/ Autor: muehli

„Mozart von hinten“ oder die „Zauberflöte rückwärts!"

Wie unbewusst kreativ Menschen doch werden können, wenn sie telefonisch Tickets für eine moderne Theaterinszenierung erstehen wollen. Ich bin sehr dankbar für die 3 Wochen Urlaubsvertretung im Kartenhäuschen der MB!
Mein absoluter Favorit der vergangenen Tag: „Ich möchte bestellen bei Ihnen, na hier… den Mozart….Mozart von hinten.“ Und nun wird da von einem erwartet, Bezug nehmend auf das Wort Kundenfreundlichkeit, nicht einfach mal laut loszulachen. Die „Zauberflöte rückwärts“ lässt sich da beim Bestellenden schon leichter gerade rücken. Den „Volker Insel“ wollten im Übrigen auch einige bestellen, ich hab ihn aber nicht am Telefon verscherbelt!
Aufgrund meiner positionsbedingten, vielfachen Feindberührung mit dem Thema „Sommertheater“, beschloss ich, diese Erfahrung durch offensives Verhalten meinerseits abzurunden. Ich reservierte mir für die vorletzte Veranstaltung am letzten Samstag einen Sitzplatz!!!


Und ich war gespannt, denn aktive Rockmusiker, zu denen ich mich zähle, wissen ja bekanntlich nicht viel vom Theater oder sogar von der Oper. Auch wenn das entfernt irgendwie mit Musik zu tun hat. Aus meiner schulischen Musikbildung ist mir aber hängen geblieben, dass es sich bei der Zauberflöte um eine eher banale Lovestory mit Happy End handelt. Da dies mein gesamtes Vorwissen diesbezüglich war, muss ich zugeben, dass ich inhaltlich streckenweise ausgestiegen bin. Pamina, Papageno, Sarastro, Tamino, später noch die Papagena, ganz abgesehen von den 2 silbernen Schrapnellen mit Dutt. So ganz war mir nicht klar, wer da nun auf wen scharf war (so ein bisschen altmodisches GZSZ!) und ob denn nun die Happy-End-Konstellation auch unbedingt längerfristig die bessere sein sollte. Aber spätestens an genau diesen Stellen kam dann die zweite Ebene des Stückes zum Tragen, aufgrund welcher es daher weder langweilig noch eintönig werden konnte. Man durfte zwischen den klassischen Operngesängen einerseits und den zugespitzten Alltags-Querelen der Theaterdarsteller andererseits hin- und her switchen. Streckenweise war es sogar etwas egal, was auf der (eigentlichen) Bühne passierte, da die Nebenhandlungen in den einsehbaren Künstlergarderoben mir wesentlich spannender erschienen. Vom musikalischen Leiter, der sich zusammen mit der Bühnenassistentin nebenbei gnadenlos die Kante gibt und letztendlich im Gestrüpp unseres Innenhofes landet, über Pamina – die verzweifelt ihre Kontaktlinsen auf dem (hoffentlich gefegten) Innenhof-Fußboden sucht und dann plötzlich mit Brille auf der Bühne steht, bis hin zu Schauspielerpärchen die nebenbei mal eben zum Schäferstündchen in der Künstlerkantine verschwinden.
Alles in allem hab ich mich, ähnlich wie die anderen Zuschauer, köstlich amüsiert und dass das Stück über 2 Wochen komplett ausverkauft war, spricht ja für den Bedarf solcher Theaterproduktionen. Und wem´s nicht gefallen hat, der muss nicht weinen, denn Kunst ist ja bekanntlich frei und reine Geschmackssache. Und das ist auch gut so!!!