/ Autor: torstenreitler

Sonntags, Messe

Am Sonntag sollte eigentlich Mario an einer Gesprächsrunde von Radio France International im Rahmen der Leipziger Buchmesse teilnehmen, die sich dem „Nationalstolz“ in Frankreich und Deutschland widmen sollte. Mario hat aber – Glück für ihn – Urlaub und so musste ich ran.
Klang auf den ersten Blick nach schwieriger Diskussion, war aber am Ende ein entspannter Ausflug aufs Messegelände. Auf dem Podium saßen eine Französin, ein Franzose mit deutschen Eltern (oder andersrum), eine Kollegin vom Netzwerk für Demokratie und Courage und meine Wenigkeit. Alle waren sich schnell einig, dass es kein Problem ist, sich in seiner Haut als Franzose oder Deutscher wohlzufühlen, wenn man denn die Kirche im Dorf lässt. Richtig interessant wurde es erst, nachdem die Mikrofone abgeschaltet waren. Da mischte sich ein Herr aus Madagaskar unters Podium, der in Frankreich und Deutschland gelebt hat und nun seit zwanzig Jahren in Prag zu Hause ist. In Frankreich wurde er anstandslos als Franzose akzeptiert, er spräche ja schließlich französisch. Wenn er allerdings irgendwo behaupten würde, er wäre Tscheche (der Mann war offensichtlich afrikanischer Herkunft) – da würde allerorten nur der Kopf geschüttelt und er für verrückt erklärt.

Ach ja, auf dem Weg zum Stand des RFI kam ich auch an einer Menschentraube vorbei, die gerade Sascha Lange und seinem Herrn Vater dabei zuhörte, wie beide über ihre Jugend in der DDR berichteten. In der Buchmessebeilage war ein Auszug aus „DJ Westradio“ zu lesen, und es tut mir leid: Sascha schreibt genau so, wie er Schlagzeug spielt: Mitleid erregend…
Keine Ahnung, warum dieser unreflektierte Quark so viel Aufmerksamkeit erhält, aber das habe ich bei Jana Hensels „Zonenkindern“ auch nicht verstanden. Bei Sascha Lange kommt allerdings dazu, dass sich unsere Lebensläufe in Abschnitten nicht unähnlich waren und wir uns auch in manchem Backstageraum begegnet sind.
Wahrscheinlich muss ich dann irgendwann doch noch ein aufschreiben, wie sie wirklich war, die wirkliche, unumstößliche und wahrhaftigste Wahrheit übers Pubertieren in der Vorwendezeit. Aber echt, jetze!
Himmelarschundzwirn.

1 Kommentar

  1. Hm. Sascha war heute bei der Weng Holster Show und über diesen Beitrag hier „not amused“. Der Wortlaut ist mir entfallen, aber irgendwie meinte er, wenn ich das Buch nicht gelesen hätte, dürfte ich sowas nicht schreiben.
    Das kann man natürlich so oder so sehen. Ich sehe es eben so. Klar darf ich!
    Hinterher war er Gast auf der Showbühne und ziemlich locker. Warum nicht gleich so, die Aufregung bin ich gar nicht wert. 🙂

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