/ Autor: torstenreitler

Laut gegen Nazis

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Heute war eine Pressekonferenz der Kampagne „Laut gegen Nazis“ in unserem Hause. Rede und Antwort standen u.a. OBM Burghardt Jung, Smudo und Sebastian Krumbiegel.
Stimmen und Bilder seht ihr heute abend auf jeden Fall im MDR, auf SAT1 und bei RTL, am Montag sicher in der Dingens, äh, BUMS und der LVZ.

Mehr am Montag, ach, und das hier nicht zu vergessen.

So, heute ist Montag, hier also ein bisschen mehr:

Zuerst: Die Veranstaltung wurde anberaumt zum 17. Jahrestages der Ermordung von Amadeu Antonio in Eberswalde durch einen rechten Mob. Auf die Amadeu-Antonio-Stiftung wurde hingewiesen und – das war die einzig wirkliche Nachricht dieser Pressekonferenz – die Zusammenarbeit der Stadt Leipzig mit der Initiative „Laut gegen Nazis“ verkündet. Konkret wird das nächste Leipziger Stadtfest gemeinsam geplant – am besten mit Präsenz an „jedem Bratwurststand“ (OBM Jung).

Grundsätzlich: Eine gute Idee.

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob ich die kleinen Anfälle von Kopfschmerzen, die mich während der Pressekonferenz befielen, lieber für mich behalten sollte. Schadet es nicht dem Anliegen – die Gewinnung von Öffentlichkeit für das Thema – sich über die offensichtliche Schludrigkeit in Detailfragen lustig zu machen?

Nennen wir es mal Dilemma: Burkhard Jung und Smudo müssen sich nicht täglich dem rechten Mob stellen, und wenn, dann hilft ihnen ihre Popularität über die unangenehmsten Begleiterscheinungen einer solchen Begegnung recht schnell hinweg. Selbst Sebastian Krumbiegel, der von den dreien auf dem Podium die meiste „Feindberührung“ gehabt haben dürfte, kennt das Lebensgefühl linksorientierter oder gar farbiger Jugendlicher in sächsischen Kleinstädten nur aus dritter Hand. Womit all die Unterstützungsworte, die da so warm gesprochen wurden, ein wenig bemüht klangen und auswendig gelernt. Umgekehrt kann man es weder Jung noch Smudo oder Krumbiegel vorwerfen, dass sie nicht täglich von Nazis belästigt werden – wäre ja auch noch schöner. Authentisch wirkte diese Pressekonferenz in keiner Minute – dafür waren auch zu viele blöde Schusslichkeiten unter den Äußerungen.

Smudo hat das beste draus gemacht und die Krux der Veranstaltung thematisiert und gemeint, er würde viel lieber „doofe rechtskonservative Medieninhalte“ in der Mitte der Gesellschaft anprangern als Gewalt kahlgeschorener Skins. Letztere fänden nämlich alle irgendwie nicht ok, ersteres aber ginge bei den meisten als völlig korrekt durch. Nur leider wolle das eben niemand hören.

Im Großen und Ganzen aber überwog am Ende doch die Kraft der guten Absicht, auch wenn die meisten Medienmenschen wohl nur gekommen waren, um diese hübsche Konstellation auf dem Podium fotografieren zu können. Konkrete Nachfragen zum Thema: Keine Handvoll. Sehen wir es positiv: Schön, dass alle Journalisten und Journalistinnen so gefestigt in Sachen „Rechtsextremismus im Alltag“ sind, dass sie weiterer Informationen nicht bedürfen.

PS: Danke an Sebastian Krumbiegel, dass Du das Thor-Steinar-Ding so gewürdigt hast. Komm doch mal wieder bei uns vorbei. 🙂