Alle Artikel in der Kategorie “Wort zum Monat

Hier erscheint das aktuelle Editorial des monatlichen Moritzbastei-Programmheftes.

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Juli

Man kann es schon jetzt sagen: die Fussball-WM der Frauen ist nicht der Renner, den sich die Vermarktologen erhofft haben. Vielleicht gar nicht so verkehrt, das. Wir leben schließlich in einer Welt, in der sich der Charme einer Sache durch nichts wirkungsvoller abtöten lässt, als durch dessen Kommerzialisierung. Komme da keiner mit dem FC Barcelona. Der schöne Schein der Fussballmessiasse überstrahlt eine Geldvernichtungsmaschine, gegen die im Verhältnis gesehen der griechische Staatshaushalt eine solide Bausparkasse ist. Von ganz anderen Sachen fangen wir hier gar nicht erst an, wir würden nämlich sonst gar nicht fertig.

Der schönste Fußball ist noch immer der selbst gespielte, und wann geht das besser als im Sommer? In diesem Sinne folgt das Editorial für das Juli-August-Programm der Moritzbastei, welches jetzt in allen Kneipen der Stadt zu haben ist. Read More

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Juni

In Deutschland muss man in drei Jobs parallel arbeiten, um sich irgendwie über Wasser zu Halten. In Griechenland reicht es dagegen, tot zu sein, um eine staatliche Rente zu beziehen. Jetzt die Frage: Welcher Zustand ist erstrebenswerter?

In Sachsen sollen sich die Verhältnisse übrigens den derzeitigen in Griechenland mittelfristig angleichen. Zumindest die meteorologischen. Und spätestens, wenn sich die Leipziger Tieflandsbucht zur sonnengegerbten Macchia entwickelt hat, werden wir sehen, ob die Griechen oder wir sich besser an die Umwelt angepasst haben. Darwin sagt, genau darauf kommt es an, nicht?

Schönen Juni mit dem Editorial unseres Programmheftes, welches ihr seit einer Woche in allen Kneipen dieser Stadt finden könnt. Read More

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Monat Mai

Draußen ist das Wetter schön, die Vögel singen und die Sänger vögeln. Die gute Sonne verdrängt mit ihrem Strahlen das Schlechte von der Welt. Aufgeplatzte Atomkraftwerke versinken wieder in der Vergessenheit, pfeilschnelle Kampfmaschinen pflügen Tyrannenenkel unter den Wüstensand und ein alter, zauseliger Diabetiker wird mittels Tarnkappenhubschrauber auf seine letzte Reise geschickt, die ihn von seinen drei Ehefrauen weg hin in den Kreis der ewigen Jungfern befördert. Das Wort zum Mai, bittesehr.

Eine bessere Welt, wer möchte die nicht? Es ist ein starkes Argument für das eigene Handeln, damit die Welt besser machen zu wollen. Die Frage ist, was man darunter versteht. Soll es weniger geben oder doch besser mehr? Das Leben könnte teurer werden, womit wir mehr Wertschätzung aufbringen würden. Würde dagegen alles billiger, dann würden mehr Menschen teilhaben können. Das könnte man erreichen, indem wir mehr Wissenschaft und Technik einsetzen. Andererseits könnten wir auf technische Errungenschaften verzichten, um wieder ein Leben näher der Natur zu erreichen. Näher der Schöpfung, würde jetzt sagen, wer sich unter einer besseren Welt vor allen Dingen eine vorstellet, in der dieser oder jener Glauben stärker das Maß unseres Handelns wäre.

Götter, ein weites Feld, gleich angrenzend an das der Freiheit. Wäre mehr davon für den Einzelnen ein Zugewinn oder doch eher eine Überforderung? Bringt mehr Fürsorglichkeit durch die Gemeinschaft mehr Sicherheit und wenn ja, wiegt diese die Bevormundung auf?

Nicht zuletzt: Was wollen wir dafür einsetzen, für die gewünschte bessere Welt? Welche Mittel heiligt der Zweck – Politik? Geld? Gewalt? Ganz schön kniffelige Fragen für ein müdes, durch schlechte Serien, Radiogedudel und Schriftverkehr mit Behörden weichgeklopftes Hirn.

Wobei es genügend Plätze auf unserer Welt gibt, an denen sich diese Fragen überhaupt nicht stellen. Nehmen wir den Rayon um Tschernobyl. Für die dort siedelnden nichthumanen Lebensformen hat der Begriff „Unmenschlichkeit“ seit 1986 einen ganz anderen, verheißungsvollen Klang. Das ist der Beweis: Eine bessere Welt ist möglich. Nur eben nicht für Menschen. Mal sehen, was wir daraus lernen können.

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Januar

Wen wundert es eigentlich noch, dass heutzujahre die ersten Jahresrückblicke schon im Oktober ausgestrahlt werden? Dagegen wundert es einen um so mehr, was in diesem Jahr alles passiert sein soll. Millionen von Informationen und informationsähnlichen Ersatznachrichten überlagern sich, unter sich alles des Merkens würdige begrabend. Und wer ist schuld? Das Internet, wer sonst.

Guten Start ins Neue Jahr, euch vor den Bildschirmen!

Das Ende des Internets ist nahe. Gott sei dank, möchte man meinen, aber das wäre ja fortschrittsfeindlich. Zum Thema Fortschritt sei hier an den DDR-Traktor gleichen Namens erinnert sowie die Demenz, die auch gerne fortschreitet. Das Internet jedenfalls war schon immer eine der blödesten Erfindungen, und man möchte ihm nur zu gerne das Schicksal früherer Verkünder der technischen Glückseeligkeit an den Hals wünschen.

In 30 Jahren lassen sich hoffentlich tausende Menschen bei Wind und Wetter in Datenautobahnen einzementieren, um gegen Internetmülltransporte zu protestieren. Zentrale Datenendlagerung hat ja schon jetzt den Charme von überlagerter H-Milch. Ein wenig fieser wäre es, dem Internet das Schicksal der Glühbirne anzuhoffen. In ein paar Jahrzehnten möge also irgend so ein pickeliger Jugend-forscht-Nerd herausfinden, dass das Internet irgendwelche fiesen Klimaemissionen freisetzt, die beim Schwarz-Weiß-LCD-Fernseher viel geringer wären, dies der EU-Kommission verklickern und die solle dann bitte zum Wohle der Menschheit das Internet aus dem Online-Angebot ziehen.

Das wäre immerhin ein unterhaltsamerer Abgang als der, den die Netzgemeinde – wer auch immer sich selbst so bezeichnet oder ungestraft bezeichnen lässt, sei hiermit mit Günther Netzer nicht unter sieben Jahren geahndet – aufgrund der Wikileaks-Hysterie nahen sieht. Wenn Wikileaks mit ein paar halbgaren Enthüllungen das Ende des Internet sein sollte, dann hätte ja die Bildzeitung das Ende des Journalismus bedeuten müssen. Und das, ähm, tja, wie soll man´s sagen… ist ja zumindest… ach, auch egal.

* Das Programmheft der Moritzbastei für Januar 2011 ist jetzt überall erhältlich.

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Dezember

Man muss nicht immer gleich an George Orwell denken. Wir erinnern uns, in dessen Roman 1984 dient ein ferner Krieg als immergültiges Bedrohungszenarium dazu, einen Überwachungsstaat zu rechtfertigen.

*Blink*
Zu viele negativ belegte Vokabeln verwendet
*Blink*

Ist ja gut… Das Wort zum Dezember denkt darüber nach, wie man aus einer diffusen Bedrohung („Wir müssen alle sterben!“) mit Optimismus begegnet. Mit etwas mehr Verbraucherfreundlichkeit lässt sich auch aus dem miesesten Attentat noch ein Bombengeschäft machen… Womit ich mich für heute direkt in die Wortspielhölle verabschiede und viel Spaß beim Lesen wünsche. Read More

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum November

Das Editorial für unser Novemberheft endet mit der prophetischen Aussage: „November wird es von ganz allein.“ Die Vorhersage hat sich erfüllt, ihr habt sicher auch nichts anderes erwartet. Wie es zu dieser sich selbst erfüllenden Prophezeiung kam – lest selbst. Read More

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Oktober

Liegt es am schlechten Wetter? Jedenfalls ist das Editorial unseres kommenden Programmheftes tendenziell menschenverachtend. Zarte Gemüter seien also gewarnt.
Mit allen anderen singe ich gerne gemeinsam Jochen Distelmeyers schöne Zeile „Ich hab nichts gegen Menschen als solche, meine besten Freunde sind welche!“. Allerdings hab ich zum Glück vergessen, aus welchem Lied das ist… Read More

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum September

Das neue Monatsheft ist schon eine Weile in den Verteilern. Da wird es höchste Zeit für das Wort des Monats, nein?

Gibt es Gott wirklich? Stellen wir uns mal folgendes vor. In einer vorab per Fax veröffentlichten Pressemitteilung verkündet Gott, dass er geruhe, sich nächsten Sonntag dem Erdenvolke zu offenbaren. Er werde eine Erklärung zu den zurückliegenden beiden Geschäftsjahrtausenden verlesen und danach für Fragen zur Verfügung stehen. Read More

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum August

Ha! Sowas nennt man im Marketingsprech Kundenbindung. Ihr kriegt hier nämlich ein Wort zum August, obwohl im August gar kein Programmheft der Moritzbastei erscheint.

Nein, mir ist nicht langweilig.

Diesmal geht es um die gute Tat, sein Geld auszugeben. Read More

/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Juli

Eigentlich sollte es ein Text über Selbstverwirklichung werden und darüber, was man denn eigentlich sein ganzes Leben so verwirklichen soll, wenn man sich selbst so genau gar nicht kennt. Kenn übrigens viele Menschen, denen das nach einer gewissen Zeit auffällt.

Dann schien aber die Sonne und überhaupt, irgendwie wollte etwas in mir nicht ganz so schwerwiegend daherkommen. Daher gibt es hier ein allgemeines Loblied auf den Sommer, das faulste Luder unter den Jahreszeiten. Gedruckt wie immer ab Anfang Juli im MB-Programmheft, das diesmal für zwei Monate reichen muss.

Sommer. Endlich ist auch diese Fußballweltmeisterschaft Geschichte. Alle Politiker sind so herrlich Mon Cherie – einfach verschwunden, bis die Tage wieder kühler werden. Alle Talkshows haben Sendepause, die sonntägliche Polizeirufwiederholungssaison ist angebrochen. Die Bundesliga hat spielfrei, weshalb sich beschäftigungslose Hooligans jeden Samstag selbst verprügeln. In abgelegenen Badeseen tauchen wieder Krokodile, Federboas oder Braunbären auf, deren Bejagung wochenlang die Zeitungen füllt.

Es ist Zeit für überraschende Sichtungen von Nessi, Yeti und Wolfgang Lippert. Boris Becker heiratet wie jedes Jahr je einmal im Juli und August die gleiche Frau. Überall wird Langeweile zum Jahrestiefstpreis abgegeben. (Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass Boulevardreporter seit neuestem arbeitsvertraglich dazu verpflichtet werden, ihre Erstgeborenen im Fahrradkeller einzumauern, um sie in besonders tiefen Sommerlöchern zu verschlagzeilen.)

Man könnte sich schwarz darüber ärgern, dass überall gleichzeitig Nichts los ist und man sich nicht entscheiden kann, wo man das genießen will. Sogar Eintritt würde man bezahlen! Es gibt keine Zeit im Jahr, in der man mehr darüber verzweifeln könnte, dass alles umsonst ist.

Auf diese Zeit haben wir uns das ganze lange Jahr gefreut. Jetzt gilt es in der Sonne zu liegen, bis die Haut so zäh geworden ist wie die Zeit verrinnt. Bevor man nicht das Gefühl hat, man müsste sich selbst die Stütze kürzen, ist man einfach nicht faul genug. Sommer, du bist eine geile Sau!