/ Autor: torstenreitler

Eine Kiste Sekt

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They never come back… alte Boxerregel. Naja, seit Muhammad Ali längst nicht mehr unumstößlich, haben sich nun auch die Herren Makarios und Gumprecht entschlossen, ihre Band wieder von den Toten auferstehen zu lassen. Dazu allerdings gibt es eine Geschichte, die ich euch natürlich nicht vorenthalten darf!

Oder will. Geht ja schließlich um eine Kiste Sekt.
Jedenfalls verbindet mich eine lose, nun auch schon beinahe 20 Jahre währende Bekanntschaft mit Die Art. Angefangen hat alles mit diesem Konzert in der Turnhalle der damaligen Thomas-EOS(?) 1989 (oder war es 88?). Auftraten Die Anderen und eben Die Art, und das Konzert war nicht nur deshalb einmalig, weil es in einer Turnhalle stattfand, sondern auch, weil der Hausmeister gnadenlos darauf bestand, dass das Parkett nur in Turnschuhen betreten werden dürfte! Also zogen hunderte Punks und Grufties und Szenegänger (die damals auf mich noch sehr beeindruckend anrüchig und rebellisch wirkten) ihre dicken Treter aus und amüsierten sich in ihren löchrigen Strümpfen… Das war wohl mit der leiseste Pogo, der je in dieser Stadt getanzt wurde.

Nebenbei war dies mein allerallererstes „Rock“-Konzert überhaupt, sieht man mal von so eher pubertären Verirrungen wie einem Abend mit Formel 1 auf der Schönauer Parkbühne ab… Und mir haben Die Anderen besser gefallen als Die Art. Und ich habe mich sofort unsterblich verliebt in eine platinblonde Wiedergängerin Tracy Tracys von den Primitives, die – natürlich, das gehört zu unsterblicher Liebe auf den ersten Blick dazu – nicht im Traum daran dachte, mir nur eine Sekunde ihrer Aufmerksamkeit zu schenken.

In den Zeiten, in denen ich dem Irrglauben anhing, die Welt würde dringend auf meine musikalischen Bekenntnisse warten, gab es dann sehr schöne Begegnungen mit Makarios und Gumpi, von denen manche in der Erinnerung fast schon bizarr anmuten (ich sage nur: Silvesterurlaub auf Sylt. Genau. Sylt.). Makarios war jedenfalls ein freundlicher Begleiter, der uns Jungspunde hin und wieder als Support für Die Art hat auftreten lassen. Zu mindestens 5 Konzerten dieser Band habe ich unauslöschliche Erinnerungen (die allerdings weniger mit der Musik, sondern mit merkwürdigen Begegnungen im Umfeld zu tun haben. Im Haus Leipzig 1996 habe ich zum Beispiel Bert ein wenig zu Anne verholfen, weil ich gegen Bert die Wette gewann, an welcher Stelle in den Zugaben „Marian“ gespielt werden würde… Sowas, eben.) Und Makarios hat mir eine CD des limitierten Re-Issues von „Dry“ geschenkt, dafür bin ich ihm wirklich dankbar!

Aber zum Sekt: Am 22.12. 2001 spielten Makarios, Gumprecht, Tom und Conrad in de Moritzbastei ihr offiziell letztes Konzert als Die Art, unter den Abschiednehmern war auch meine Unerheblichkeit. Wie ich da so lästernd mit Tom Weber (einer der PNG-Väter) am Tresen stand, bot ich die Wette an, dass sich Die Art innerhalb der nächsten fünf Jahre auf jeden Fall würden wiedervereinigen. Auf JE-DEN! Um eine Kiste Sekt.

Im Dezember 2006 waren die fünf Jahre rum, und Makarios und Gumprecht dümpelten immer noch mit ihrer Band Wissmut herum. Zwischendurch gab es zwar ein Konzert im Line-Up des Abschiedskonzertes, und zwar in Dresden im Gare de la Lune, gemeinsam mit den unvergleichlichen Freunden der italienischen Oper. Aber das zählte irgendwie nicht als Reunion.
Lustigerweise gab es dann Ende November letzten Jahres einen kurzen Mailwechsel zwischen Makarios und mir, betreffs der Wette. Irgendwie konnte man das Ende von Wissmut und den Neuanfang als Die Art zwischen den Zeilen herauslesen, aber Makarios war sich überhaupt nicht sicher, wohin die Reise gehen würde. So endete ich freundlich mit: „Ich gebe euch mal noch 3 Jahre zum Nachdenken. ;-)“

Nun, drei Jahre haben sie nicht gebraucht, nicht einmal drei Monate. Das offizielle Comeback-Konzert ist für den 28.04. angekündigt, in Chemnitz. Ein neues Album soll es auch geben. Sieht also aus, als sollte ich meine Wette verloren haben – wenn auch nur knapp.
Knapp nicht nur wegen dreier Monate. Die Reunion soll ja im Wissmut-Lineup stattfinden, was höchstens die halbe Wahrheit ist (Spaßvögel würden sagen: „Das ist doch keine Art!“). Seit dem Ausscheiden von Christoph Heinemann schreibt die Band für mich eh ein anderes Kapitel ihrer Geschichte; meiner bescheidenen Meinung nach das zweitbessere. Allerdings kann das auch an meinen Jugenderinnerungen liegen…

Das Bild stammt übrigens aus den Anfangstagen der Band und wurde im Moritzbastei-Café aufgenommen. Ich bin mir nicht sicher, ob das am Keyboard Harald Martin sein könnte – dann stammt die Aufnahme aus den Jahren 84/85 und die Band nannte sich damals noch Die Zucht. (Sabines Kommentar war übrigens: „Och, wie niedlich.“)

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