/ Autor: torstenreitler

Der fünfte Mann

title1.jpg

In der Ankündigung des Mother-Tongue-Konzerts hatte ich eines meiner Lieblingskonzertfotos näher gebracht. Wie das Konzert gelaufen ist, hat euch ja Mühli schon erzählt, bleibt nur noch die Frage zu beantworten, ob Detlev noch einmal solche innigen Bilder gelungen sind…

Holen wir mal etwas weiter aus: Detlev hat bis letztes Jahr noch analog fotografiert und abgesehen von seinem Gespür für den „fruchtbaren Moment“ (so hat das unser gemeinsamer Fotografie-Dozent immer genannt, Dr. Jürgen Schlevoigt, falls das jemandem was sagt) hat eine technische Liebelei seinen Bildern diesen unverwechselbaren Reiz verliehen.
Gemeint ist das „Blitzen auf den zweiten Verschluss“ – klingt merkwürdig, bedeutet aber nichts anderes, dass ein und das selbe Motiv zweimal belichtet wird – einmal mit dem Umgebungslicht und einmal geblitzt. Dadurch bekommt das Motiv gerade bei Bewegungen eine unheimliche Dynamik, was mir sehr gut gefällt. Noch mal zur Erinnerung:

00-mother.jpg

Wie ihr sehen könnt, ist alles, was sich bewegt auf den ersten Verschluss „verwackelt“, der zweite Verschluß mit dem Blitz hat David Gould und Tommes die nötige Schärfe verliehen.

Nun ja, und nun hat der gute Detlev seit eben letztem Jahr eine Digitalkamera. Die kann viele tolle Sachen – nur nicht „Blitzen auf den zweiten Verschluß“. Das kriegen nur sehr, sehr teure Digicams einigermaßen ansprechend zustande…
Was sich auf die Lichtverhältnisse auf Detlevs Bildern leider sehr deutlich ausgewirkt hat, mit einem Blitz kann man unser Bühnenlich sehr gut „relativieren“. Ohne Blitz werden die Aufnahmen oft einfach nur rot, grün oder gelb.

Natürlich ist auch die typische „Körnung“ der Bilder verschwunden (kann man bei der Darstellung oben leider nicht so gut erkennen), Digitalbilder liefern eher ein Rauschen (das kennt ihr von komprimierten Bildern, sieht einfach gräßlich aus). Ich liebe Körnung – nennt mich konservativ und ewiggestrig, dazu stehe ich.

Was auch die Digitalkamera nicht kaputt bekommen hat ist Detlevs Gespür für den Augenblick – seht euch die Bilder an, und ihr versteht, was ich meine. Natürlich war er wieder der „fünfte Mann“ auf der Bühne, nicht alle Bands lassen das mit sich machen, aber bei Mother Tongue war es kein Problem. Danke, Männers!

[mygal=mother]

PS: Nachdem David Gould das Bild von 2003 gesehen hatte, wollte er es unbedingt gemailt haben – verstehe ich gut. 🙂