/ Autor: torstenreitler

Cineasten aufgepasst!

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Wir freuen uns ja sehr, am 17. August im Sommerkino einen der wichtigsten Vertreter des cineastischen Genres „Drug movies“ nach „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zu zeigen. In diesem Fim werden mehrere Schwerstabhängige drei Wochen mit der Kamera begleitet, wie sie versuchen, ihre Sucht vor sich selbst und den Zuschauern zu verbergen.

Herausgekommen ist dabei ein cineastisches Meisterwerk, in dem Regisseur Pepe Dankquart zwei Wahrnehmungsebenen perfekt miteinander verwebt. Die erste Ebene ist die des Dargestellten – junge Männer werden in öffentlichen und intimsten Bereichen ihres Lebens in der französischen Fremde gezeigt. Allein, ohne Familie, abgeschirmt und gleichtig unter ständiger Beobachtung der Öffentlichkeit, gehen sie ihrem Tagwerk nach. Die zweite Ebene ist die des nicht Gezeigten und nicht Gesagten – der Bereich des permanenten Suchtverhaltens der Protagonisten. Man darf sich das durchaus vorstellen wie einen Porno, in dem weder primäre noch sekundäre Geschlechtsmerkmale zu sehen sind. Von Darstellungen der Kopulation ganz zu schweigen.

Vielleicht bezieht der Film „Höllentour“ genau daraus seinen ganz besonderen Reiz – man weiß, alle handelnden Personen sind während des Drehs permanent „online“, aber keiner redet drüber. Die beiden Protagonisten, der Berliner Erik Zabel und der westfälische Bauer Rolf Aldag, ergehen sich in Frotzeleien über den Irrsinn ihres Lebens, die den Zuschauer durchaus zu erheitern wissen.
Beste Nebendarsteller sind übrigens Alexander Vinokourov, Jan Ullrich und Mario Kummer.

Wir freuen uns sehr auf diesen Abend. Im übrigen bekommt jeder, der ein gültiges Rezept für Erythropoetin oder einen spanischen Blutspenderpass vorweisen kann, freien Eintritt.

PS: Kein Witz ist übrigens, dass wir vom Verleiher und gleichzeitig vom Hauptverband Deutscher Filmtheater ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden sind, dass der Film seiner schockierenden Bilder wegen in der derzeit sensiblen Lage vielleicht besser nicht gezeigt werden sollte. Wir trauen uns trotzdem.

PPS: Wer richtig gute Drogeninfos sucht, dem empfehlen wir dieses Archiv.