Archiv: Geschichte

Der Zeitungsleser

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Manchmal gibt es Dinge im Leben, die sind untrennbar miteinander verbunden. So wie die Hühner und das Ei, der Tanz und die Musik oder Leipzig und das Allerlei. Und um solch einen Fall handelt es sich auch bei unserem Zeitungsleser – Er ohne die Moritzbastei, die Moritzbastei ohne ihn? Undenkbar!

Der Künstler Stefan Thomas Wagner kennt das Haus seit Jahrzehnten und war schon dabei, als die erste Tonne im Oberkeller das Licht der Welt erblickte. Wir trafen uns mit ihm zu einem persönlichen Gespräch um die Geschichte hinter dem „Leser“ herauszufinden.

Thomas Stefan Wagner studierte bildende Kunst und wurde nach Ende des Studiums mit 15 weiteren Kollegen von der damaligen Klubleitung der Moritzbastei gebeten, neue Kunstwerke für den Studentenclub zu schaffen. Einige von Ihnen sind noch heute erhalten, andere wiederum haben die exzessiven Zeiten von Partys, Sanierungen und Umbauten nicht überlebt. Der Zeitungsleser steht jedoch seit 1983 im Café Barbakane – wenn auch sein Standort und seine Zeitung sich im Laufe der Jahrzehnte wandelten (siehe Bildergalerie). Ein staatlicher Mann mittleren Alters, mit der Zeitung „Neues Deutschland“ in der Hand, welche mehrere Löcher aufweist. Man sieht sein Gesicht erst einmal nur von der Seite – starr und in sich ruhend. Läuft man jedoch an ihm vorbei „spaltet“ sich sein Gesicht und öffnet sich zu einem Schrei.

Der Zeitungsleser im ursprünglichen Zustand 1985.Das Café war in den 1980er beliebter Ort für Veranstaltungen.Lange Jahre hatte der Zeitungsleser einen Fensterplatz.Unter dem Fernseher befasste er sich mit seiner Lektüre.Sein aktueller Platz ist dort, wo 30 Jahre lang die Lessingbüste thronte.Vertieft ins eine Ausgabe des Neuen Deutschland von 1989.Eine weitere Arbeit von Wagner: Das Deckengemälde im Schwalbennest.Auch der Mauerbrecher im Oberkeller stammt von Wagner.

Diese Art der Darstellung hat eine tiefe Bedeutung. „Die Zensur in der DDR ermöglichte es Künstler nicht, geradlinige Kritik zu äußern. Also musste eine subtilere, abstraktere Art und Weise der Darstellung her. Die Löcher symbolisieren die Fehler im System, die Inhalte der DDR-Politik wurden in Frage gestellt“, so Wagner.

Nachdem die Figur öffentlich ausgestellt wurden war, gab es viele Anfragen von Seiten der Medien, was genau es mit dem Leser auf sich hatte. Wagner, bekannt für seine systemkritischen Figuren, bestritt die Anspielung auf das DDR-Regime und wurde hierbei von der Leitung der Moritzbastei unterstützt. Zwei Jahre später, 1985 zerstörten Unbekannte sein Atelier: „Das war natürlich nicht nur die Konsequenz aufgrund des Zeitungslesers, sondern auch aufgrund anderer systemkritischer Arbeiten“.

Heute kommt er noch regelmäßig in die Moritzbastei, wo sich neben dem Zeitungsleser noch zwei weitere Arbeiten von ihm befinden. So gestaltete er das Deckengemälde im Schwalbennest mit, und im Oberkeller kann in einer der Tonnengewölbe seine Plastik “Mauernbrecher” besichtigt werden – ein nackter Korpus, der im Laufschritt mit dem Kopf durch die Wand zu gehen schein.

Hin und wieder muss Wagner auch vorbeischauen , um Restaurationsarbeiten an seiner Plastik vorzunehmen. Kurz nachdem er seinen aktuellen Standort bezog – auf der Säule, auf der zwischen 1982 und 2012 die Lessingbüste ihren Platz hatte – wurde der Zeitungsleser von einem angetrunkenen Diskogast schwer beschädigt. Im Zuge der Reparaturarbeitern hat der Zeitungsleser wieder eine Ausgabe des „Neuen Deutschlands“ aus dem Jahr 1989 in der Hand, „als Erinnerung an die damalige Zeit.  Damit wir diese nie vergessen und uns bewusst machen, wie es ist in einem freien Land ohne Zensur zu leben.“

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Neues & Erinnertes. Und: Baustellen.

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Vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle verkündet, dass wir für die Moritzbastei nach 8 Jahren eine neue Homepage bauen. Wir hätten es wissen können – Baustellen und Zeitpläne sind zwei Dinge, die sehr selten miteinander in Einklang zu bringen sind. Manchmal lassen sich auf solchen Baustellen aber erstaunliche Erkenntnisse gewinnen.

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Gute Reise, Peter

Zum Veteranentreffen Ende November hatte ich mich mit Otto Schäfer, dem ehemaligen technischen Leiter unseres Hauses, kurz über Peter Kunz unterhalten. Wir wussten seit geraumer Zeit von seiner schweren Krankheit und dass seine Zeit auf eine drängendere Weise begrenzt war als die unsrige. Gestern besuchte uns Otto Schäfer und teilte uns mit, dass Peter Kunz am 6. Dezember im Kreise seiner Familie sein Leiden überwunden und Frieden gefunden hat.

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Montagspresseschau: Skaten in der DDR

Auch diese Woche wieder magere Ausbeute im Bezug auf MB-relevante Internetmeldungen.

Aber einen sehr interessanten Artikel hab ich dennoch gefunden zum Thema “Skaten in der DDR” auf Spiegel.de. Offenbar war die MB bereits zu Ost-Zeiten ein beliebter Skater-Treffpunkt. Wenigstens da hat sich nicht viel geändert, auch wenn die Vorsprünge und Stufen an der neuen Mensa mittlerweile spannender zu sein scheinen. Auch gut. Unsere Treppen und Geländer danken es jedenfalls – Abrieb und Bruch (mehr oder weniger) historischen Baumaterials ist nämlich leider eins der weniger schönen Aspekte dieses ansonsten sehr sympathischen Sports.
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Die Zeiten ändern sich…

Folgendes “zeitgenössische” Dokument fiel uns letztens in die Hände – ein Artikel über die Moritzbastei in einem Städteführer von 1990, in dem neben dem Eiskeller, der naTo und allerhand anderen kulturellen Einrichtungen Leipzigs auch die Moritzbastei vorgestellt wurde. Du möchtest wissen, wie’s hier vor über zehn Jahren war, oder gar alte Erinnerungen auferleben lassen? Dann ist folgender Artikel genau das Richtige! 

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