/ Autor: torstenreitler

Ende. Gut.

Dass nun auch noch Augusto Pinochet nicht mehr ist, setzt dem Ganzen die Krone auf. Wo ist sie hin, die Jugendzeit? Als Knirps wurde uns so schön erklärt, was Gut und Böse ist, und Augusto Pinochet war der Inbegriff des Schlechten. Heute hasst der gemeine Gutmensch die USA wegen Irak und Kyoto, in den 80er Jahren wegen Pinochet. Oder den „Contras“ oder der Intervention in Grenada. Oder wegen Ronald Reagans Mikrofontests. Oder wegen Ronald Reagan überhaupt.

Andererseits gibt es ja kaum etwas Schöneres als den Umstand, dass mit dem Namen Augusto Pinochet heute nur noch so alte Knacker wie ich etwas anfangen können. Heißt ja immerhin, daß dieser Hund wie seine Buddies Ronald und Margaret dem Vergessen anheim fallen.
(Nein, ich will jetzt hier nicht darüber sinnieren, ob man sowas „vergessen“ sollte. Aber manchmal ist Erinnern auch zu viel der Ehre.)

Die aktuelle Pr… (jetzt hatte ich schon „Prinzessin“ geschrieben, mein Gott!) Präsidentin von Chile studierte übrigens wegen Augustos etwas handfestem Umgang mit politischen Widersachern in Leipzig Germanistik. Michelle Bachelet war letztens zu Besuch und bekam die Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig verliehen, wir durften sie zu diesem Anlass mit unseren leckeren Pausensnacks füttern. Ob sie während ihres Studiums gemeinsam mit Angela Merkel den Schutt aus der Moritzbastei geschippt hat, ist nicht überliefert. Wäre auch eine zu schöne Geschichte…

Jedenfalls ist Augusto nun bei seinem Herrn; wir müssen eben doch alle sterben. Und wenn ich es recht bedenke, ist es weder schade um ihn noch darum, dass die Zeiten vorbei sind, in denen mir die Entscheidung darüber, was Gut und Böse ist, mit einer an Impertinenz grenzenden Fürsorglichkeit abgenommen wurde. Naja, im Falle Pinochet hat es wohl weder mir noch ihm geschadet. Die Welt ist manchmal eben doch ausgleichend ungerecht.