/ Autor: josephine

Klassenfahrt und Generationenvertrag

Heute gibt´s zur Abwechslung mal eine Review von Hausfreund Philipp vom rilleralle-Kosmos… der war nämlich am vergangenen Samstag bei Supernichts/Düsenjäger. Fotos gibbet natürlich auch auch – aber erst, wenn ihr weiterlest…
Was habe ich mich gefreut auf diesen Abend. Nicht, dass das jetzt wieder so aussieht als wäre meine Wenigkeit so politisch korrekt, als dass ich prinzipiell wegen der Vorband auf Konzerte gehe und die Hauptband links liegen lasse, weil die Protagonisten kommerziell, gutaussehend oder alt sind – mit Nichten – heute Abend war es aber so und da war ich nicht der Einzige…

Düsenjäger betraten kurz nach 21.00 Uhr die Bühne und es bildete sich der berühmte Halbkreis. Mit dem neuen Album „Schimmern“ im Gepäck hat nun eine sehr gute Band auch noch die nötigen Hits in petto, um vollends zu überzeugen. Beim Punkrock Marke Düsenjäger geht es nicht um Frisuren, Recharge-T-Shirts oder Parolengedresche. Ihr Kosmos lebt von Moll-Akkorden, zurückgenommenem Gaspedal und Texten – nein kein emo – sondern welchen, die sprachlich gewandt das Älterwerden und dabei Jungbleiben, die Wut auf so vieles und auch die kleinen Katastrophen im Alltag in den Mittelpunkt stellen. Keine Befindlichkeitsfixiertheit oder gar die großen Gesten inklusive Publikumsanimationsgebaren – nö nö – Die Düsis aus Osnabrück sind einfach 4 Jungs jenseits der 25, die Freunde sind und sich gerne haben. Wenn dann noch gestreckte Arme in den ersten Reihen zu den Höhepunkten des Konzerts nach oben schnellen, um das Mitsingen bei „Every Day is like Monday“ oder „Keener“ zu untersteichen, sind alle glücklich – die Band und das Publikum. Nach knapp 50 Minuten war Schluss. Rauf auf die Bühne, Kabel rein, Spielen, Spielen, Spielen, Danke und Runter. So muss das sein.

Irgendwie kündigte sich nun ein Generationenvertrag Marke Punkkonzert an. Ein unausgesprochenes Abkommen: Ihr habt uns fein den Kopf nicken lassen und nun lassen wir euch Pogo tanzen.

Das Düsenjäger-Publikum verließ den Saal und das Supernichts-Publikum trat ein. Es war irgendwie wie Klassenfahrt. Die Abschlussfahrt vor dem Abi verließ das Landschulheim während die komplette Klassenstufe 8 den Diskosaal im Erdgeschoss betrat. Verwunderlich – sind doch Supernichts schon seit 1993 mit ihrem Super-Asi-Pop (Eigenaussage) unterwegs. Draußen am Tresen outeten sich so einige: „Ja die erste Single ist echt cool und die Split mit Knochfabrik auch, aber die neuen Sachen finde ich doof. Ist alles so funpunkmäßig.“ Die neuen Sachen sind demnach alles nach 1997 – 10 Jahre – nun und ein feiner Sound klar und die Jungs wissen auch wie man 3 Akkorde so zusammensetzt, dass der Fuß unweigerlich wippen muss – aber – und da stellen sie sich ein Bein: Supernichts wollen witzig sein, sind es aber oft nicht so wirklich. Ob nun Songs über Ingo Dubinski oder den Aldi auf Sylt – es ist irgendwie bemüht. Was bei Knochenfabrik oder jetzt Chefdenker eben die Draufsicht ohne „das Sich Erheben“ ist und die Ironie aus jedem Akkord respektive jeder gesungenen Silbe trieft, ist bei den Kölnern von Supernichts – unterstrichen durch kollektives Tragen von Pullundern inklusive Flying-V-Gitarre – etwas zu flacher Jecken-Humor für Karnevalsverweigerer aus dem Königreich August des Starken.

Eine schöne Pogo-Party für die jüngeren Semester und der Respekt der alten Garde vor der Courage auch nach über 15 Jahren immer noch auf einer Bühne zu stehen und dieses Animationsprogramm Punkkonzert derartig zu zelebrieren. Vielleicht fragen sich auch Supernichts nach dem Konzert wo eigentlich die Leute waren die 1993 auf ihren Konzerten waren und warum heute nur Leute da sind, die 1993 geboren worden. Kein Vorwurf nur eine Feststellung. Irgendwie ist bis auf Labelwechsel (Vitaminepillen zu Impact) in den letzten 15 Jahren nicht viel passiert. Ebenfalls eine Feststellung kein Vorwurf. Es muss auch solche Bands geben und live ist das ja auch alles durchaus streckenweise unterhaltsam aber eben nichts für ins Herz schließen und nicht wieder loslassen. Der Klassenstufe 8 hat es gefallen. Die alten Säcke meckerten nicht, sondern fühlten sich erinnert an früher (war sowieso alles besser) und hielten aus oder schwelgten in Erinnerungen. Ich nehme dann mal noch eins…

Das hat doch auch was für sich.

[mygal=duesen]

In Kategorie: Fotogalerien

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2 Kommentare

  1. Richter

    Also ich bin doch ziemlich überrascht – das ist ja wohl völliger Quatsch oder seit wann ist Langeweile und Humorlosigkeit das Maß aller Dinge? Im Gegensatz zur Vorband hat Supernichts hier einen von allen anwesenden Generationen respektierten, astreinen Gig hingelegt, der einer der besten war, die ich in der Bastei gesehen habe. Abgesehen davon sind gerade die letzten Platten großartig. Um Songs wie W.A.LD., Alles muß raus oder Suzan hinzukriegen müssen düsenjäger sicherlich noch ein paar jährchen arbeiten. Da ist der autor offensichtlich nicht nur was Humoreinschätzung angeht wohl nicht so ganz auf dem Laufenden…

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