/ Autor: torstenreitler

Weder litt noch fass ich es!

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Abstrahiert mal bitte von meiner Überschrift und konzentriert euch auf das Bild. Fällt euch etwas auf? Richtig! Die Moritzbastei muss in prähistorischen Zeiten mal „Restaurant Canitz“ geheißen haben. Denn im Vordergrund ist eindeutig die Litfaßsäule zu sehen, die heute am Haupteingang der Moritzbastei steht.

Allerdings nicht mehr lange, wenn es nach dem Willen der Leipziger Stadtplaner geht…

Die haben nämlich in aufwändiger Forschungsarbeit herausgefunden, dass an der Stelle der MB-Litfaßsäule bis 1945 das Denkmal von Albrecht Conrad Thaer thronte. Geschaffen wurde es übrigens von keinem geringeren als Ernst Rietschel, einem der bedeutendsten Bildhauer des deutschen Spätklassizismus. Sein Denkmal für Goethe und Schiller in vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe „Klassisches Weimar“, wobei gerne die gleichgroße Darstellung von Fritz und Johnny bespöttelt wird. J.W.G. war gegen F.W.S. nämlich eher ein kleines Licht, jedenfalls, was die Körpergröße angeht.

Nun ja, im Zuge der Neugestaltung der Fußgängerzone zwischen Moritzbastei und neuer Mensa soll nun der Herr Thaer wieder an seinen angestammten Platz und die Litfaßsäule (gibt es eigentlich noch eine ähnlich alte in Leipzig?) an einen anderen Ort verbannt werden. Für uns ist das nur latent erfreulich, verlören wir dadurch doch einen Werbeträger an einer der wichtigsten Einflugschneisen zur Innenstadt. Und die Leipziger einen langjährigen Treffpunkt!

Der Gipfel der Planung ist allerdings, dass direkt vor dem Eingang zu unserem Café eine dieser neumodischen Werbesäulen (den Namen des ehrwürdigen Herrn Litfaß wollen wir diesen, im Winter mit halbnackten wie -verhungerten H&M-Models bestückten Werbephallen mal nicht zusprechen) platziert werden soll. Direkt davor! Unsere verdiente Mitarbeiterin soll durch so ein junges Ding ohne Erfahrung und Charakter ersetzt werden!

Seht selbst und bildet – nein, keine Banden, jedenfalls vorerst nicht – euch ein Urteil:

[mygal=litfass07]

4 Kommentare

  1. jenny

    nee, nicht gut. ein greifendes argument gegen diese maßnahme wäre:
    der treffpunkt litfaßsäule wird bestimmt weiter bestehen, nur dann an der neuen. jedoch werden junge pärchenmenschen unter ernstzunehmenden erfolgsdruck leiden, wenn sie sich im schatten unrealistischer aussehenswunder treffen müssen, ergo ist frust vorprogrammiert, ergo keine beständigen ausgereiften beziehungen möglich, ergo keine babys etc. das schreckensszenario läßt sich beliebig weit fortführen. die alte frau litfaß ist da bedeutend genügsamer und natürlich fruchtbarer.
    wieder mal ohne weitsicht geplant.

  2. Bemüht man gängige Suchmaschinen, stößt man ziemlich schnell auf die Antwort, ob diese Säule verzichtbar ist oder nicht:

    Zum Beispiel diese hier:

    1. Fundort:
    http://www.deindatedoktor.de vom Mai 2005

    „[…] fahre mit ein paar Kumpels zum WGT – is irgendwer von euch dort auch vertreten? […]
    Treff:
    Moritzbastei an soner Säule
    14:00“

    2. Fundort
    http://www.wave-gothik-treffen.de

    „[…] Also ich würd als Treffpunkt die Litfasssäule vor der MB vorschlagen, die steht da an der Straße vor dem Platz vor der MB. Die ist wohl nicht zu verfehlen.[…]“

    GENAU!

    Stell sich einer mal das Szenario zum nächsten WGT vor! Tausende von herumirrenden Gotik-Fans in der ganzen Stadt! Auf der Suche nach ihrem Treffpunkt! Aber: nix. Dafür stehn da jetzt zwei dicke Metallheinze… Ich glaub da sind Ausschreitungen vorprogrammiert…

  3. jenny

    ich denke auch nicht, daß es im sinne des junkers thaer wäre, dort an der kargen betonecke zu stehen. immerhin hat der junker doch laut wiki den landfrauenverein büppel-nord gegründet. ihm wäre etwas acker unter den futten bestimmt genehmer. also ab in den angrenzenden park, da tummelt sich doch schon so einiges.

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