/ Autor: torstenreitler

No satisfaction

white wineLeipzigs Bands des Jahres 2016 heißen BARU, SHED BALLET und WHITE WINE. Ermittelt wurden sie von 150 Menschen, die alle ihre Rolle in der Musikszene Leipzigs spielen. Der Publikumssieger wurde im Onlinevoting ermittelt, knapp 300 Menschen für LIZZY McPRETTY IM SWINGERCLUB.

Hunderte Telefonate, Emails, Facebookposts. Anzeigen und Artikel in allen (?) wichtigen (?) Printmedien dieser Stadt. Beiträge im Radio und in den maßgeblichen Blogs.  Die Bands laden ihre Fans ein. Große City-Light-Poster in der Innenstadt. Plakatierung in den Szenevierteln.

Im Vorverkauf dann 20 Tickets, an der Abendkasse ca. 40. Eingeladen waren ca. 100 Menschen aus dem Umfeld der Bands und aus der Musikszene Leipzigs. Gekommen sind davon etwa 50.

So feierten dann etwas mehr als 100 Menschen Leipzigs Bands des Jahres. Der Abend war rund, die Moderatoren Christian Meyer und Hendryk Proste machten einen super Job. JUNE COCO und JULIUS FISCHER als special guest lieferten überzeugende Performances. Der Entertainmentfaktor stimmte. So ähnlich sah das auch die LVZ in ihrer Rezension.

Aber ist das unser Anspruch? Ein netter Abend für vier Bands und zwei Handvoll Leute?

Nein.

Das war nicht genug. We could’nt get no satisfaction.

Was ist verdammt nochmal das Problem? Will das Publikum dieser Stadt seine besten Bands und Künstler nicht feiern? Ist die Idee, Bands und Künstler zu würdigen, zu lobpreisen, zu wertschätzen, nicht von dieser Welt? Naiv, dumm, aus der Zeit gefallen? Wir sind betriebsblind. Also sagt es uns: Woran hat es gelegen?

Danke.

Christian Meyer, Hendryk Proske © K. Nauber / MoritzbasteiJune Coco © K. Nauber / MoritzbasteiJune Coco © K. Nauber / MoritzbasteiJune Coco © K. Nauber / MoritzbasteiJune Coco © K. Nauber / MoritzbasteiJune Coco © K. Nauber / MoritzbasteiLizzy McPretty isc © K. Nauber / MoritzbasteiLizzy McPretty isc © K. Nauber / MoritzbasteiLizzy McPretty isc © K. Nauber / MoritzbasteiLizzy McPretty isc © K. Nauber / MoritzbasteiLizzy McPretty isc © K. Nauber / MoritzbasteiLizzy McPretty isc © K. Nauber / MoritzbasteiLizzy McPretty isc © K. Nauber / MoritzbasteiWhite Wine © K. Nauber / MoritzbasteiWhite Wine © K. Nauber / MoritzbasteiWhite Wine © K. Nauber / MoritzbasteiShed Ballet © K. Nauber / MoritzbasteiShed Ballet © K. Nauber / MoritzbasteiShed Ballet © K. Nauber / MoritzbasteiShed Ballet © K. Nauber / MoritzbasteiShed Ballet © K. Nauber / MoritzbasteiShed Ballet © K. Nauber / MoritzbasteiShed Ballet © K. Nauber / MoritzbasteiShed Ballet © K. Nauber / MoritzbasteiJulius Fischer © K. Nauber / MoritzbasteiJulius Fischer © K. Nauber / MoritzbasteiBARU © K. Nauber / MoritzbasteiBARU © K. Nauber / MoritzbasteiBARU © K. Nauber / MoritzbasteiBARU © K. Nauber / MoritzbasteiBARU © K. Nauber / MoritzbasteiBARU © K. Nauber / MoritzbasteiBARU © K. Nauber / Moritzbastei

9 Kommentare

  1. Klaus

    Also ich war aus 2 Gründen nicht anwesend:
    1. Hat mich schon im Vorfeld nur White Wine interessiert und ich fand die folgenden Bands zwar irgendwie eingängig aber auch recht gefällig und wurde dadurch nicht besonders angesprochen (ich hab auch irgendwie verpasst wie genau diese Auswahl zustande gekommen ist… sorry für die Desinformiertheit).
    2. Hatte ich selber ein Probenwochenende und großen Spaß daran selbst Musik zu machen.

  2. Hallo Klaus,
    das ist ja eine der Herausforderungen – wie kriegen wir das in die Köpfe der Leute? Im persönlichen Gespräch finden fast alle die Idee super und überhaupt. Aber das übersteigt unsere Kapazitäten, jeden einzeln zu überzeugen. Dass alle Nichtanwesenden selbst Musik gemacht haben, wäre eine zu schöne Vorstellung, als dass ich sie als Begründung akzeptieren kann. 😉

  3. Karl

    Ich selbst war beim Ska Delicious III eingebunden. Dennoch ist da natürlich die Frage, ob es mich interessiert hätte, wenn der Abend frei gewesen wäre. Und da muß ich ehrlich antworten: Wahrscheinlich nicht.

    Wahrgenommen habe ich über diese Veranstaltung nur etwas in diesem Blog. Ich will nicht ausschließen, daß es Werbung gab oder anderweitig versucht wurde, auf diese Veranstaltung aufmerksam zu machen, aber ich persönlich habe davon nichts mitbekommen.

    Aber es ist ja nicht nur die Werbung, die einem zu einem Besuch der Veranstaltung überzeugen soll. Die Bands müssen überzeugen. Und mich haben sie nicht überzeugt. Damit will ich keineswegs sagen, daß sie schlecht sind. Sie haben mich halt nicht vom Hocker gerissen.

    Bei mir bleibt da nur hängen: Es gibt da eine Veranstaltung, zwar mit einem „großen“, vielversprechenden Namen, aber einer für mich uninteressanten und nicht nachvollziehbaren Auswahl von Bands und obendrein wird diese Veranstaltung auch nicht beworben. Da fällt das Fernbleiben leicht.

  4. Karl, Danke für Deine Einschätzung. Über welche Kanäle hätte man Dich denn erreichen können? Wo informierst Du Dich über anstehende Konzerte?

  5. Klaus

    Was das Voting betrifft (hab mal nachgelesen / gefragt ) würde mich eines interessieren: Ich hoffe ich bin korrekt informiert, dass so ca. 150 Leute aus dem Musikleben Leipzigs Bands nennen dürfen die dann nach statistischer Häufigkeit ausgewertet werden?
    Hier die Fragen dazu:
    1. Wer hat diese 150 Leute ausgesucht und was qualifiziert diese zum Voting?
    2. Was passiert wenn niemand / sehr wenige davon überhaupt ihre Stimme abgeben, also ein nicht repräsentatives Ergebnis entsteht?

    Des Weiteren weiß ich selbstverständlich auch nicht warum so wenige Leute gekommen sind, ich persönlich habe aber ein Problem damit Bands zu feiern die es irgendwie gerockt haben sollen. Da sind so viele Kriterien bei mir dran geknüpft, dass ich das nur für White Wine sagen könnte. Die restlichen Bands verschweigen mir ihre Berechtigung für diese Veranstaltung. Was genau wollt ihr denn mit dem Konzert eigentlich exakt erreichen?

  6. Hallo Klaus, Du wurdest richtig informiert. Wir haben ca. 150 Leute gebeten, ihre drei Favoriten zu benennen. Unter diesen 150 Leuten waren ca. alle Club-Betreiber, Veranstalter, Label, Verlage, Studios und Musikjournalisten dieser Stadt vertreten. Dazu einige Musiker und DJs, von denen wir wissen, dass sie nicht nur ihr eigenes Ding auf dem Schirm haben.
    Natürlich haben nicht alle geantwortet, aber so ist es bei jeder Wahl – 100% Wahlbeteiligung gibt es nirgendwo. Ob das Ergebnis repräsentativ ist, darüber kann man lange streiten. Willkürlich oder vorhersehbar ist es auf keinen Fall.
    Die Bands, die ausgezeichnet wurden, haben sich darüber sehr gefreut. Wenn Du selbst Musik machst, weißt Du vielleicht, wie selten man als Musiker Anerkennung für sein Schaffen bekommt, wenn man nicht gerade ein Massenpublikum erreicht. Genau das wollen wir – den Musikern das Gefühl geben, dass sich da jemand für ihr Tun interessiert und ihre Musik wertschätzt oder würdigt. Also ein bisschen „Grammy“-Feeling, natürlich mit einem Augenzwinkern.

  7. Klaus

    Ich finde die Auswahl der 150 Leute merkwürdig. Gerade weil ich Musik mache, weiß ich, dass weder Clubbesitzer noch DJs und schon gar nicht Labelbetreiber weniger ihren eigenen Geschmack repräsentieren als andere Menschen auf dem Planeten. Für mich ist die Berechtigung dieser Menschen also nicht mehr gegeben als wenn ich selbst meine Meinung in die Waagschale geworfen hätte. Am Ende wollen ja gerade Labels ihre Künstler repräsentieren, egal ob die Menschheit da draußen denkt der Künstler wäre gut oder nicht (ist eben Geschmackssache). Die ganze Sachen kommt dann doch wieder so rüber als würde jeder Feudalherr seinen Ritter ins Rennen schicken. Wenns wirklich so sein soll, dass die Bands irgendwas beim Publikum gerissen haben sollen, dann müsstet ihr schon ein offenes Voting machen und eben – genau – das Publikum befragen. Ansonsten fällt mir nur ein auf nachweisbare Kriterien zurückzugreifen (Anzahl verkaufter Tonträger, gespielte Konzerte etc.)
    Die Anwesenheit von Publikum ist schließlich mittlerweile so ungarantiert wie nur möglich. Ich habe schon Shows mit viel Vorlauf in der Werbung gespielt und es waren wenige Menschen anwesend und auch kurzfristige Sachen mit nur 1 Woche vorlauf und hab angenehm viel und interessiertes Publikum gehabt. Vielleicht ist das Werk II auch nicht der richtige Ort dafür? Ich finds persönlich zu groß und immer sehr unpersönlich. Das letzte, gute dort gesehene Konzert ist bei mir viele Jahre her.
    Leider scheint auch das Interesse an dieser Diskussion recht spärlich zu sein, wie man an den Mangelnden Kommentaren sehen kann…

  8. Deinen Einwand, dass jeder der 150 Leute nur die bei ihm vertraglich gebundenen Künstler ins Rennen schicken, kann ich entkräften. Dass jeder der Befragten seinen eigenen Geschmack hat, wie wir alle, ist logisch. Aus Deinen Bemerkungen schließe ich, dass Du den Sinn eines Kritiker- oder Branchenpreises generell anzweifelst. Oscar, Grammy, BritAward, Goldene Palme, Nobelpreis – alles Kritikerpreise, übrigens. Ein Award, der nach reinen Verkaufszahlen vergeben wird, ist zum Beispiel der Echo in Deutschland. Da gewinnen dann eben Helene Fischer oder Freiwild, mal übertrieben gesagt.

    Sollte es so sein, dass der Großteil des Leipziger Konzertpublikums so tickt wie Du, dann arbeiteten wir tatsächlich haarscharf am Bedarf vorbei. Die Anzahl der Kommentare hier würde ich trotzdem nicht überbewerten. Wenn alle, die hier (oder auf facebook) mitlesen, ein Ticket für den 2.12. gekauft hätten, dann wäre das „No“ in der Überschrift dieses Beitrages nie erschienen. 😉

  9. Klaus

    Kritikerpreisen gegenüber bin ich tatsächlich recht abgeneigt, weil das am Ende niemals repräsentativ ist (ja auch die meisten anderen Preise finde ich persönlich wenig repräsentativ). Beim Geschmack kann ich schließlich nur von mir ausgehen und da mein eigener Geschmack sich (logischerweise) mit wenigen anderen Menschen deckt, weiß ich nicht wieso man da auf DJs oder Labelmenschen mehr Vertrauen sollte. Schwieriges Thema…
    Was die Verkaufszahlen angeht bin ich keinesfalls ein Befürworter, aber wenn schon eine Auswahl stattfindet, wieso müssen es immer irgendwelche Branchengesichter sein? Was ist die Branche überhaupt? Meine Helden sind noch immer die Bands die eben nicht zwingend in selbiger anwesend sind.
    Was „das Konzertpublikum“ angeht, gehöre ich ganz sicher nicht in die Allgemeinheit. Ich bin definitiv spezieller was meinen Geschmack angeht, von daher würde ich mich selbst nicht überbewerten. Mich interessiert nur zu verstehen was die Sache bringt, wer da was entscheidet und warum diese Personen insgesamt ausgerechnet diese Bands gewählt haben.

Kommentare sind geschlossen.