/ Autor: torstenreitler

Trans Europa Bastei

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Wir waren in Bremen beim Trans-Europe-Halles-Meeting. Neben allen möglichen und anderen Erkenntnissen habe ich mir auch irgend einen Virus eingefangen, jedenfalls ernähre ich mich gerade von Cola, Weissbrot und Bananen. *Bäh*
Was ich euch verraten kann, hat was mit Frankreich, einer Sommeruniversität, einem Problem in Dänemark und mit euch, dem Publikum, zu tun.

Zu allererst: Wenn ihr einst nach Bremen kommen solltet: Besucht den Schlachthof! Am besten bei einem Konzert in der Kesselhalle, die ist wirklich der Hammer! (Schlachthof-Booker Jörg erzählte mir, Tocotronic hätten beschlossen, jede ihrer Touren hier zu beginnen. Weil das Publikum hier „wie eine Wand“ vor der Bühne stände. Versteh ich!)

Das Thema der Workgroups war Audience Development. Klingt erst einmal nach furchtbarem Marketingsprech, hat es aber in sich. Im Kern bedeutet „Publikumsentwicklung“, Barrieren abzubauen, die Menschen mit Kulturinteresse davon abhalten, zu Kulturveranstaltungen zu gehen. Das sind bei weitem nicht nur die Eintrittspreise. Soziale Muster, Statusfragen und Bildungsängste spielen ebenso eine Rolle wie Erwartungen und Vorurteile. Wie knackt man diese auf? Wie überzeugt man Leute, die zum ersten Mal die Moritzbastei besuchen, wieder zu kommen? Das wird uns noch eine Weile beschäftigen, kann ich euch sagen.

Dass und wie sowas klappen kann, führte unter anderem Jaqueline Contré für artsites aus Birmingham vor. Dort gibt es zwar sehr spezielle Umstände (Stadtstruktur, Migration, Arbeitslosenrate), aber die Herangehensweise ist sehr mutig. Alles läuft über persönliche Kontakte – es gibt kaum oder wenig „Werbung“ oder „Marketing“ im herkömmlichen Sinne. Die Menschen sollen überzeugt werden, und am besten klappt das durch andere Menschen, denen sie vertrauen. Ist viel Arbeit, geht auch schon über 8 Jahre so. Scheint aber zu klappen, Respekt!

Ein weiterer Grund für unsere Fahrt nach Bremen waren die Planungen für unsere Woche der französischen Kultur im Juni 2007. Wir wollten einfach Kontakte knüpfen zu Künstlern, möglichen Partnern, Sponsoren… War nicht ganz so einfach, weil die europabegeisterten Kulturfranzosen sich eher nicht so sehr für „französische“ Kultur interessieren. Naja, wir werden sie schon überzeugen…

Ein Projekt hat sich ganz spontan ergeben: die Trans-Europe-Halles-Sommeruniversität 2009. Angedacht ist eine Art Camp mit Kulturmachern aus ganz Europa, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen weitergeben. Und weil die Universität Leipzig 2009 ja groß Geburtstag feiert, könnten sich da auch ganz schöne Kooperationen ergeben. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Nicht zu vergessen: Während des Meetings wurde spontan und ohne Vorwarnung das HUSET in Arhus geschlossen. Wir haben dagegen protestiert, ihr könnt das auch tun unter: https://savehuset.underskrifter.dk.

So. Ich hoffe, das war jetzt der allumfassende Bericht, der Josi vorschwebte. Wenn nicht: Nobodys perfect…