/ Autor: torstenreitler

Ich war nicht (!) "aufm Konzi".

pk18_title.jpg

Reden junge Leute heute wirklich so? Ich will es irgendwie nicht so recht glauben… Für mich schwingt beim Wort (?) „Konzi“ immer ein wenig „ScheiÃ?egal, wer spielt, hauptsache Pogo!“ mit. Was mich nicht amüsiert.
Ja, ich bin jetzt in dem Alter, wo mich gewisse Respektlosigkeiten anpiepen. Nennt mich alt, nennt mich schrullig: Aber ich werde niemals im Leben auf ein „Konzi“ gehen. Ein Konzert ist ein Konzert ist ein Konzert. Ausrufezeichen!

Jedenfalls haben uns vergangene Woche die Ohrbooten, A heart is an airport, Polarkreis 18, die Paul Dimmer Band, David Scott und Norman Blake beehrt, Detlev Endruhn hat fotografiert und ich verspüre Drang, mich dazu zu äu�ern. Vorhang auf.

Bei den Ohrbooten, um es vorweg zu nehmen, bin ich nicht gewesen. Ich kannte ihre CD „Babylon by boot“ ein wenig und muss gestehen, dass sie mich nicht weiter erregt hat. Der Berliner sagt bei sowas „Dufte!“ und der Zuhörer kann sich dann aussuchen, ob das als Kompliment oder gegenteilig gemeint sein soll. Detlev, der die Fotos machte, bestätigte jedenfalls hinterher mein Vorurteil der „Musik für kleine Mädchen“. Wobei es – das muss gesagt werden! – auf jeden Fall unangenehmere Publika gibt. Aber schaut selbst:

[mygal=ohrbooten]

Alle Bilder: Detlev Endruhn.

Für Freude am Cafétresen sorgte dann mein Familienausflug am vergangenen Sonntag zu Polarkreis 18 und A heart is an airport. Au ja, das ist ein seltenes Bild, alles fragte gleich sorgenvoll, was wir mit unseren Kindern gemacht hätten. Blöde Frage, die waren wie immer im Keller eingeschlossen. Wir hatten also freie Bahn gen Amüsement.

A heart is an airport konnten ihrem Ruf als „heiÃ?ester ScheiÃ?“ zur Zeit in der Stadt in meinen Ohren nicht gerecht werden. Rick ging es übrigens ähnlich, der meinte im Vorrübergehen nur: „Also die gewinnen den Rockwettbewerb schonmal nicht.“ Was daran gelegen haben könnte, dass die Songs der wirklich beeindruckenden Stimme von Patrick Sudarski viel zuwenig Möglichkeit boten, sich zu entfalten. Dem Publikum widerum schien das egal zu sein, die Gerüchteküche sprach hinterher von 60 (!) verkauften Tonträgern. Für eine Supportband dürfte das MB-Rekord sein.

Wenige Minuten später rissen Polarkreis 18 die Macht in der Tonne mit einem überaus professionellen Set an sich, was ich im Vorfeld (â??bestgekleidete Schülerband Dresdensâ?? >>>) nicht unbedingt erwartet hatte. Jedoch erinnerte mich die herzerweichend-jugendlichen Reinheit besonders von Sänger Felix wieder einmal daran, dass fast zwanzig Jahre Business (bitte Bu-sieh-ness aussprechen!) von drinnen und drauÃ?en mir jegliche Sentimentalität in Sachen Musik gemopst haben. Eine Reihe hinter mir rief ein nebenbei kräftig drehender Zuschauer begeistert aus: „Geil, voll die Waldorfschule!“, als Felix sein Falsett unverstärkt ins Publikum sang. Noch erheiternder war allerdings, dass jemand in der fünften Reihe sich dazu aufschwang, Felix Hochtongesang mit Wolfsgeheul zu beantworten…
Ach, und für die Ansage mit dem „groÃ?en Geschäft“ war ich entweder zu verklemmt oder zu verklemmt. Oder beides.

[mygal=pk18]

Alle Bilder: Detlev Endruhn.

Blieb noch, einen Tag später, mein Besuch bei Sit down and sing Numero drei. Dabei interessierte mich das Gesicht eines Freundes beim Anblick von Teenage-Fanclub-Sänger Norman Blake beinahe mehr als Norman Blake selbst. Jener Freund nämlich dürfte einer der wenigen Leipziger Teenagefanclubologen Leipzigs sein (wobei noch einer in Reihe eins gesessen haben könnte). Dass er die Songs besser als Norman Blake selbst kannte („Das war nicht das erste Lied auf Bandwagonesque!) verstand sich von selbst. Messerscharf schloss er aus dem Alter von Blakes Tochter, zu deren Geburt dieser das groÃ?artige „I don´t want control of you“ geschrieben hatte und die zum Verdruss ihres Erzeugers heute als gothic girl My Chemical Romance den Velvet Underground vorzieht, dass eben jenes Lied schon zwei Jahre vor dem Album „Songs from Northern Britain“ entstanden sein musste!

Nach dem Konzert war mein Freund dann wieder ganz Mann: Keine Sentimentalitäten! „Ganz ok“ war das trockene Urteil, nachdem er stimmlos eine Stunde jeden Song mitgesungen hatte und er wohl keinerlei Aussicht darauf hat, Norman Blake in diesem Leben noch einmal näher zu kommen als an diesem Abend.

Die Paul-Dimmer-Band war übrigens auch da (gefiel mir) und David Scott gab sehr einnehmend den Spa�vogel des Abends, ein bisschen Ben-Folds-Stimmung verbreitend.

[mygal=sitdown]
Alle Bilder: Detlev Endruhn.

3 Kommentare

  1. ohrbooten-konzert-in-der-bastei-gewesener

    ohrbooten-bildunterschrift „Ehemalige StraÃ?enmusiker, erkennbar an der Klampfe.“ ist eher schwierig: die klampfe, die der mann da in den händen hält ist eine „gibson“ – kostet wohl mehrere TAUSEND euro 😉

    „… bestätigte jedenfalls hinterher mein Vorurteil der â??Musik für kleine Mädchenâ?? … “
    “ … Wobei es – das muss gesagt werden! – auf jeden Fall unangenehmere Publika gibt. … “
    – interessant, wie veranstalter öffentlich über ihre gebuchten bands und das zahlende publikum denken …

  2. Torsten

    ???

    Jeder Satz Deines Komments sagt nur eines: Über Humor kann man nicht streiten.
    Aber schön, dass Du hergefunden hast! 😉

Kommentare sind geschlossen.