/ Autor: torstenreitler

Welche? Diese! Safi und Zen Zebra

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Versprechen soll man halten. Detlev Endruhn hat die Fotos gebracht, also gibt es hier jetzt eine Einzelanalyse von „Leipzig wählt Musik“ am vergangenen Freitag. Gnadenlos. Subjektiv. Unfehlbar. Echt jetzt!

Bangrantisio: Die perfekte Musik für Semestereröffnungsparties. Es groovt, es funkt, es hipt und hopt. Aber letztlich ist es irgendwie egal, wer da gerade auf der Bühne steht. Die Backgroundsängerin, die immerhin 50 Prozent der auftretenden weiblichen Künstler des Abends darstellte, rettete es auch nicht. Wahrscheinlich hätte sie es nicht einmal versuchen sollen…

Safi: Moderator Donis bemühte sich um ironische Ankündigungen, die den Spagat zwischen Augenzwinkern und Indie-Marketing-Sprech nicht immer schafften. Vergesst Melissa Etheridge? Muss ich die kennen?
Safi hatte die eindrucksvollste Stimme, die rumpeligste Band und die natürlichste Ausstrahlung des Abends. Und sie vermied die gefürchteten Ansagen-Debakel, in welche sich beinahe alle ihre Konkurrenten an diesem Abend kopfüber stürzten. Sie hielt zwischen den Songs einfach die Klappe.
Dass ihr der „Preis der Jury“ zugesprochen wurde, kann eigentlich nur mit dem Potential begründet werden, welches sich auf der Bühne zaghaft zeigte. Aber das reichte aus, um a) mir ob der angeschlagenen Lautstärke zum ersten Mal in meinem Leben Ohrstöpsel während eines Konzertes einzuschieben und b) mein Einverständnis zur Juryentscheidung zu gewinnen. Hut ab, weitermachen!

ZIN: Nun ja. Dem Sänger wird gerne vorgeworfen, er wäre gerne Brian Molko. Böse Zungen könnten jetzt fragen, warum er sich dann am Outfit von Bill Kaulitz orientiert. Sehr professionell dargebotene moderne Gitarrenwavemusik plus Bühnenshow mit Hang zur Operette. „Very nineties!“

A Heart Is An Airport: Sehr hörbarer Acoustic Indie Pop, vor allen Dingen im Auto. Der Verzicht auf jegliche Bühnenshow ist sicherlich konsequent, verursacht aber den drängenden Wunsch, sich mit der Bardame zu unterhalten. Sympathisch.

Ulman: Für mich die Überraschung des Abends. Drehleier meets Drum´n´Bass? Folk auf Electronica, ohne als Enigma-Kitsch zu enden? Geht! Die Leute honorierten es mit spontaner Bewegung, um eine Handvoll Stimmen verfehlte Ulman am Ende den Publikumspreis. Überhaupt nicht meine Tüte Suppe, aber wie gesagt, ich war angenehm überrascht.

Zen Zebra: Die hübschesten Jungs des Abends, auf jeden! *schmelz* Absolut stilsicheres und professionelles Set. Zwei Reihen vor mir drehte sich eine von Verzückung übermannte Zuschauerin zu ihrer Freundin um, blickte ihr tief in die Augen und leckte dabei einmal von unten nach oben ihr Bierglas ab, um danach weiter zur Musik abzuschnipsen. Wow!
Mehr ist mir vom Konzert allerdings nicht haften geblieben.

Endlos: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann drehen sie noch heute an ihren Knöppen… Sehr atmosphärisches Blingeln und Rascheln, durch untergemischtes Gitarrenschrummeln und Bassbubbern angedickt. Der Schlagzeuger hatte den eckigsten Beat, der Tastenschrauber rechts den modernsten Vollbart des Abends. Electronischer Noisepop: stimmig, stilsicher, überaschungsarm.

Napoleon
: Diese Holzfällerhemden! Gehen gar! Nicht! Die dreiviertelschwule Antiglampose der Jungs geht zwar voll in Ordnung, bei den Ansagen darf man sich aber gerne an Safi orientieren. Oder vielleicht was auswendig lernen? Auf jeden Fall boten Napolean die pumpendsten Basslines des Abends und die schnittigsten Gitarren. Mir haben die Hooks gefehlt, aber wahrscheinlich ist das Absicht, um nicht in die Popperfalle zu tappen. Die hätten zur Not auch gewinnen dürfen, aber die Hemden…

Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Abend, in Leipzig geht musikalisch einiges. Dass von acht regionalen Bands nicht sieben das „next big thing“ sein können, war vorher klar. Aber insgesamt doch: Daumen hoch!

Ach ja, die Bilder:

[mygal=grosserpreis]

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