/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Dezember

Ja, es ist wieder soweit. Weihnachten.
Josi sprach vom Schrecken, der durch Wiederholung den Charakter eines runnging gags bekäme. Ich bin ja eher so der wertkonservative Typ, der ohne Tannenbaum, Rumtopf und gefüllte Pulsnitzer Lebkuchen den Dezember nicht überleben würde.
Im Editorial unseres Dezemberheftes geht es aber um etwas ganz anderes, wie ihr gleich lesen könnt:

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Der November ist der Monat der Faulheit. Nur dafür wurde er in den Kalender aufgenommen: um ihn möglichst ungenutzt verstreichen zu lassen. Wie töricht sind wir, die wir uns nicht einfach ins Schlafzimmer einschließen, das miese Wetter einfach miese wetternd vorbeiziehen lassend! Wie bedauernswert sind wir, die wir unsere Telefonrechnung auch diesen Monat über die Grundgebühr hinauswachsen ließen! Wer die Novembrigkeit nicht nutzt, um schlemmend, schlafend und sherryschlürfend und keineswegs gesellschaftsfähig bekleidet zwischen hochaufgetürmten Kissen zu vermuffeln, dem ist nicht zu helfen (ok, statt Sherry darf es auch Port oder ähnlich süßlich-suffisantes sein. Hauptsache, es klebt)!
In längst vergangenen Zeiten waren nur Frühling und Sommer die natürlichen Feinde feinsinniger Faulpelzigkeit. Heutzutage fragt man sich, wofür jedes Jahr all die tausenden Bücher geschrieben, all die Langspielplatten aufgenommen und all die Comichefte vollgezeichnet werden. Kein Mensch mehr gönnt sich die Zeit, sich diesen Dingen so lange zu widmen, bis er sie mit Würde dem Regal zum Verstauben übergeben kann! Unternehmungsgeist ist der Totengräber der Menschheit, jedenfalls, solange 90 Prozent der Unternehmungen purer Unfug sind.
Der November ist dazu da, seiner Schambehaarung beim Wachsen zuzuhören. Mit angenehmen Menschen möglichst bewegungsarme Liebestechniken zu vervollkommnen. Strom, Wasser und überhaupt: Energie zu sparen. Wozu? Nun, schaut aus dem Fenster: vorbei! Es weihnachtet sehr! Wer jetzt noch Ruhe finden will, muss lange suchen. November, wir werden dich vermissen…