautstärke, als wollten sie das Wembley-Stadion beschallen. Gleichzeitig balancierten sie ihren Krawall so clever aus, dass die Stimmen immer absolut präsent waren und die Songs zusammenhielten wie Sekundenkleber meine alten Fussballtreter. Vielleicht war das auch eine Sternstunde von Dirk, der für naturton schon seit Äonen in der MB hinter den Reglern steht. Egal – eine derart präzise Zerstörung meiner Hörorgane habe ich in der Tonne wahrscheinlich noch nie erlebt.

Ein großartiger Abend.
Wie auch die Bilder von Detlev Endruhn zeigen.

[mygal=portugal]

1 Kommentar

  1. DJK

    …und ich lag krank im bett und konnte beim besten willen nicht…bitte bitte nochmal einladen, vielleicht für die dachterasse im sommer, damit die ohren nicht so bluten werden…?!
    so ärgerlich…so traurig…verdammt!

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