Alle Artikel in der Kategorie “MB-Aktuell

Aktuelle Nachrichten und Hinweise, die Moritzbastei betreffend.

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/ Autor: torstenreitler

Eiszeit

In der Moritzbastei werden bis Ostern zum 20. April 2020 keine Veranstaltungen stattfinden können. Unser Café Barbakane ist noch täglich von 10-16 Uhr geöffnet, aber es ist absehbar, dass mangels Kundschaft die MB in Kürze komplett geschlossen bleiben muss. Ab dem 19.3. ist die Moritzbastei komplett dicht. Wir halten euch über alle Entwicklungen, die MB betreffend, auf dem Laufenden.

Was bedeutet das? Die Moritzbastei erhält keine institutionelle Förderung von der Stadt, dem Freistaat oder anderen Instanzen. Alles Geld, das wir für den Erhalt des Kulturdenkmals, unser Programm und alle Löhne und Gehälter ausgeben, müssen wir vorher verdienen. Aktuell gibt es keine Einnahmen, die Ausgaben laufen weiter.

Wir denken und planen in kurzen Zeiträumen. Wir hoffen auf ein Ende der Veranstaltungseinschränkungen bis spätestens Ende Mai. Für alle festangestellten Mitarbeiter:innen wurde Kurzarbeit Null beantragt. Unseren Mitarbeiter:innen auf Minijob- und Honorarbasis fallen auf nicht absehbare Zeit alle Dienste und damit Einnahmen aus. Alle Betriebskosten werden auf ein Minimum reduziert, alle Aktivitäten gestoppt.

Wie lange kann die Moritzbastei eine solche Eiszeit überleben? Keine Ahnung. Optimistisch, wie wir sind, gehen wir von einer Besserung der Situation zum Sommer aus und hoffen darauf, dass viele ihr Kultur- und Ausgehdefizit in der zweiten Jahreshälfte ausgleichen wollen. Trotzdem müssen wir damit rechnen, bis zu 30 Prozent unseres Jahresumsatzes zu verlieren. Vielleicht wird es sogar mehr. Hoffentlich weniger. Was ein solcher Einbruch langfristig bedeutet, können wir im Moment noch nicht einschätzen.

Als alteingesessenes, überregional bekanntes und bestens ausgelastetes Kultur- und Veranstaltungszentrum sind wir da noch in einer vergleichsweise komfortablen Positition. Die meisten anderen Clubs und nichtgeförderten Veranstaltungorte in der Stadt haben deutlich schlechtere Voraussetzungen, um eine Krise solchen Ausmaßes zu überstehen. Die Moritzbastei setzt sich seit Jahren in Initiativen wie Leipzig plus Kultur und der IG LiveKommbinat für die Interessen der Freien Kulturszene und der Clubs und Musikspielstätten dieser Stadt ein. Das werden wir in den kommenden Wochen und Monaten noch stärker tun. Zeit dafür haben wir ja jetzt.

Wir halten euch hier und in den sozialen Medien auf dem Laufenden. Ihr als unser Publikum, unsere Freund:innen und Unterstützer:innen könnt uns und alle anderen in der freien Kultur- und Clubszene unterstützen. Wie das möglich sein wird, geben wir zu gegebener Zeit bekannt.

Haltet uns die Treue, bleibt gesund und solidarisch mit euren Mitmenschen. Bis hoffentlich bald!

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/ Autor: torstenreitler

Improvisation als Kunst

Das 29. Bundesweite Jazz-Nachwuchsfestival „jazz talentZZ“ steht vor der Tür. Ob es da auch bleiben muss, entscheidet sich in den kommenden Tagen. Wir tun so, als ob und geben euch schon mal einen Ausblick auf das, was möglich wäre.

Die ersten Planungen für ein Bundesweites Jazznachwuchsfestival in Leipzig wurden im Jahr 1990 in Angriff genommen. Was genau der Auslöser für ein solches Projekt war, ist nicht dokumentiert. Vermutet werden darf auf jeden Fall, dass die Wiedervereinigung und der Gedanke, junge Menschen aus Ost und West zusammenzubringen, präsent gewesen sein dürfte. Leipzig war eines der wichtigsten Zentren für Jazz in der DDR, und mit diesem Pfund in der Hand wollte man aufbrechen zu neuen Ufern.

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/ Autor: torstenreitler

Fragen und Antworten zu Covid-19 und der MB

Covid-19? Corona? Die Moritzbastei ist eine öffentliche Einrichtung. Normalerweise stecken wir Menschen mit Begeisterung für Musik, Theater, Literatur und Kunst an und freuen uns, wenn sich Begegnungen jedweder Art ergeben. In Zeiten einer Krankheitswelle wie der aktuellen Covid-19-Epedemie müssen wir uns natürlich auch anderen Ansteckungsrisiken stellen und viele Fragen beantworten. Die wichtigsten beantworten wir euch in diesem Beitrag.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in der Moritzbastei?

So hoch, wie an allen geschlossenen öffentlichen Orten, an denen Menschen zusammenkommen. Wir halten natürlich alle Hygiene- und Seuchenschutzkriterien ein, unsere Mitarbeiter sind informiert und sensibilisiert. Die Gefahr einer Ansteckung ist gegeben, auch wenn wir sie aktuell für überschaubar halten.

Fallen jetzt alle Veranstaltungen bei euch aus?

Nein. Alle geplanten Veranstaltungen finden bis auf weiteres wie geplant statt. Sollte es Absagen geben – aktuell besonders betroffen sind die geplanten Lesungen im Rahmen der Buchmesse – , informieren wir darüber umgehend auf unserer Webseite und durch die sozialen Medien.

Wie können sich unsere Gäste in der Moritzbastei schützen?

Jeder Gast kann sich bei uns die Hände mit Wasser und Seife waschen. Zeitnah stellen wir auch Handdesinfektionsmittel für Gäste zur Verfügung. Ansonsten sind alle unsere Mitarbeiter:innen aufgefordert, ihrer Informationspflicht nachkommen bzw. einen Arzt zu konsultieren, wenn sie erkrankt sind. Gleiches gilt, wenn sie Kontakt mit einer sicher mit dem Covid-19-Virus infizierten Person hatten.

Wie kommuniziert die Moritzbastei die aktuelle Lage?

Grundsätzlich wollen wir besonnen mit der Situation umgehen und keine zusätzliche Aufregung verbreiten. Wir informieren wir unsere Gäste nur dann, wenn es tatsächliche Änderungen in unserem Programm oder Einschränkungen gibt. Das geschieht durch Aushänge im Haus, auf unserer Webseite und in den sozialen Medien. Natürlich können Gäste auch unserer Mitarbeiter:innen jederzeit ansprechen.

Intern gibt es bis auf weiteres ein tägliches Briefing für alle Bereiche zur aktuellen Entwicklung.

Was können Gäste zum Schutz vor Ansteckungen beitragen?

Es wäre natürlich sehr schön, wenn auch unsere Gäste die üblichen Hygienemaßnahmen einhalten würden. Dazu zählt vor allen Dingen das gründliche Händewaschen! Bitte überlegt euch, ob ihr auch mit einer Erkältung oder unklaren Krankheitssymptomen zu uns kommen müsst. Natürlich will niemand seine:n Lieblingskünstler:in verpassen! Besonders, wenn man schon ein Ticket gekauft hat. Wenn ihr euch aus gesundheitlichen Gründen unsicher seid und lieber zu Hause bleiben möchtet, um niemanden anzustecken, bieten wir euch an, euer Ticket zu erstatten. Dafür meldet euch bitte VOR der Veranstaltung unter info@moritzbastei.de.

Die aktuelle Krankheitswelle birgt natürlich große wirtschaftliche Risiken für eine Einrichtung wie die Moritzbastei. Wir leben schließlich davon, dass sich möglichst viele Menschen bei uns treffen. Abgesagte Veranstaltungen oder aus Verunsicherung fernbleibende Besucher:innen bedeuten reelle Umsatzeinbußen. Ein Kulturunternehmen wie die Moritzbastei, das nicht profitorientiert und ohne institutionelle öffentliche Förderung arbeitet, trifft eine solche unvorhergesehene Krise natürlich besonders schwer. Insofern hoffen wir auch auf euer Verständnis und euer Vertrauen in unsere Arbeit. Wenn ihr Fragen zu dem Thema habt, könnt ihr euch gerne bei uns unter info@moritzbastei.de melden.

Ansonsten – bleibt gesund und bis hoffentlich bald!

/ Autor: torstenreitler

Nicht nur Freitags!

Wir sind verliebt. Auch im neuen Jahr 2020, und zwar an jedem Tag. Naja, fast jeden. Das hat aber nichts mit dem Wochentag zu tun, sondern eher mit den Realitäten des Alltags. Kennt ihr ja. 😉

Verliebt in die Möglichkeiten, die uns ein Ort und eine Struktur wie die Moritzbastei bieten. Menschen arbeiten, damit andere Menschen tolle Momente erleben können mit Kunst, Kultur, Konzerten, Partys, Theater, Kino, Ausstellungen. Kneipenabenden mit Freunden. Familienfeiern, Firmenfesten, Weihnachtsevents.

Für 2020 haben wir uns wieder einiges vorgenommen, auch hinter den Kulissen. Wir wollen unsere Webseite aktualisieren (das wird dann auch den Basteiblog tangieren). Fun fact: Die Moritzbastei-Webseite hat im vergangenen Dezember ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert! Das Jazznachwuchsfestival im April wird in seinem 29. Jahr einen organisatorischen und visuellen Neustart wagen. Das zweite Leipzig Pop Fest im Juli wird beweisen müssen, dass der letztjährige Erfolg keine Eintagsfliege war. Wir werden weiter an unseren Partykonzepten arbeiten (müssen), die Generationen XYZ sind weitaus größere Stubenhocker, als ihre Vorfahren. Neue Veranstaltungsformate wollen ausprobiert werden, wir verabschieden uns von langjährigen Kollegen und heißen sicher wieder viele neu in unserem Gastroteam willkommen.

Zwischen all diesen Vorhaben bleiben tatsächlich noch Lücken für Engagement – wir werden wieder das Courage-Festival veranstalten, den Kulturleben e.V. und unser Kinderteam vom Roten Stern Leipzig unterstützen, aktiv sein im LiveKommbinat e.V. und der Initiative Leipzig Plus Kultur. Oder einfach nur Spaß haben, wie beim Neujahrssingen der Leipziger Gastronomen und Medienvertreter*innen im Felsenkeller am 4. Januar.
Obwohl. Auch da floss der Erlös einem guten Zweck zu. Alle Gewinne wurden an die Leipziger Tafel weitergereicht.

Wir freuen uns auf ein tolles Jahr 2020 mit vielen Tagen, die in (hoffentlich bester) Erinnerung bleiben werden. Nicht nur Freitage!

/ Autor: torstenreitler

Zufallsfund: Der Sozialismus der Neunziger Jahre

Vor einiger Zeit tauchte beim Umzug des Moritzbastei-Verwaltungsbüros eine selbstgebrannte CD auf. Darauf war der handschriftliche Vermerk „Hörfunk Sendung 1989 zur Bastei / NT (oder VT) 1999“ zu lesen. Die CD lag eine Weile auf meinem Schreibtisch, ein CD-Laufwerk hat keiner der Rechner im MB-Büro mehr. Als sich endlich die Gelegenheit fand, zu Hause in die CD reinzuhören, offenbarte sich eine faustdicke Überraschung: bei der Hörfunksendung handelt es sich um ein Radiofeature von 1996, das auf der Tondokumentation einer Podiumsdiskussion in der Moritzbastei vom 15. Oktober 1989 basiert.

Das Foto oben könnte von dieser Podiumsdiskussion stammen, im MB-Archiv findet sich keine nähere Zeit- und Ortsangabe dazu. Der Rektor der Universität hatte zu dieser Diskussion unter dem Titel „Der Sozialismus der Neunziger Jahre“ geladen, fast 2000 Menschen wollten sich an diesem 16.10.19 darüber austauschen, wie es nach der ersten Großdemonstration des Herbstes 1989 weiter gehen sollte mit ihrer Gesellschaft und ihrem Land.

Das Tondokument gibt die Atmosphäre, die Widersprüche und die Erregung dieser Herbsttage so unmittelbar wieder, dass man versucht ist, den Atem anzuhalten beim Zuhören. Wir danken dem MDR und Autor Matthias Thalheim, dass wir die Sendung, die unter dem Titel „Als gestern heute war“ erstmalig am 1.10. 1996 ausgestrahlt wurde, hier noch einmal wiedergeben dürfen.

MDR-Feature: „Als Gestern Heute war“ vom 1.10. 1996. Autor: Matthias Thalheim.

Mit der Transkription der Einführung in das Tondokument, die noch einmal die historische Situation des Spätsommers und des Herbstes des Jahres 1989 aufziehen lässt, beenden wir diesen Beitrag zur Moritzbastei-Geschichte. Sprecherin ist Maria Dahms.

Vielerorts und vielfältig wird in diesen Wochen an den Herbst `89 erinnert. Auch wir werden in dieser und den folgenden zwei Sendungen auf dieses Thema eingehen. Am Anfang soll eine Sendung von Matthias Thalheim mit einem Tondokument aus Leipzig stehen, die wir im Oktober 1996 erstmalig gesendet haben.

Ich weiß nicht, wie es ihnen geht. Aber inzwischen hat man beim Erinnern an den heißen Herbst `89 schon eine gewisse Mühe, die Ereignisse in die richtige Abfolge zu bringen. Also versetzen wir uns zurück in den Spätsommer des Jahres 1989.

Am 19. August: Massenflucht von über 500 DDR-Bürgern bei Sopron nach Österreich. Mitte des Monats treten die Bürgerbewegungen Neues Forum, Demokratie jetzt und Demokratischer Aufbruch an die Öffentlichkeit. Ende September demonstrieren in Leipzig im Anschluss an das Friedensgebet in der Nikolaikirche erstmalig 5000 Menschen auf dem Promenadenring. Nach den Reiseeinschränkungen für Ungarn werden die DDR-Botschaften in Warschau und Prag belagert, den Besetzern in Prag wird schließlich die Ausreise zugesichert. Gleichzeitig wird am Dienstag, den 3. Oktober, der visafreie Reiseverkehr in die CSSR gestoppt. Die Züge aus Prag werden über Dresden geleitet wo es am Hauptbahnhof zu schweren Auseinandersetzungen mit Polizei, Kampfgruppen und Staatssicherheit kommt. Diese Auseinandersetzungen halten bis zum Wochenende an.

Zum 40. Jahrestag der DDR, der am Sonnabend, den 7.Oktober gefeiert wird, werden hunderte von Gegendemonstranten festgenommen. Am Montag, den 9. Oktober, sind die Blicke aller nach Leipzig gerichtet. Es kommt, obwohl nach den Ereignissen der letzten Tage mit dem Schlimmsten, dem Schusswaffeneinsatz gerechnet werden muss, zur bisher größten nichtgenehmigten Demonstration in der Geschichte der DDR. Etwa 70.000 Menschen nehmen an ihr teil. Sie verläuft ohne ernste Zusammenstöße. Vorausgegangen war ein Besonnenheitsaufruf von SED-Funktionären und Künstlern, darunter Kurt Masur und Bernd-Lutz Lange.

Das inzwischen historische Tondokument, das sie nun in Ausschnitten hören werden, stammt vom darauffolgenden Sonntag, den 15. Oktober 1989. Der Rektor der Karl-Marx-Universität Leipzig, Professor Horst Hennig, hat zu einem politischen Frühschoppen um 10 Uhr in den Studentenklub Moritzbastei eingeladen. Thema: „Der Sozialismus der Neunziger Jahre“. Auf der Bühne der überfüllten Veranstaltungstonne haben neben dem Rektor zwei Unterzeichner des Aufrufs vom vergangenen Montag Platz genommen. Roland Wötzel, Sekretär der SED-Bezirksleitung, und der Kabarettist Bernd-Lutz Lange. Der vierte in der Podiumsrunde ist der Theologe Professor Kurt Nowak.

An die 2000 Leipziger sind an die Moritzbastei gekommen. Das Gespräch muss in die ebenfalls überfüllten Gewölbe per Lautsprecher übertragen werden. In der Luft liegt die Frage, wie es am morgigen Montag weitergehen wird. Das Neue Forum ist eine verbotene, als staatsfeindlich deklarierte Gruppierung. Die offizielle Zulassung des Forums, das vier Wochen später am 8. November erfolgen wird, ist zu diesem Zeitpunkt nicht in Sicht.

/ Autor: torstenreitler

Stay on top, Leipzig Pop Fest!

Über 1000 Leute waren am 23./24. August in und auf der Moritzbastei unterwegs, als das erste Leipzig Pop Fest über die Bühnen ging. Zehn Bands, vier Diskussionsforen und drei DJ-Teams loteten aus, was die Popmusikszene dieser Stadt ausmacht. Ein Blick zurück und einer nach vorn.

Der Ausgangspunkt war das Ende von „Der Grosse Preis – Leipzig sucht die Bands des Jahres“ im Januar 2018. Damals wollten wir „Platz für etwas Besseres“ schaffen, denn Read More

/ Autor: torstenreitler

Du zählst!

Ein Kollektiv Leipziger Künstler*innen hat die Aktion „Du zählst!“ gestartet. Vordergründig ist das nur eine Webseite, auf der ein Countdown läuft. Auf dem Screenshot oben waren es demnach noch 17 Tage, 5 Stunden, 20 Minuten und 2 Sekunden bis zum 1. September, 18 Uhr.  Also genau dem Zeitpunkt, zu dem die Wahlbüros zur Landtagswahl in Sachsen schließen werden.

Der Name der Aktion sagt es: Du zählst. Jede Stimme, die am 1. September abgegeben wird, ist wichtig. Wir als Moritzbastei unterstützen diesen Aufruf, denn auch wir sind überzeugt, dass öffentliches Handeln nur demokratisch legitimiert stattfinden sollte. Eine Regierung, die aus einer Wahl mit hoher Wahlbeteiligung hervorgeht, ist auf jeden Fall besser verwurzelt als eine,  die nur mit wenigen Stimmen gewählt wurde.

Wen ihr wählt, ist natürlich nicht egal. Wer sich nicht sicher ist, kann zum Beispiel einen Wahl-o-mat befragen (auch die Webseite duzaehlst.org verlinkt darauf). Oder Wahlprüfsteine verwenden, die Konferenz Sächsischer Studierenschaften bietet einen bezogen auf die Hochschulpolitik an. Die IG Livekommbinat  wird ihren zu freier und Clubkultur in Sachsen am 23. August beim Leipzig Pop Fest in der Moritzbastei vorstellen.

Grundsätzlich sollte man sich natürlich von seinem gesunden Menschenverstand leiten lassen. Leider bekommt mensch nicht selten den Eindruck, dass wir kurz vor der Apokalypse stehen bei allem, was medial so verbreitet wird. Facebook, youtube, Zeitungen, Radio, Fernsehen – die meisten Meldungen überbieten sich in Szenarien, die ausmalen, wie schrecklich alles werden könnte.  Ist das wirklich so? Leben wir nicht immer noch in einem der reichsten und am penibelsten durchorganisierten Länder der Erde? Welche der viel zitierten Ängste und Sorgen sind tatsächlich existenziell? Also existenziell im Vergleich mit den Dingen, mit denen sich 2/3 der Weltbevölkerung täglich herumschlagen muss?

Wir geben keine Wahlempfehlung. Natürlich gibt es Parteien, deren Werte- und Kulturvorstellungen denen der Moritzbastei näher stehen, als andere. Wir stehen für Offenheit, Toleranz und ein friedliches, respektvolles Zusammenleben und glauben, dass Probleme sich nicht dadurch lösen lassen, indem man sie durch Unmenschlichkeit von sich fernzuhalten versucht. Aktuell befasst sich ein Theaterstück namens „Das Grundgesetz“ auf unserer Sommerbühne mit eben jener Grundlage unseres Zusammenlebens. Spielerisch, naiv, wortklauberisch. Wir sind überzeugt, dass Kunst immer einen Bezug zu gesellschaftlichen Zuständen hat, und wenn Kunst sich der Lebensrealtiät stellt, nicht anders sein kann, als politisch. Eine Partei, die mit dem Slogan „Kein (sic!) Cent für politische Kunst“ wirbt, hat demzufolge ein komplett anderes Kunst- und Kulturverständnis als wir (oder eben gar keins).  Natürlich hoffen wir, dass unsere Besucher*innen mit uns darin übereinstimmen.

Bitte denkt also daran, eure Stimme zu nutzen! Am 1. September und immer und überall dort, wo es angezeigt ist, den Mund zu öffnen, Gesicht zu zeigen, für Demokratie einzustehen.

/ Autor: torstenreitler

Good old Wave-Gotik-Treffen

Das 28. Wave-Gotik-Treffen 2019 ist Geschichte. Die Moritzbastei war wieder einer der Dreh- und Angelpunkte des weltweit größten Treffens der Wave-Szene. An fünft Tagen haben schätzungsweise 10.000 Menschen die MB besucht, das Wochenende ist mit Abstand das aufregendste, aber auch das anstrengendste für die Moritzbastei-Mitarbeiter*innen.

Obwohl wir schon viele Jahre fester Bestandteil des Festivals sind, gab es auch 2019 Neues und Unerwartetes. So drehte z.B. MDR KULTUR am Samstag und Sonntag Studiosessions u.a. mit Mila Mar und Laura Carbone in unserer Ratstonne, was wegen des großen Andrangs zu großem Stau in unserem Café führte.

Die Fridays For Future haben auch das WGT erreicht, der Trauermarsch für aussterbende Tierarten endete mit einer Rede von Dr. Mark Bennecke an der MB und das sah dann ungefähr so aus:

So voll war es nicht immer und nicht an allen Tagen, da hatte auch das Wetter etwas dagegen. Aber besonders Nachts konnte es schon recht kuschelig werden in der MB. Wir haben jedenfalls alle Hände voll zu tun gehabt und sind dankbar für das Vertrauen, das uns viele Festivalgäste jedes Jahr wieder entgegenbringen.

Allerdings bleibt auch das WGT wohl nicht von der allgemeinen Entwicklung verschont, dass das Konzertpublikum in den meisten Häusern langsam aber sicher ein paar Falten bekommt. Dass die Teenager lieber ihre Chartsheld*innen sehen wollen, ist eh klar. Aber die Twens und Anfangdreißiger waren doch schwer zu finden zwischen all dem schwarzbunten Völkchen.

Wie dem auch sei, wir freuen uns über ein gelungenes Pfingstfest und freuen uns auf die nächste Ausgabe 2020!

 

 

/ Autor: torstenreitler

Willkommen, Leipzig Pop Fest!

There’s a new kid in town, und es hört auf den schönen Namen LEIPZIG POP FEST.  Am 24. August 2019 wird es zum ersten Mal über auf drei Bühnen stattfinden. Diese drei Bühnen werden mitten im Zentrum Leipzigs stehen, ganz genau in und auf der Moritzbastei. Zehn Bands und Künstler*innen – kuratiert von Ilses-Erika-Booker Christian Feist und der Moritzbastei – werden auftreten, dazu gibt es Podiumsdiskussionen, Vorträge, street food-Stände und zum Abschluss eine Party bis zum frühen Morgen.

Unterstützt wird das Festival durch die IG LiveKommbinat, Kreatives Sachsen, die Stadt Leipzig, Kick The Flame Publishing, MDR Sputnik und die Kulturfabrik WERK2. Diese Zusammenstellung lässt es erahnen: Read More

/ Autor: torstenreitler

7 Gründe, warum es klug ist, am Sonntag wählen zu gehen

Am Sonntag wird in Leipzig gewählt. Gleich zwei Parlamente sollen neu besetzt werden, der Leiziger Stadtrat und das Europaparlament.
Politik ist wie ein Eisberg – das sichtbare Stück, das wir täglich in Fernsehen, Zeitungen und online zu sehen bekommen, und das uns nicht selten bedrohlich vorkommt, abstößt oder sogar Angst macht, ist nur der kleinste Teil. Der weitaus größere Teil besteht aus der täglichen Arbeit von vielen Menschen vor Ort, die in Gemeinden, Städte und Regionen dafür sorgen, dass der Alltag geordnet und das Zusammenleben einigermaßen gerecht gestaltet wird. Für alle, die noch nicht sicher sind, ob sie am Sonntag zur Wahl gehen sollen, geben wir sieben Gründe, warum es sich lohnt. Vielleicht hilft es ja bei der Entscheidungsfindung. 🙂

1. Nichts tun hat noch nie geholfen.
Sich zu verstecken und zu hoffen, das Weltgeschehen zieht an einem vorrüber, hat noch nie geholfen. Vielleicht für einen Moment, ein Jahr oder sogar zehn. Dann aber schaut man aus dem Fenster und stellt fest, dass alles anders geworden ist. Im blödesten Falle so, wie man es ja wohl mal gar nicht wollte.

2. Entscheidungen sind etwas gutes.
Selbst falsche! Immer in der Luft zu hängen und sich nicht festlegen zu wollen fühlt sich meistens blöd an. Sagen wir es mit den großen Philosophen Chad, Flea, Dave und Anthony, die sich ebenfalls auf große Vorbilder beziehen: „But the Butthole surfers said / It´s always better to regret something you did / than something you didn`t do“ (Red Hot Chilli peppers, Deep kick, 1995)

3. Niemand weiß, was Du willst, wenn Du es nicht sagst
Klar, oder? Wenn Du denen, die gerade regieren sagen willst, dass Du mit ihrer Arbeit unzufrieden bist, dann wähl jemand anderes. Diese Botschaft ist viel verständlicher, als gar nicht zu wählen. Im dümmsten Fall bleiben dabei nämlich a) die Regierenden an der Macht und b) stehen Kleinparteien mit radikalen oder Partikularinteressen plötzlich viel stärker da, als sie eigentlich sind.

4. Man kann nicht alles alleine erledigen
Parlamentarische Demokratie heißt, man gibt Entscheidungshoheit ab. Ganz normal! Wir bauen unsere Straßen, Stromleitungen, Autos ja auch nicht selber, sondern lassen das von Facharbeitern erledigen. Besonders bei der Europawahl jammern ja viele, dass „Brüssel“ „uns“ die Entscheidungen abnimmt. Das stimmt. Genau so soll es ja auch sein, wenn das Ziel ist, gemeinsame Interessen über Einzelinteressen zu stellen.

5. Nichts ist für immer
Der Mensch lernt, vor allen Dingen aus seinen Fehlern. Das schöne an der Demokratie und an Wahlen ist, man kann in regelmäßigen Abständen Korrekturen vornehmen. Ein wichtiger Unterschied zu Autokratien, Diktaturen und Scheindemokratien. Da kann man nur hoffen, dass die Natur das regelt. Nur werden Diktatoren manchmal verdammt alt.

6. Engagement sollte sich lohnen
Eine unglaublich große Anzahl von Menschen muss aktiv werden, damit wir wählen können. Nicht nur Kandidat*innen müssen sich engagieren, auch viele freiwillige Helfer*innen sorgen dafür, dass dieses Kernstück unserer Demokratie funktioniert. Wie das endet, wenn man grundlegend wichtige Arbeit nicht wertschätzt, könnt ihr in der Landwirtschaft sehen. Weil wir nicht bereit sind, ein paar Cent mehr für unsere Lebensmittel auszugeben, funktioniert unsere Landwirtschaft so, wie sie es eben tut. Monokulturen, Gammelfleisch und Gülleseen, soweit das Auge reicht und durch Subventionen killen wir Kleinproduzenten in der ganzen Welt. Doof, oder?

7. Denken schadet nie.
Jede Wahl ist eine Gelegenheit darüber nachzudenken, in welcher Welt oder Gesellschaft wir eigentlich leben wollen. Alles super, wie es ist? Oder vielleicht doch nicht? Was sollte besser sein und wie könnte das erreicht werden? Wem traust du zu, das am ehesten umzusetzen?
Klar, du kannst auch einfach in die Kabine gehen und dort dein Kreuzchen machen, wo du es schon immer gemacht hast, deine Eltern schon und vielleicht sogar deine Großeltern. Dass das immer noch besser ist, als gar nicht zu wählen, ist Dir nach diesen sieben Punkten vielleicht verständlicher geworden.

Und warum schreiben wir das jetzt hier auf dem Basteiblog? Ganz einfach: Weil die Moritzbastei ein Ort ist, in dem wir täglich erleben, wie anstrengend, aber auch: wie bereichernd das Zusammenleben und -wirken von Menschen und Kulturen ganz unterschiedlicher Ansichten und Prägungen ist . Über 250.000 Besucher*innen jedes Jahr, aus verschiedenen Städten, Ländern, Szenen. Das funktioniert, und am besten funktioniert es unserer Meinung nach in einem freien und demokratischen Gemeinwesen. Und wählen zu gehen ist der beste Weg, die Grundlagen für so ein Gemeinwesen zu stärken und zu erhalten.