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/ Autor: torstenreitler

Gig in Japan

Der Club Super Deluxe in Tokio war wohl der geografisch entfernteste Ort von Leipzig, an dem die Moritzbastei jemals ein Konzert veranstaltet hat. Am vergangenen Freitag kamen mehr als 300 Leute, um ein Konzert im Rahmen unserer Reihe KLASSIK underground zu sehen, das von gemeinsam von Musikerinnen des Gewandhausorchesters und des Boston Symphony Orchestra gegeben wurde. Die geballte Frauenpower dieses Abends komplettierte Akiko Nakayama mit ihren Live-Visuals, die an die Wände des Clubs projiziert wurden.

Die Geschichte hinter diesem Konzert geht folgendermaßen: Das Gewandhausorchester ist aktuell auf Tournee durch Asien. Wie es der Zufall und die Tourneeplanung wollten, war fast zur gleichen Zeit das Boston Symphony Orchestra in Japan auf Tour. Dessen Chefdirigent Andris Nelsons ist ja seit diesem Jahr auch Chefdirigent in Leipzig, und beide Orchester wollen zukünftig stärker kooperieren. Diesen Umstand nutzte Tahlia Petrosian, Kuratorin von KLASSIK underground, um zum Telefonhörer zu greifen und zu schauen, ob eine solche Kooperation auch im Rahmen von KLASSIK underground stattfinden könnte?

Was im offiziellen Management klassischer Orchester oft Monate dauert, war in diesem Fall schnell unter Kolleginnen ausgehandelt. Von Musikerin zu Musikerin, mit Handschlag und im Vertrauen darauf, dass klassische Musik ihre Faszination nicht nur im großen Konzertsaal und für ein Zehntel des üblichen Eintrittspreises entfalten kann (im Tourneebericht der LVZ war von umgerechnet 300 Euro für ein Ticket der Nachmittagsvorstellungen des Gewandhausorchesters die Rede. Und das waren die billigen Plätze). Die Zusammenarbeit mit dem Super Deluxe (Home of Pecha Kucha, übrigens) und der Akika Nakayama war ein weiterer Glücksfall, denn so landete KLASSIK underground nicht wie ein UFO aus der alten Welt, sondern konnte an die urbane Kunstszene vor Ort anknüpfen.

Das Experiment glückte, auch Dank der Unterstützung des Gewandhausorchesters, der deutschen Botschaft in Japan und nicht wenigen Helferinnen vor Ort, die mithalfen, das Konzert in Tokio zu bewerben. Am Ende war das Super Deluxe komplett ausverkauft, die Aufführung konnte erst verspätet beginnen, damit alle Gäste einen Platz finden konnten.

Trotzdem bleibt das Mutterschiff von KLASSIK underground natürlich die Moritzbastei. Die Tokio-Erfahrung ermutigt uns allerdings, auch über unseren Tellerrand hinaus zu schauen. Das Interesse an unserem Projekt ist auf jeden Fall weit über Leipzig hinaus groß, und das ist ein toller Erfolg für unsere Arbeit. Hier könnt ihr noch ein paar Eindrücke aus Tokio sehen, smartphone und weltweite Datenübertragung sei Dank.

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