/ Autor: josephine

Schnell leben – jung sterben.

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Ok, sie hatten einen schweren Start. Dank Stau und noch einiger dringlicher Angelegenheiten, die es vor dem Konzert zu absolvieren galt, trafen Joyside erst gegen 20 Uhr bei uns ein. Soundcheck im Wieseltempo, schnell was essen, noch mal fix ins Hotel. Kurz nach 22 Uhr startete dann das Konzert. Schrammelschrammel, klampfklampf. Erinnert mich – so rein von der musikalischen Orientierung her – ein wenig an die seligen Pavement (sie mögen in Frieden ruhn) – jedenfalls schlagen Joyside definitiv in die Kerbe „Proberaumsound“ was gesangliche Schieftöne angeht. Das mag ich, ein wenig Zurückhaltung am Lautstärkeregler wäre allerdings dem Sound und Hörspaß sehr zuträglich gewesen. Die Posen sitzen, die Bühnenpräsenz ist jedoch noch ausbaufähig.

23.08 Uhr war dann das Konzertende erreicht, wenige aber euphorische Zuschauer forden vehement eine Zugabe. Die kriegen sie – natürlich. Welche Band plant heutzutage noch Auftritte ohne Zugaben? Und so spielen Joyside dann auch ihren letzten Song im Repertoire – und dann schnell wieder runter von der Bühne. Damit lässt sich das Publikum natürlich nicht abspeisen. Erstaunlich, auf welchen Geräuschpegel eine solch überschaubare Menschengruppe kommt! Und tatsächlich: Nach einer kleinen Ewigkeit betreten die Musiker erneut die Bühne. „We don´t have more songs.“ Also gibt´s halt ´n Cover auf die Mütze. Auch schön.

Und irgendwie auch erstaunlich. Eine Band mit Anreisestrecke China-Deutschland und knapp 60 Minuten musikalischem Repertoire rockt eine Veranstaltungstonne, die gefüllt ist für 40 und tobt für 150. Da merkt man mal wieder, wie viel Gewicht die positive Feier-Grundhaltung der Zuschauer hat. Das war für mich irgendwie das heimliche Highlight des Abends.

Nach dieser zweiten Zugabe, bei der das Publikum endgültig Betriebstemperatur erreicht, lassen sich Joyside dann aber nicht noch mal erweichen, die Musik vom Band geht an und das Licht aus. Sehr schade, das. Da ging stimmungsmäßig definitiv noch einiges.

Ein Bier noch in geselliger Runde am großen Cafétisch und dann sind sie auch schon wieder wech, die Jungs aus der Volksrepublik.

Bejing Bubbles, der Film zum Phänomen „Punkrock in China“ läuft jedenfalls jetzt im Cineding – und der geht mit Sicherheit länger als das Konzert…

In Kategorie: Allgemein

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