/ Autor: josephine

Man kann machen, aber nicht wollen was man will.

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Eine Gast-Review von unserm rilleralle-Philipp. Mercí sehr dafür!

„Wenn ICKE sacht ER verändert sich, und ER sacht ICKE hat sich verändert, dann is it Zeit zu gehen Leute. Das ganze Business macht Dir krank und irgendwann globst du, du bist wirklich der Nabel der Welt.“
Mit den Zeilen beginnt der Track Exit Strategie der Spandauer Band ICKE & ER und jene fand am 24.01.2008 auf ihrer ersten – und gleichzeitig ihrer Abschiedstour – mit dem Titel „Ihr sagt Tachchen, Wir sagen Tschüs“ den Weg in die Moritzbastei zu Leipzig.

Es ist nicht ganz einfach für all jene, denen die Band bis dato mit ihrer Philosophie noch nichts sagt zu erklären, was ICKE & ER eigentlich sein soll und vor allem was sie wollen. ICKE rappt und ER macht den Beat aber da ist noch mehr: Schlageranleihen, SUPERTRAMP und BEATLES Samples, Balkan-Beats irgendwie und überraschende Rhythmen ganz generell. Das ist die eine Seite. Er’s Seite.
Dann ist da ICKE mit breitmauligem Berliner Dialekt, der aussieht wie die Jungs vorm Norma – Oberlippenbart, D-Fanschal, SFH und Pornobrille. Das was ICKE da ins Mikrofon rapt, singt, schreit und nuschelt ist irgendwie „DITTSCHIG“ aber nur auf den ersten Blick, denn was die beiden im Verbund an Lebensweisheiten auf ihre „FRIENDS“ loslassen ist dadistisch wie philosophisch aber vor allem medien- und konsumkritisch. Sozusagen die beatgewordene Antithese oder auch ein Gegenentwurf zu den gängigen Schemata in denen das Popbusiness dieser Tage funktioniert. Aber der Reihe nach…

Irgendwann letztes Jahr werden viele Menschen auf ein MYSPACE-Profil der Jungs aufmerksam. Das liegt an dem dort zu hörenden Track Richtig geil, der all die Dinge beschreibt, die richtig geil sind – logisch. Die ganze Sache wächst und die Medien beginnen sich für ICKE & ER zu interessieren und wenig später auch die Plattenfirmen. Die beiden Vorstadtjungs haben da aber keinen so richtigen Bock drauf. ER ist Diabetiker und ICKE will viel lieber in Spandau mit ein paar korrekten Kollegen chillen, als Interviews zu geben und Promo zu machen. Ihre Message ist deshalb denkbar einfach: „MACH ET EINFACH“. Was ICKE & ER können, können wir alle. Und zwar ganz ohne Plattenfirmen und diesen ganzen Kommerzscheiß. Sie reden nicht mit Raab und auch nicht mit BILD, da sind sie konsequent. Eine Platte, die so heißt wie ihr Credo machen sie dann aber doch mit Four Music. So ein bisschen Fame muss schon sein – und da kann man ja auch mit Max Herre saufen, mit Joy abhängen und die quatschen einem nicht rein. Die virtuelle Fangemeinde wächst weiter und es wird 2008 und ICKE & ER sagen, bevor sie im Dschungelcamp landen und Maden fressen oder wie die Beckhams werden, hören sie lieber auf. Und vorher gehen sie auf Tour – auf Abschiedstour.

Die Veranstaltungstonne ist bis zum bersten gefüllt. Es gibt nicht viele HipHopper, die so verschiedene Menschen zu ihren Konzerten vor einer Bühne vereinen können: Menschen mit CONVERGE-T-Shirts stehen neben kleinen Disco-Uschis, die sich gleich auch mal – ganz wie ICKE & ER – Oberlippenbärte zugelegt haben und durch den einen oder anderen Wodka-Red-Bull euphorisiert durch den Saal schweben.
Das Konzert beginnt mit Fernsehen. ICKE & ER im Backstagebereich auf der Mattscheibe. Sie sind aufgeregt. Ist ja die Abschiedstour.

DJ DASG betritt gefolgt von ER die Bühne. Der Beat geht los. ICKE kommt. Was nun 90 Minuten lang hier abgebrannt wird, ist ein Feuerwerk an Kulturkritik, Berliner Rap und Abschiedstränen. Die Beats rollen abwechslungs- und facettenreich von einem Track zum anderen. Dazu erklärt ICKE die Welt – er muss nicht nach Hawaii im Sommer – Berlin ist auch schön. Er erzählt von den Berliner „Jörls“ in Mitte, Wedding und Neukölln. Vor allem aber erzählt er immer wieder, warum jetzt Schluss sein soll mit ICKE & ER: Es gibt nichts mehr zu sagen. Ihre Message „Mach et einfach!“ haben sie gemacht. Das Musikbusiness nervt in seiner Kommerzialität und es geht doch gerade beim Musikmachen nur um Friends – darum also andere Leute mit dem was man tut zu berühren. Mit denen kann man via Myspace in Kontakt bleiben – „Schreibste mal nen Comment Alter, sach ick mal!“ – und so fahren ICKE & ER die Exit Strategie. Ohne Mittelfinger oder Überheblichkeit – ganz „true“ – authentisch und ehrlich.

ICKE & ER setzen damit – ob nun weil sie wirklich ICKE & ER sind, oder weil sich die beiden Unbekannten ein gutes Konzept überlegt haben – ein innovatives Zeichen – in Zeiten in denen es der Musikindustrie soooo schlecht geht: „Mach et einfach!“

philipp

In Kategorie: Allgemein

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3 Kommentare

  1. Das ich da nicht dabei sein konnte ärgert mich richtig. Fands sehr gut das die das mit dem „aufhören“ so durchgezogen haben.

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