Alle Artikel in der Kategorie “Lesebefehl

/ Autor: torstenreitler

Gute Sache. Gute Sachen.

3004-Moritzbasar
Es fliehen Menschen nach Deutschland. In Medien und Gesprächen werden Superlative bemüht, es fallen Vokabeln wie „Krise“ oder „Katastrophe“. Geht man durch die Straßen seiner jeweiligen Stadt, stehen die meisten Gebäude dann noch; Strom, Wasser und W-Lan-Empfang sind vorhanden und der Alltag geht seinen gewohnten Gang. Wo sind die Probleme?

Die Probleme gibt es. Sie sind in den allermeisten Fällen ganz profan und eine der führenden Industrienationen der Welt sollte sich schämen, bekäme sie diese nicht in den Griff. Menschenwürdige Unterbringung und Versorgung, Hilfe bei der Eingewöhnung, soziale Bindung für Menschen ermöglichen, die mit Deutschland Sicherheit und Hoffnung für ihre Zukunft verbinden (womit eine zentrale Vorstellung vieler Abendlandbewahrer von unserem Land gemeinsam haben. Oder?).

Weil viele aus dem Team der Moritzbastei dabei mithelfen wollen, die neue gemeinsame Gegenwart mit den Menschen, die zu uns geflohen sind, zu gestalten, haben wir vergangenen Oktober die „Aktion 1+1“ gestartet. Dank zahlreicher Spenden von unseren Gästen und MitarbeiterInnen sind 1233 Euro zusammengekommen, die wir als Moritzbastei auf 2466 Euro verdoppelt haben. Dafür haben wir gekauft und an verschiedene Träger der Erstaufnahmeeinrichtungen (Sachspendenzentrale, Ernst-Grube-Halle) übergeben:

Lebensmittel für ca. 1070 Euro,darunter:
Obst, Gemüse, Milch, Babymilch, Fladenbrot, Sesampaste, Süßigkeiten, Olivenöl…

10 Spiralblöcke A4 kariert
10 Spiralblöcke A4 liniert
5 dicke Mandala-Malblöcke
5 Pckgen Filzstifte (60er)
24 Federmappen komplett bestückt
23 Füller
plus Stifte u. Papier f. ca. 100 Euro
100 Einwegrasierer
20 Dosen Rasierschaum
1314 Windeln
plus Hygieneartikel f. ca. 220 Euro
5 Holz-Wackeltürme (Spiel)
6 große Spielesammlungen
5 Badminton-Sets
4 Mini-Badminton-Sets f. Kinder

Eine Großspende der Moritzbastei. Mit dabei Badmintonsets, Windeln, Decken und noch viel mehr. Zudem eine Überraschung, die zu unserem nächsten Flohmarkt zum Einsatz kommen wird. Danke!

Posted by Sachspendenzentrale Leipzig on Mittwoch, 17. Februar 2016

Damit sollte die (so genannte) Flüchtlingskrise jetzt ein für alle Mal gelöst sein. Nicht.

Deshalb geht es weiter. Am 30. April (an diesem Samstag findet auch das traditionelle Festival „Leipzig. Courage Zeigen!“-Festival auf dem Marktplatz statt) veranstalten wir auf unserer Terrasse den ersten MORITZ.BASAR . Gute Sache. Gute Sachen! Notiert euch schon mal den Termin, alle Details erfahrt ihr noch über unsere Homepage, Facebook, Newsletter…

 

 

/ Autor: torstenreitler

Es ist Kultur, aber (Pt.2)

In loser Folge widmen wir uns dem Themenkomplex Kultur/wirtschaft. Ist schließlich unser Daseinszweck: Wir machen Geld zu Kultur.

Taylor Swift, anybody? Die digitale Revolution kennt Gewinner und Verlierer. Plattenkonzerne performen gerade den Wandel vom Loser („Alle streamen unseren Katalog für lau!“) zum Winner („Alle streamen unseren Katalog für lau!“ 10 Euro im Monat! Aber wir kassieren die Streamingdienste ab und verdienen daran, dass die Streamingdienste den Musikern nur 0,0007 Cent pro Stream auszahlen!).
Das Leipziger Label Analogsoul hat dazu auch eine Meinung und keine Lust auf die Geschäftsgebaren von Birnle, weshalb sie schreiben: „Wenn von analogsoul vorerst keine Musik bei Apple Music verfügbar sein sollte, wisst ihr wieso.“

Berthold Seliger schreibt in seinem Blog (Eintrag vom 15.6.2015), dass die großen Plattenlabel jahrelang ihre Künstler um Tantiemen aus dem Downloadgeschäft betrogen hätten. Universal zahle jetzt, nach einem Gerichtsurteil, immerhin 15 Prozent der Tantiemen an die Urheber. Denen aber laut Gesetz 50 Prozent zustünden.

Wären Clubs Streamingdienste, würden ihre Gäste pro Monat 10 Euro bezahlen und dürften dafür jedes Konzert im Club besuchen. Klingt unrentabel? Die Musiker würden  pro gespieltem Song 0,0007 Cent Gage bekommen, wie Geoff Barrow von Portishead nach ausgiebigem Studium seiner Tantiemenschecks von apple, youtube und spotify feststellte. Sie bräuchten also nur ein Set mit 1429 Liedern zu spielen, um einen Cent zu verdienen. Die restlichen 10 Euro teilen sich der Club, die Gema und die Konzertagentur.

Mal sehen, wie lange wir sowas unter Quatsch verbuchen.

/ Autor: torstenreitler

Es ist Kultur, aber. (Pt.1)

„Die Moritzbastei Betriebs GmbH  schafft durch solides Wirtschaften die Voraussetzung, den Stiftungszweck der Stiftung Moritzbastei zu erfüllen. Zweck der Stiftung ist die Erhaltung der Moritzbastei als historisches Bauwerk und als Forum kultureller Begegnung im studentischen und akademischen Leben von Leipzig.“

Das ist in zwei Sätzen unsere Daseinsberechtigung und unser Unternehmenszweck. Wir machen Geld zu Kultur.

Deshalb gilt allem unser Interesse, was im Spannungsfeld zwischen Ökonomie, Kunst und Kultur passiert. In loser Folge geben wir euch hier Gedankenfutter und unseren Senf dazu. Heute:  Mitarbeitereigentum, Metalurlaub, Konsumterror.

Die New York Times berichtet, dass die Angestellten der Firma Moog zu 49% Mitinhaber des Unternehmen sind. Interessant deshalb, weil Moog zu den Synthesizern gehört, die seit den 1960 den Sound aller Spielarten elektronischer Musik mitbestimmen. Und weil es interessant zu beobachten sein wird, was so ein Umstand mit Angestellten macht. Taugt Moog als Beispiel für eine soziale Utopie? Sind Angestellte am Ende die besseren Kapitalisten? Oder ist das alles ziemlich unspektakulär, wie der SPIEGEL demonstriert?

Heavy-Metal-Fans mögen (für manche) furchterregend aussehen. In Wirklichkeit sind es aber zahme Kätzchen, denen nichts ferner liegt, als Bürger zu erschrecken. Bürger sind sie schließlich selbst, und die müssen sich auch mal erholen. Zum Beispiel auf Kreuzfahrt. Oder im Skiresort.
Die Süddeutsche zitiert Wacken-Chefverkäufer Charly Hübner, man mache „ein Angebot wie jeder andere Dienstleister auch. Und jeder kann sich dafür oder dagegen entscheiden, ganz einfach.“
Die Zukunft des Rock’n’Roll ist ein Seniorenresort.

Zuletzt ein Video aus Leipzig, bei dem schon der Ort des Geschehens wie die Faust auf’s kulturkritische Auge passt: HIT-Markt. Man darf darüber diskutieren, ob und unter welchen Umständen die Teilenteignung eines Konsumtempels ein revolutionärer Akt sein kann und warum so etwas nie nach einem Straight-Edge-Konzert passiert, sondern immer nach einem HOLI-Festival mit Alkohol, Drogen und sexuellen Missverständnissen. Die Idioten sind übrigens immer die anderen.

 

/ Autor: torstenreitler

Das kommt uns bekannt vor

Zum Sommerfest des MB-Teams gibt es traditionell ein T-Shirt mit mehr oder weniger klugem Slogan drauf, der den Moritzbastei-Alltag zwischen hunderten Partys, Konzerten und Einmietungen im Jahr wiederspiegelt. Heißer Favorit für dieses Jahr war der Spruch: „Spaß kann auch Arbeit machen!“

Zum Thema: „Party = Arbeit = Spaß = Geht’s noch?“ fand Ende Mai das Event „The Amplified Kitchen“ im Berliner Club ://about blank statt. Lesenswert, für Clubbetreiber ebenso wie für deren Gäste. Gesprächsteilnehmer waren die Kollegen Tanja Kreisz, Michael von Fischbach, Judith Apt und Jan Barich, der viele Jahre das Conne Island mitbetreute.

Zum Artikel.

 

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/ Autor: torstenreitler

Leistungsbereit wischen Konsum und Kontrolle

Die Gesellschaft verändert sich, die Umbrüche des digitalen Zeitalters werden auch in der Kulturszene spürbar. Wir haben drei Lese- und Hörempfehlungen zum Thema für euch.

Leipzig feiert sein 1000-jähriges. Glückwunsch, weiter so. Glaubt man der LVZ aktuellen Stimmung in der Stadt, kann sich Leipzig auch auf eine rosige Zukunft freuen. Weil immer mehr Menschen daran glauben, dass in Leipzig noch etwas möglich ist. Wachstum, nicht nur, aber auch bei den Immobilienpreisen.

Selbst Stanislaw Tillich ist begeistert und bezeichnet Leipzig als Modellstadt. Es sagt eben auch etwas über die aktuellen Entwicklungen in der Stadt, wenn ein, nein der Vertreter der sächsischen Verhältnisse, unser CDU-Landesvater,  die Stadt derartig lobt: „In der Stadt trifft das zusammen, was mir als Bild von Sachsen vorschwebt. Leistungsbereite Menschen, die Mut haben,etwas Neues auszuprobieren, innovative Unternehmen, eine gute Hochschul- und eine reiche Kulturlandschaft. Das ist die Mischung, die Leipzig ausmacht.“? (LVZ, 29.5. 2015). 

In Sachen Kultur halten wir Augen und Ohren offen. Den „Mut, etwas Neues auszuprobieren“, spürt man überall. Am meisten dort, wo es um Geld geht. Egal, ob staatliche Kultursubventionen, Ticketmarketing, Festivals oder die Clubszene – überall geht es darum, wirtschaftliche Effizienz als obersten Maßstab für Erfolg anzulegen und wahlweise Geld zu sparen oder zu verdienen.

Wie die Zukunft der Kultur aussehen soll? Jens Balzer von der Berliner Zeitung befürchtet die Vollendung von „Konsum und Kontrolle“, Konzertveranstalter und Publizist Berthold Seliger mahnt an, dass Kunst eine Haltung verkörpern sollte und bei Radio Mephisto haben vergangene Woche Vertreter der Leipziger Club- und Labelszene über den Stand der Dinge in Leipzig diskutiert.